Kalt serviert - das unpersönliche MobbingÜber gute und böse Enten |
|
|
Aktuelles |
Anfänglich übersieht man das eine oder andere Signal vielleicht und schiebt es einfach darauf, dass nicht jeder jeden Tag gleich gut drauf ist, wie man so schön sagt. Aber dann plötzlich nimmt man den luftleeren Raum wahr, der sich zwischen der eigenen Person und den anderen auftut... beim Bäcker im Stadtviertel, in der Kita, wenn man die Kinder abholt, oder wenn der wöchentliche Treff mit den Kollegen abgesagt wird - und dann doch stattfindet, ohne dass man davon erfahren hätte. Irgendetwas ist geschehen, das steht fest - ...nur was? Je nach Temperament werden einige Menschen ins Grübeln verfallen, andere gehen direkt auf die Person oder die Gruppe zu, die sich auf einmal so sonderbar verhält. Das Letztere ist mit Sicherheit die bessere Idee, denn wer sich nächtelang schlaflos mit Spekulationen herumwälzt, schadet nur sich selber. Aber gesetzt den Fall, man fragt... dann wird es wahrscheinlich erst einmal kompliziert. Denn wiederum je nach Temperament und Charakterfestigkeit wird die betreffende Person entweder ableugnen, dass "irgendetwas nicht stimmt", oder aber sie fühlt sich sofort in die Enge getrieben und setzt zum Angriff an. Im zweiten Fall erfährt man zumindest, worum es eigentlich geht - und man hat das ungute Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Denn meist handelt es sich um ein Gerücht, das irgendjemand in die Welt gesetzt hat, und zwar eines, das weitmöglichst von der Wahrheit entfernt ist. Spricht man mehrere Menschen darauf an, erfährt man, dass praktisch jeder alles weiß, nur man selber nicht. Was jetzt jedem zuerst einfällt, nämlich eine wortreiche empörte Verteidigung, ist der größte Fehler, den man in einem solchen Fall machen kann - denn man erreicht nur, dass der Schlamm so richtig das Wasser verdunkelt. Angebracht wäre eine ruhige, freundliche und vielleicht sogar humorige Richtigstellung - aber das schafft kaum jemand in einer solchen Situation.
Einer Mutter von drei Kindern schlug plötzlich eisige Kälte entgegen, wenn sie in ihrer Wohngegend unterwegs war. Die Kinder wurden zunehmend isoliert, ihre Freunde durften nicht mehr mit ihnen verkehren. Es ging soweit, dass das Jugendamt zu einem Gespräch bat. Die erstaunten Eltern erfuhren dann, dass man sie für Alkoholiker hielt. Was tatsächlich geschehen war, konnte durch einen Zufall ausnahmsweise rekonstruiert werden. Es war schlichtweg darum gegangen, dass die Frau beim Einkaufen jedesmal eine große Menge Pfandgut zurückgab, was bei einer großen Familie nicht weiter verwunderlich ist. Saft- und Limonadenflaschen vermehren sich da fast von allein. Der Ausspruch einer Kassiererin "...die bringt jedesmal Unmengen von Flaschen mit..." war so übersetzt worden, dass es sich um Bierflaschen handele, obwohl diese Auslegung durchaus nicht beabsichtigt gewesen war. In den Köpfen der Leute setzte sich der Gedanke einer Mutter mit drei Kindern, die fast täglich Schnapsflaschen entsorgt, mit rasanter Geschwindigkeit fest. Und den Kindern musste doch geholfen werden, das ist doch kein Zustand, nicht wahr.
Mit Beleidigungen, Denunziationen oder Rufmord kann jeder von uns konfrontiert werden, ebenso können alle unabsichtlich an so etwas beteiligt sein. Niemals sollte man Informationen gedankenlos weitergeben, sondern diese stets so weit wie möglich prüfen. Ist die Falschmeldung erst einmal verbreitet, wird es schwierig, Geschehenes wieder in Ordnung zu bringen. Da braucht es jede Menge Courage - nicht nur um standzuhalten und zu dokumentieren, dass die Wahrheit eine andere ist, sondern auch den Mut zu einer Entschuldigung und Richtigstellung zu haben. "Es tut mir sehr leid, aber ich habe da voreilige Schlüsse gezogen." Das ist etwas, das man sagen kann, denn irren können wir alle. Es ist nur gut, wenn man das einsieht und zugibt, bevor großer Schaden angerichtet ist. Welche Meinung haben Sie zu diesem Beitrag? Welche Erlebnisse hatten Sie mit Freunden, Bekannten oder Kollegen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Nachricht senden © Ein Beitrag von Eleonore Radtberger für Pressenet © Foto: Alexander Klink, Quelle: Wikipedia, Creative Commons-Lizenz |