Ein Ende und ein Anfang

Die Suche nach dem "richtigen" Hund

Schäferhund

Lesen Sie diese Geschichte ab dem I. Teil:
Wenn ein geliebtes Tier stirbt

Das Halsband hängt da, wo es immer gehangen hat. Das Geschirr und die Leinen auch ... nur der Hund fehlt. Dieser besondere Hund wird immer fehlen, aber ein neuer vierbeiniger Freund muss her. Immer noch ist der Park wunderschön, immer noch liegt da der Wald nicht weit entfernt - und doch unerreichbar. Denn ohne Kumpel an der Leine macht das alles keinen rechten Spaß ... und wenn es noch so schön ist da draußen.

Wer nie einen Hund hatte, kann das nicht nachvollziehen - aber draußen herumzustrolchen und einfach das, was man sieht, hört und riecht (das letzte betrifft mehr den Hund) mit einem seelenverwandten Freund zu teilen, das ist einfach wundervoll. Man kann von einem Hund einiges lernen ... das "Hier und Jetzt" genießen und Freude empfinden, zum Beispiel. Sich wie das Tier mit den Sinnen auf die Natur einlassen, ohne Wenn und Aber.

Man hat nun gewisse Vorstellungen von dem Hund, den man haben will - wahrscheinlich wollen einige Menschen nicht, dass der Neue dem Vorgänger gleicht, andere vielleicht legen gerade darauf Wert. Auf jeden Fall muss es der "richtige" Hund sein. Es gibt da gewisse logische Überlegungen - zum Beispiel wäre es sinnvoll, dass die Größe nicht allzu sehr abweicht vom vorigen vierbeinigen Freund. Oder dass man beim bevorzugten Geschlecht bleibt.

Vielleicht möchte man einen Welpen, um so viel wie möglich von der Entwicklung mitzubekommen. Oder wäre man doch mit einem Hund, der die Flegelzeit schon hinter sich hat, besser bedient? Die Überlegungen in allen Ehren - aber so mancher, der unbedingt einen Malteserrüden wollte, kam mit einer Mischlingsdame nach Hause und war überglücklich. Das Schicksal wedelt gewissermaßen mit dem Schwanz bei der Hundesuche und fordert mutwillig zum Spielen auf.

Züchter oder Tierheim sind gute Adressen - aber viele kamen zu ihrem Hund einfach durch Hörensagen. "Mein Bekannter hat Welpen, würdest du nicht eines haben wollen?", "Ich muss umziehen und weiß nicht, wohin mit meinem Seppl", oder: "Mein Kind hat plötzlich eine Hundeallergie bekommen und jetzt geben wir die Susi her", und was dergleichen mehr ist.

Interessant und nicht überraschend ist allerdings, dass genau dann, wenn man einen Hund sucht, niemand eine Allergie hat, niemand umzieht und scheinbar nicht die Zeit für Welpen ist. Im Tierheim ist - sonderbarerweise - auch nicht gerade viel los. Listenhunde, sehr alte Hunde (kein Problem normalerweise, nur ist man noch am Trauern und möchte das nicht so schnell wiedererleben), zu klein oder dann doch zu riesig. Oder ... es klickt nicht. Und einrasten muss es schon - denn, wenn man Glück hat, verbringt man doch viele Jahre mit dem Hund. Und da muss schon irgendwie die Chemie passen. Bei Welpen kommt das immer zusammen ... ist der Hund aber schon älter, muss die Chemie stimmen.

Das Internet ist eine Möglichkeit - es gibt unzählige Plattformen für Tiere. Und da tummeln sich leider auch unseriöse Anbieter. Da gibt es Leute, die Hunde anbieten, die es nicht gibt, oder andere müssen ihr geliebtes Hundchen wegen einem Notfall sofort abgeben, blutenden Herzens ... und verlangen satte fünfhundert Euro. Die seriösen Anzeigen überwiegen allerdings, und teuflischerweise sind immer Fotos dabei. Man läuft Gefahr, sich zu vergucken in das eine oder andere seelenvolle Augenpaar. Aber da man keinen Park besitzt und auch kein altes Gutsherrenhaus, muss man Abstand davon nehmen, ein privates Tierheim zu gründen und sucht DEN besonderen Hund. Das tut man tage- und wochenlang. So lange, bis man zwar immer noch ganz dringend einen Hund sucht, aber eigentlich die Nase voll hat vom Suchen.

Und dann schickt einer der Bekannten wieder einen Link - das tun alle Freunde, die Internet haben. Man nervt schließlich jeden mit der Hundesuche. Die gut gemeinten Hinweise führen zwar zu süßen Hunden, aber die sind zu weit weg, zu klein oder zu groß, oder sie passen nicht richtig. Man klickt also an und sieht ein Hundemädchen, das absolut keine der selbstkreierten Voraussetzungen erfüllt.

Sie ist wahrscheinlich doch zu klein, außerdem zu weit weg. Ja, und sie kommt aus einem der Länder im Osten, wo Tierschützer pausenlos zugange sind, um Hunde vor dem sicheren Tod zu retten. Dagegen ist nun wirklich nichts zu sagen, aber die Erfahrung zeigt, dass manche dieser Tierschützer eine Vermittlung eher vermeiden wollen - sie scheinen nichts von der Chemie zu verstehen und gucken lieber, ob jedes Zimmer einen Wasseranschluss hat und der Hund auch über eine Markenmatratze verfügt. Bei Wohltätigkeitsmegären kommt es zuweilen in einer sonderbaren Umkehrung der Gegebenheiten zu einem Verlust jedweder Menschlichkeit - bei wirklich verbissenen Tierschützern kann es dazu kommen, dass grundsätzlich andere Menschen potenzielle Tierquäler sind. Jedenfalls könnte man das meinen, befasst man sich mit ihnen. Es hat vermutlich damit zu tun, dass für manche dieser selbsternannten "Engel der Tiere" eigentlich etwas völlig Anderes zählt als das Wohl der Vierbeiner. Es geht um sie selber - und da kommt gerne ein leichter Fanatismus auf.

Aber weiter mit der Suche - irgendwie betreibt man sie mittlerweile etwas halbherzig ... und sonderbarerweise landet man immer wieder bei diesem Link und bei diesen besonderen Hundeaugen. Es ist wie verhext - man bringt es auch nicht fertig, den Pfad dorthin zu löschen. Und nachdem man wieder einmal viel zu lange bei den verschiedenen Tierportalen und Seiten der Tierheime herumgeschaut hat, ertappt man sich dabei, wie man tatsächlich auf dieses bestimmte Inserat antwortet. Es ist nach Mitternacht und man schläft sowieso nicht, also schreibt man einfach. Vom geliebten Hund, der gestorben ist, von sich selber ein wenig, und dass man einfach mal anfragen wollte, ob sie noch zu haben sei, wie groß sie denn eigentlich wäre, und überhaupt. Ein wenig von der traurigen Geschichte der Hündin stand ja schon direkt im Inserat, aber man will doch mal gefragt haben - wo man doch immer wieder das Bild öffnet. Dann wird der PC abgeschaltet und man geht zu Bett. Schließlich - so denkt man - meldet sich sowieso niemand ...

Lesen Sie auch den dritten Teil Der Weihnachtshund
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© Text zu "Ein Ende und ein Anfang" von , 2010. die Abbildung zeigt einen Kroatischen Schäferhund; Lizenz: Public domain

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