Über den Umgang mit Verleumdungen

Feuerprobe

Der Boden, auf dem man steht, wird einem weggezogen wie eine dünne Matte und man bricht ein, weil man mit etwas Ungeheuerlichem konfrontiert wird: Verleumdung. Von allen Dingen, die Menschen einander antun können, ist die bewusste Diffamierung eines der Schlimmsten. Wir sprechen hier nicht von Pauschalurteilen, wie sie zum Beispiel über Ethnien oder Religionsgruppen gefällt werden, sondern die Bemerkungen über bestimmte einzelne Menschen, die jene bewusst in ein falsches Licht rücken oder sie schädigen sollen.

Ein Einzelner setzt eine Lüge in die Welt - gezielt und aus persönlichen Gründen - und in kürzester Zeit finden sich freiwillige Verteiler, die einen vielleicht "nur so dahingesagten" Satz in Umlauf bringen. Dabei geht es nicht darum, ob man das glaubt, was man sagt - derjenige, von dem man es gehört hat, glaubt es, und somit ist der Stempel der Wahrheit darauf. Oft kennt man die Person nicht, um die es geht, und gibt deshalb umso sorgloser weiter - oder man weiß sogar, um wen es geht. Da hört dann allerdings das gedankenlose Nachplappern auf - spätestens hier muss die Grenze gezogen werden und erst einmal der Wahrheitsgehalt des "Gerüchtes" geprüft werden. Das tut allerdings kaum jemand - und die Rechnung des "Erfinders" geht tatsächlich auf.

Es ist meist ein ungeheurer Aufwand, den tatsächlichen Verursacher einer erst einmal in Umlauf gebrachten Lüge ausfindig zu machen. Der allerdings ist kaum zu stellen, denn meist hat er eine harmlos scheinende Äußerung getan, weswegen er überzeugend zum "Das habe ich so nicht gesagt" greifen kann. Hat er wohl wirklich nicht - er hat es so gesagt, dass das, was er MEINTE, weitergegeben wurde. Denn tatsächlich reagieren Zuhörer nicht auf den Wortlaut, sondern auf den Sinn, der dahintersteht, und geben es in neun von zehn Fällen so weiter, wie es gemeint war - nicht, wie es tatsächlich ausgedrückt war.

Warum aber treffen Verleumdungen so sehr, wieso sind sie eine so überaus wirksame Waffe? Wir sind soziale Wesen und leben in einem Netz von Beziehungen mit anderen Menschen. Wir hegen und pflegen unsere Freund- und Bekanntschaften: die besten Freunde, die guten Bekannten, Kollegen und natürlich auch den Bäcker um die Ecke. So ein Gefüge gibt Sicherheit und Halt - aber es ist sehr empfindlich. Wenn Menschen, die sonst freundlich grüßen, plötzlich so tun, als ob sie blind geworden wären, oder die besten Freunde schlagartig den Kontakt abbrechen, dann macht das Angst. Zu der perfekten Folter gehört dann auch die Unsicherheit - man weiß zunächst nicht, was tatsächlich geschehen ist. Spricht man jemanden darauf an, wird meist geleugnet, dass "etwas nicht stimmt". Die Möglichkeit, sich zu verteidigen, besteht somit erst einmal nicht.

Verplappert sich dann zufällig doch einmal jemand, beginnt der Prozess der "Ursachenforschung", der meist im Sand verläuft. Es gibt Menschen, die tatsächlich soweit abgeklärt sind - oder sollte man sie eher "weise" nennen - die mit einem Lächeln oder Achselzucken über so etwas hinweggehen können. Denn sie wissen ja, dass diese Verleumdungen nichts weiter als solche sind. Und sie wissen, dass die Menschen, auf die es ihnen ankommt, dies auch wissen, beziehungsweise niemals glauben würden. Aber leider sind wir selten so klug, außerdem kann so ein kleiner böser Feldzug zu einer Katastrophe werden. Durch Infamien sind schon Beziehungen zerstört worden, Arbeitsplätze wurden verloren und so mancher hatte einen auf Dauer geschädigten Ruf und musste von vorne anfangen - auch geschäftlich.

Verhindern können wir nicht, dass jemand gezielt einem bestimmten Menschen durch Lügen schaden will - aber wir können es ablehnen, zum Helfer zu werden. "Hab ich das jetzt falsch verstanden oder hat Herr/Frau Müller das oder jenes wirklich getan?" Das wäre ein guter Ansatz. Wenn jemand mit dem Standardsatz kommt: "Ich will ja nichts gesagt haben", dann sollte die Antwort lauten: "Haben Sie aber eben gerade."

Vor allem ist eines wichtig: lassen Sie sich niemals verpflichten. Bei einem Satz wie: "Sag es aber bloß nicht weiter, versprich mir das", wird mancher da punktgenau bei seiner Ehre gegriffen und gibt sein Wort. Dabei sollte gerade auf so einen Satz die Antwort lauten: "Wieso nicht - du hast es ja eben direkt gemacht." So weigert sich ein fairer Mensch zur Aufklärung beizutragen. Versprechen Sie also nie so etwas.

Weiterhin sollte man keine Hemmungen haben, seine Quelle anzugeben. "Ich habe das von Frau/Herrn XYZ so gehört", muss gesagt werden können. Oder wieso möchte die Quelle denn nicht genannt werden? Man sollte sich immer fragen, ob diese Person weiß, dass es sich um eine Unwahrheit handelt oder wieso man zurückhaltend sein soll. Wenn die Kette unterbrochen wird, scheitert der Plan des Verleumders und allen wird viel Ärger erspart.

Verleumdungen treffen oftmals bis ins Mark - da erfährt zum Beispiel ein Antialkoholiker, dass er sturzbetrunken und laut grölend nach Hause geschwankt sein soll, oder engagierte Eltern hören, dass man über ihre vernachlässigten Kinder tuschelt. Es fühlt sich wie ein direkter Anschlag auf das Leben an, wenn gerade eines der allerwichtigsten Dinge des eigenen Lebens negiert oder völlig in das Gegenteil verkehrt wird. Wer wissentlich so etwas tut, weiß, wie ernst die Folgen für die Psyche sein können. Diejenigen, die gedankenlos (wirklich?) nachplappern, müssen als schwächeres Glied der infamen Kette davon abgelöst werden - die besten Verteiler nützen nichts, wenn man ihnen nicht zuhört. "Sind Sie sicher, dass das, was Sie da erzählen, auch stimmt? Schließlich werde ich Sie ja als Quelle angeben, wenn ich danach gefragt werde", ist ein sehr gutes Argument. Von dieser Person wird man nichts mehr hören - vielleicht hält sie sich überhaupt fern. In diesem Fall wäre auch nicht viel verloren.

Machen wir uns nicht zum Handlanger. Wer weiß, vielleicht geht es das nächste Mal um uns selber - und wir sind dankbar für couragierte Mitmenschen, die sich nicht für so etwas einspannen lassen.

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© "Über den Umgang mit Verleumdungen" - ein Textbeitrag von , 2010. die Abbildung zeigt ein Detail aus dem Gemälde Feuerprobe von Dierick Bouts, Lizenz: Public domain

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