Verliebt - verlobt - verheiratetLiebe auf den ersten Blick ... und die Realität |
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Zwei Menschen verlieben sich fürchterlich heftig, und entlieben sich auf dieselbe Weise. Das ist völlig normal und keiner erwartet eigentlich etwas anderes, denn es dauert einige Zeit, bis er oder sie die Angelegenheit mit den zwischenmenschlichen Beziehungen "auf die Reihe kriegt". Flapsig gesagt, aber es gibt natürlich immer wieder ganz großen Herzschmerz, der zwar recht rasch vergeht, aber trotzdem eben da ist. Man verliebt sich in einen Mann oder eine Frau, weil er/sie aussieht wie der Schwarm, der in Posterformat über dem Bett hängt, weil er/sie irgendetwas tut, was einem imponiert. Es geht dabei um Äußerlichkeiten - das ist nicht herabsetzend gemeint, es ist eben eine Tatsache. Später wird das anders sein, jedenfalls ist es im Idealfall so. Man blickt mit der Zeit tiefer und verliebt sich aus anderen Gründen, man erkennt rasch, dass der oder die Idealgeliebte nichts als ein Schemen ist, der mit leibhaftigen Menschen nichts zu tun hat. Und so wird eine Frau mit Hang zu feurigen Latin Lovers glücklich mit einem sandblonden, gesetzten Herrn.
Die so genannte "Liebe auf den ersten Blick" gibt es nicht wirklich - man muss das Wort Liebe durch das Wort "Faszination" ersetzen. Das wiederum ist durchaus möglich. Man sieht jemanden und schlagartig tritt alles andere in den Hintergrund. Man bewundert so gut wie alles an ihm/ihr und ist hingerissen. Allerdings hat man zu diesem Zeitpunkt schon eine eingegrenzte Wahrnehmung, denn man möchte alles mögen, was man sieht und verdrängt alles, was vielleicht ein Warnhinweis sein könnte. Ich sage "verdrängt", denn wahrgenommen werden solche kleinen Signale schon - nur, wer will sich in diesem Stadium der Verliebtheit schon Zweifel leisten. Der eigene Liebesfilm in 3D geht weiter und es steuert flott auf ein Finale zu - was entweder zusammenziehen oder Heirat heißt. Und dann klopft jemand erst schwach und zurückhaltend, dann aber forscher und schließlich unüberhörbar an die Tür... der Alltag. Ist man fasziniert, ohne die Person näher zu kennen, macht also an äußeren Zeichen wie Verhalten oder Optik alles fest, kann man sehr böse überrascht werden. So entpuppt sich vielleicht ein nimmermüder Tänzer, sobald man eine gemeinsame Couch hat, als ewig müder TV-Besessener, die elegante Femme fatal als Morgenmanteltragende vor sich hin meckernde Zicke. Was das Ego so wunderbar streichelte am Anfang, die glutvolle Eifersucht ist nichts anderes als Kontrollsucht und Besitzdenken - und die bewunderte Toleranz schwindet in den alltäglichen Sorgen und wird durch ewige Streitereien ersetzt.
Das eigene Ich, die eigenen Bedürfnisse werden sich nicht lange unterdrücken lassen, und das führt zu Konfrontationen und Streit, weil die Enttäuschung vorherrscht - die man im Übrigen dem anderen anlastet. Verliebtheit bedeutet Spaß am Lieben, Flirten, Träumen. Liebe bedeutet, sich einzulassen und das gleiche entgegenzunehmen, vor allem aber den anderen als Menschen wahrzunehmen und nicht als die Hauptperson in den eigenen Träumen von Liebe. Da kann das Erwachen nämlich sehr schmerzhaft sein. Welche Meinung haben Sie zu diesem Beitrag? Welche Erlebnisse hatten Sie mit Freunden, Bekannten oder Kollegen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: Nachricht senden © Ein Beitrag von Eleonore Radtberger für Pressenet Die Abbildung zeigt das Gemälde "Der Antrag" von William Adolphe Bouguereau aus dem Jahr 1872
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