Heinz Knopp: Ein deutsches Kriegskind in den USA

Leseprobe aus "Zwischen Rheinbrücke und Golden Gate Bridge"

Heinz Knopp: Ein deutsches Kriegskind in den USA

Über die Autobiografie des Autors Heinz Knopp:

Als Kind erlebte Heinz Knopp den Zweiten Weltkrieg in Arzheim, heute ein Stadtteil von Koblenz. Hunger und Angst waren damals seine ständigen Begleiter. Seine heimlichen Helden waren die Figuren in den Geschichten, die er las: Old Shatterhand, Indianer, Cowboys. Und so wurde ihm das Nachkriegsdeutschland zu eng und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum Ort der Freiheit und der Abenteuer.

Mit achtzehn emigrierte Heinz Knopp in die USA. Endlich fühlte er sich frei. Das Abenteuer konnte beginnen. Die unterhaltsamen Aufzeichnungen seiner Lebensreise umfassen als Taschenbuch mehr als 260 Seiten (ISBN 978-3748132127) und schildern sein Leben in den USA. Und wie es dazu kam, dass er wieder am Rhein landete.

Unser Buchtipp: Heinz Knopps Autobiografie wurde im Oktober 2018 via BoD veröffentlicht und ist unter den Rubriken Politik und Geschichte, Nachkriegszeit, Biografien und Erinnerungen sowie Bücher Amerika auch als E-Book erhältlich.

Leseprobe aus "Zwischen Rheinbrücke und Golden Gate Bridge":

Eines Tages sollte ich eine Torte, bestehend aus fünf Stufen, liefern. Die fünf Stufen waren auseinander genommen größer als die Kombifläche meines Fords. Ich hatte keine andere Wahl, als zwei Stufen übereinanderzustellen. Als ich einen Hügel hinauffuhr, kippte dieser kleine Turm nach hinten, hinein in die anderen Stufen. Der Hochzeitskuchen war ruiniert. Ich war verzweifelt, denn die Hochzeitsfeier würde in vier Stunden beginnen und in den USA war die Torte der Mittelpunkt der Festlichkeit. Es war Tradition, auch heute noch ist es so. 200 Gäste und kein Kuchen. So viele Arbeitsstunden hatte die Torte in Anspruch genommen, jetzt hatte ich gerade mal vier Stunden, um zu improvisieren. Zuerst musste der Kunde informiert werden, meistens die Eltern des Brautpaares, die sowieso schon unter hohem Stress standen.

Vorwürfe und Drohungen drangen durch den Telefonhörer, als ich sie über das Unglück informierte. "Wie konnte so etwas passieren? Die ganze Party ist ruiniert. Das gibt ein Nachspiel." Doch ich war der Einzige, der ihnen helfen konnte, also nahmen sie meinen Vorschlag, in den vier Stunden etwas Vergleichbares zu produzieren, gezwungenermaßen an. Nichts traf mich mehr als die Ungunst eines Kunden. Hier war nicht nur er das Opfer, sondern 200 Gäste würden Zeugen unseres Missgeschicks sein. Und diese Gäste hatten wiederum Bekannte und Freunde. Ich musste mir also schnell etwas einfallen lassen.

Für späte Bestellungen und ökonomische Arbeitseinteilung hatte ich immer gebackene Böden im Gefrierschrank. Statt der bestellten runden Torte in fünf Stufen stellte ich nun eine viereckige her, die drei Stufen hatte. Es war ein Meisterwerk und ich war fast stolz auf mich, denn ich schaffte es in drei Stunden, und wir hatten noch genügend Zeit für die Lieferung. Der zerstörte Kuchen hatte zwischen jeder Stufe eine fünf Zentimeter hohe Säule gehabt, sodass die Torte über einen Meter hoch war und entsprechend spektakulär aussah. Der neue Hochzeitskuchen hatte keine Säulen und die Stufen standen direkt übereinander, waren aber leichter zu transportieren.

Zu dritt machten wir uns auf den Weg durch die Straßen von San Francisco. Es war halb acht, die Party begann in einer halben Stunde. Zum Glück war der Berufsverkehr vorbei. Wir erreichten unser Ziel um zehn nach acht. Der Saal war voll mit fröhlichen Menschen, wie man es auf einer Hochzeitsparty erwartete, nur mit dem Unterschied, dass ein Tisch mitten im Saal noch leer war. Dorthin gehörte die Torte. 200 Augenpaare folgten uns, als wir uns mit dem Kuchen den Weg durch die Menge bahnten, wie drei Knechte, die durchs Fegefeuer gingen. Als der Kuchen auf dem mit bunten Tüchern bedeckten Tisch stand, schaute er recht gut aus. Auch im Gesicht des Gastgebers entdeckte ich einen Hauch von Erleichterung. Die Feier war gerettet.

Mein Vertrauen in die Menschheit wurde gestärkt, als mich drei Tage später der Brautvater anrief und mir ein großes Kompliment gab für meine Improvisation. Nicht nur habe die Torte sehr gut ausgesehen, sie habe auch gut geschmeckt. Er bestand darauf, dass ich den Scheck für die Torte annahm. Den hatte ich nämlich in der Zwischenzeit an ihn zurückgeschickt. Auf das Geld hätte ich gerne verzichtet, denn das zurückgewonnene Vertrauen des Kunden war mir wichtiger. Doch vor allem konnte ich jetzt wieder besser schlafen.

© Dem Autor Heinz Knopp danken wir herzlich für diese Leseprobe und die Abbildung des Buchcovers aus "Zwischen Rheinbrücke und Golden Gate Bridge: Ein deutsches Kriegskind in den USA", 11/2018.

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