Die Katzenklappe in der Haustür ist für Papa

Leseprobe aus "Werwesen" - ein Jugendroman der Autorin Ursula Janßen

Jugendroman Werwesen

Zum Inhalt des spannenden Jugendromans:

Der 13-jährige Tim wird in seiner Klasse gemobbt. Die einzige, die zu ihm hält ist seine Klassenkameradin Coco, ein lebhaftes und unangepasstes, aber gutherziges Mädchen, das sich nicht darum kümmert, was andere von ihr denken.

Eines Nachts erfährt Tim eine Verwandlung, die ihn zunächst an seinem Verstand zweifeln lässt und die ihn eine ganz neue Welt entdecken lässt. Doch diese Welt ist in Gefahr: Skrupellose Geschäftemacher sind hinter das Geheimnis der Werwesen gekommen und planen, ihre Fähigkeiten zu ihrem eigenen Nutzen zu missbrauchen.

Der 170-seitige Jugendroman "Werwesen" kombiniert die Themen Mobbing, Umweltschutz und Akzeptanz des Anderen mit populären Fantasy-Motiven. Der magische Roman wurde im Sommer 2018 veröffentlicht und ist auch als E-Book erhältlich.

Leseprobe aus dem Fantasy-Roman "Werwesen":

Tim betrat Cocos Zimmer und sah sich einer Explosion von Farben gegenüber. In einer Ecke stand eine Sitzstange, wie man sie für große Vögel benutzt. Auf dem Boden lagen einige leere Schalen von Sonnenblumenkern. "Du hast einen Papagei?", fragte er Coco.

Coco kicherte. "Einen Papagei? Nicht direkt. Sagen wir es mal so: Ich bin der Papagei."

"Du bist was?" Tim hielt sie jetzt wirklich für verrückt.

"Ich bin der Papagei", wiederholte sie. "Ein Werpapagei. Jeden Monat bei Vollmond verwandle ich mich in einen Ara. Und wenn ich Lust dazu habe, auch zwischendurch. So, jetzt will ich aber erstmal wissen: Was ist es bei dir?"

"Bei mir?" Tim verschlug es die Sprache. Erstmal brachte er gar nichts heraus, dann gelang es ihm zu fragen: "Was meinst du?"

"Ich meine: Worin verwandelst du dich? In welches Tier? Komm schon!" Coco sah Tim auffordernd an.

"Ich ..., ich weiß es nicht", stotterte Tim.

"War es noch nicht klar? Eine unvollständige Verwandlung? Haare oder Federn? Schuppen?"

"Nein, weder noch. Ich meine, ich glaube nichts von alldem. Ich war ein Mensch. Nur anders. Größer, nicht so blass, und ich brauchte keine Brille."

"Ein Wermensch!", rief Coco entzückt aus. "Wahnsinn! Das ist total selten! Das muss ich Mama und Papa erzählen!"

"Warte, stopp! Was redest du da? Ein Wermensch? Kannst du mir bitte mal erklären, was du meinst? Und bitte halte deine Eltern da raus."

"Eltern da raus. Natürlich", sagte Coco entschuldigend. "Das ist nur so aufregend. Wo soll ich bloß anfangen? Also, fangen wir ganz von vorne an: Es gibt Werwesen. Sieh mich nicht so an, es gibt sie wirklich. Du hast es ja an dir selber gemerkt." Sie unterbrach kurz, um nachzudenken. "Nun, theoretisch kann man sich von jeder Tierart in jede andere Tierart verwandeln, Menschen eingeschlossen. Praktisch sind dem natürlich einige Grenzen gesetzt, aber dazu komme ich später. Also, Papa wird zum Fuchs, Mama zu einem Quetzal, das ist ein wunderschöner Vogel aus Costa Rica, ihrer Heimat. Du weißt, dass meine Mutter aus Costa Rica stammt?"

Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Coco fort: "Flora, meine Schwester, wird zu einem Kolibri. Richtig flatterhaft, die Gute. Und ich bin ein Werpapagei. Mamas Gene sind da wohl stärker als Papas. In ihrer Familie werden fast alle bei Vollmond zu Vögeln. Die Leute sagen immer, Mama sei ein echter Paradiesvogel. Sie wissen ja gar nicht, wie recht sie damit haben. Mama hat einen Blumenladen in der Innenstadt, weißt du? Da hat sie echt ein Händchen für."

Tim schaffte es, Cocos Redefluss zu unterbrechen. "Warst du der Ara, der Bo auf den Kopf gemacht hat?"

Coco grinste. "Na klar! Ich hab' mich hinterher richtig erleichtert gefühlt."

"Und die Katzenklappe in eurer Haustür ...?", begann Tim seine Frage.

"... ist für Papa", beendete Coco den Satz. "Für uns Mädels steht im Dachgeschoss immer ein Fenster offen."

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Eltern sich in absolut nichts verwandeln, niemals", wand Tim ein.

"Das ist sogar ziemlich wahrscheinlich", entgegnete Coco. "Das Werwesentum überspringt oft eine Generation. Nur wenn beide Eltern Werwesen sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Kinder zu Werwesen werden. Du hast nicht zufällig ein Großelternteil, das sich jeden Vollmond verwandelt? Vielleicht kenne ich die Person ja sogar?"

Tim musste an Oma Brennigan und ihren fragenden Blick denken. "Nicht dass ich wüsste", antwortete er dennoch.

"Wenn du dich gut umhörst, findest du die Veranlagung bestimmt in deiner Familie."

"Okay", sagte Tim langsam. "Angenommen, ich glaube dir die Geschichte. Aber du kannst mir nicht zufällig ein Beispiel deiner Verwandlungskünste vorführen?"

"Kann ich. Könnte ich. Aber das gehört sich nicht. Der Verwandlungsprozess ist nicht sehr hübsch. Er dauert drei Minuten. Das klingt jetzt nicht nach viel, aber drei Minuten können lang sein. Und dann gibt es noch das Kleiderproblem." Coco errötete. "Von der Menschen- in die Tiergestalt geht es ja noch, aber wenn wir uns zurückverwandeln, fehlen uns unsere Kleider. Deshalb verwandeln wir uns am liebsten in unseren vier Wänden. Aber für dich wird das ja kein Problem sein. Du musst nur weite Klamotten anziehen. Vielleicht mit Gummizug." Sie stockte und sah Tim an. "Ein Menschenwermensch, irre!"

"Ein Menschenwermensch?", hakte Tim nach.

"Ja, so bezeichnen wir uns: Erst die Ursprungsgestalt, dann die Silbe 'wer', dann die Gestalt, in die wir uns verwandeln können. Ich bin demnach ein Menschenwerpapagei, Papa ein Menschenwerfuchs und du eben ein Menschenwermensch." ...

© "Die Katzenklappe in der Haustür ist für Papa". Herzlichen Dank an Frau Ursula Janßen für die Leseprobe aus ihrem Fantasy- und Jugendroman "Werwesen" und das Coverbild, 09/2018. Mehr von der Autorin lesen Sie in dem historischen Roman "Die Spur des Emirs"

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