Buchtipp: "Tanja oder Die Unplanbarkeit des Daseins"

Leseprobe aus dem Politthriller des Autors Heiko Mallau

Politthriller des Autors Heiko Mallau

Über das Buch:

Zwei Menschen, der Erzähler Heckler, Referatsleiter in einer Behörde, und seine Sekretärin Tanja, geraten zufällig ins Visier der Politik.

Tanja, neu in Hecklers Referat gekommen, versucht, diesen zu erobern. Heckler, im "zweiten Frühling" seines Lebens und eigentlich nicht abgeneigt, erkennt rechtzeitig die Gefahr, die ihm bei einer Liaison mit einer viel jüngeren, nachgeordneten Kraft droht, und lässt Tanja abblitzen. Sie, eine willensstarke Frau, wendet nun eine neue Strategie an, um ihr Ziel zu erreichen. Sie fängt ein Verhältnis mit dem Amtsleiter, dem gemeinsamen Chef von Heckler und ihr, an. Dieser, Parteibuch-Beamter und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat weniger Hemmungen als sein Referatsleiter und lässt sich auf die junge Frau ein.

Nun hat Tanja ihren Chef in der Hand und beginnt ihn zu erpressen. ...

Am Ende bleiben nur zwei Geschädigte übrig: Tanja, die sich im Verlauf der Affäre strafbar gemacht hat und ihren doch auf Lebenszeit angelegten Beamtenposten verliert, und Heckler, dem eine einmalige Karrierechance zerstört wurde. Die beiden enden als Kollateralschäden der großen Politik. Hinter der Fassade des ehrbaren Rechtsstaates erscheint in diesem Buch schemenhaft die Vision eines Staatsgebildes, in dem Gesetze gelten, die nirgendwo kodifiziert sind.

Unser Buchtipp: "Tanja oder Die Unplanbarkeit des Daseins" ist der zweite Roman von Heiko Mallau. Die Buchausgabe (ISBN 978-3958765719) umfasst 250 spannende Seiten und wurde im Oktober 2018 vom Brighton Verlag herausgegeben.

Hinweis: Über Heiko Mallaus erstes Buch "Schwerdtfegers Rubicon - Ein Hamburg-Krimi" (2014 erschienen) berichteten wir hier auf unserem Portal mit einer Rezension.

Leseprobe aus dem Kapitel "Machtwechsel":

Die Boeing 747 war pünktlich von Washington Dulles International Airport auf ihren Flug nach Frankfurt gestartet, an einem schönen Indian Summer-Nachmittag, einem Sonntag, den 13. November 1988. Der Tag neigte sich dem Ende zu, die Maschine flog gegen den Lauf der Sonne in eine schnell hereinbrechende Dämmerung.

Heckler war zusammen mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern auf einer dreitägigen Konferenz in Annapolis, Maryland, USA, gewesen. Er hatte einen Teil seiner Freizeit mit einem französischen Kollegen verbracht, Jean-Louis Blanc. Sie hatten zusammen ein Auto gemietet; Heckler hatte festgestellt, dass der Franzose fuhr wie ein Rennfahrer. Jean-Louis musste von dem Verlust gehört haben, der Heckler kürzlich widerfahren war, als ihm eine Karrierechance zerstört wurde. "Machen Sie sich nichts daraus", hatte der Kollege ihn getröstet, "Ihr Staat wird das wieder an Ihnen gut machen." Das hat sich also bis nach Frankreich herumgesprochen, dachte Heckler überrascht.

Das Wochenende hatte er auf eigene Kosten in Washington, DC, verbracht, hatte einen Wagen gemietet und war in den nahen Shenandoah-Nationalpark gefahren. Wenn man schon einmal in den Vereinigten Staaten war, konnte man sich dort auch ein wenig umschauen. Leider hatte Kollege Blanc sein Angebot, ihn zu begleiten, abgelehnt; er wollte möglichst schnell wieder nach Hause.

Manfred Heckler hatte beim Einchecken für seinen Heimflug überrascht festgestellt, dass für diesen Teil seiner Dienstreise der Sitz 26B vorgebucht worden war. Das war ungewöhnlich; normalerweise wurden die Sitzplätze erst beim Einchecken vergeben. Wer hatte das veranlasst? Vermutlich war das eine Eigenmächtigkeit des Buchungssystems. Die Maschine war nicht voll belegt; der Fensterplatz neben ihm, 26A, war unbesetzt. Jenseits des Ganges, auf 26C, saß eine junge Frau, die übrigen vier Sitze der mittleren Reihe waren frei.

Das Abendessen wurde serviert, wieder Rinderroulade, dachte Heckler mürrisch, wie schon auf dem Hinflug nach JFK, New York, vor sieben Tagen. Etwas mehr kulinarische Abwechslung in der Business Class wäre kein Fehler. Nachdem die Stewardessen die Überreste des Abendessens abgeräumt hatten, begannen die Passagiere mit der Vorbereitung für den Nachtflug. Hecklers Nachbarin kam aus Richtung der hinteren Toilettenräume; sie hatte ihr schönes schwarzes Haar, das vorher zu einem Zopf geflochten war, gelöst. Im Vorübergehen warf sie Heckler einen kurzen, intensiven Blick zu. Hoppla, dachte der: Meint die etwa mich?

Sie machte es sich bequem, klappte die Armlehnen von drei Sitzen hoch und legte sich zur Ruhe. Während die Beleuchtung in der Kabine abgedunkelt wurde und der Film anlief, trank Heckler den Rest seines Rotweins aus, den er sich zu seinem Abendessen bestellt hatte. Als sein Blick eher zufällig auf die mittleren Sitze seiner Reihe fiel, blieb sein Blick auf seiner schönen Nachbarin haften.

Die junge Frau massierte sanft ihre Brust. Dann löste sie den Gürtel ihrer eng anliegenden Hose und fuhr mit der Hand hinein. Verdammt, dachte Heckler, was macht die da? Wo sind wir denn hier? Sie führte ihre Hand zielsicher in ihren Schritt, Heckler sah durch den Stoff der eng anliegenden Hose die rhythmischen Bewegungen ihres Zeigefingers: Ein Zweifel war nicht möglich, sie masturbierte. Langsam wurden die Bewegungen ihres Körpers ekstatisch, ein Sicherheitsgurt fiel klappernd auf den Boden. Ihr Hintermann, der auf die rhythmischen Bewegungen der Rückenlehne seines Vordersitzes aufmerksam geworden war, erhob sich von seinem Sitz und sah sich kurz das Treiben vor ihm an, setzte sich wieder.

Sie hob den Kopf und sah Heckler an: Schaust du mir auch zu? Das tat er. Diese Veranstaltung schien ihm zu gelten; sie ließ ihn durchaus nicht unberührt. Er versuchte, nicht hinzuschauen, es gelang ihm aber nur zeitweise. Eine Stewardess näherte sich. Seine Nachbarin erhob sich, flüsterte mit ihr. Die Stewardess verschwand, kam mit einer Taschenlampe wieder, leuchtete diskret in Hecklers Richtung, schenkte ihm ein, wie er fand, nettes Lächeln und verschwand wieder. Auf der anderen Seite des Ganges ging das Treiben unverändert weiter. Heckler fand in dieser Nacht wenig Schlaf. ...

© Buchtipp zum Politthriller "Tanja oder Die Unplanbarkeit des Daseins": Dem Autor Heiko Mallau und dem Brighton Verlag (Framersheim, Rheinland-Pfalz) danken wir herzlich für das Coverbild und die Leseprobe, 12/2018.

Lesen Sie unsere Rezension zum Thriller "Die Stimme"

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