Ullas Wunsch und der Lampengeist

Leseprobe

Geplauder im Regen

Die Autorin Ilona E. Schwartz veröffentlicht hier eine weitere Leseprobe aus ihren Büchern. Die komplette Erzählung ist im Buch "Jan und die Märchenbühne der Wunder" enthalten (Informationen dazu siehe weiter unten).

Leseprobe aus "Ullas Wunsch und der Lampengeist":

Ulla murmelte mit zusammengekniffenen Lippen vor sich hin, während sie mit fahrigen Bewegungen Kaffeepulver in den Filter löffelte. "Wenn er nur nicht rüberkommt", dachte sie und drückte auf den Bedienungsknopf, der sofort rot aufleuchtete. "Der Kaffee war kalt", hatte ihr Mann vor weniger als fünf Minuten gerufen, und das bedeutete nicht mehr und nicht weniger als einen schlimmen Abend.

Natürlich war der Kaffee so heiß wie immer gewesen, als sie ihn in das Wohnzimmer gebracht hatte, wo Ernst auf der Couch saß und fernsah. Aber nun, eine halbe Stunde später war von "heiß" nicht mehr die Rede. "Du weißt, wie ich die lauwarme Plürre hasse, Ulla. Manchmal denke ich, dass du das absichtlich machst." Heute brüllte er nicht, er sagte es fast freundlich. Und das war es, was ihr soviel Angst machte, dass sie das restliche Pulver auf der Arbeitsplatte verschüttete. "Wenn er nur nicht rüberkommt", dachte sie wieder und zog die Schultern hoch, während sie versuchte, ihre zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen. Dann fiel ein Schatten auf den hellgrauen Küchenschrank, und als der erste Stoß sie traf, dachte sie nur: "Er muss geschlichen sein, ich habe ihn nicht einmal gehört."

Später saß sie auf dem Sessel, der im akkuraten Winkel zur Couch stand, und hielt sich einen kühlen und feuchten Lappen an die Stirn, während Ernsts Monolog an ihr vorbeirauschte. Ulla musste nicht hinhören, sie kannte ihn auswendig und die Einsätze kamen zuverlässig. Warum sie auch so schlampig war, warum sie nicht Acht gab und nie auf Kleinigkeiten achten konnte, wieso sie selber schuld war, wenn ein Mann die Beherrschung verlor, und dass sie Glück hatte, dass für sie gesorgt wurde. Und dass er nicht noch einmal sehen wolle, wie sie mit den Sachen umging, die er von dem Geld bezahlte, für das er hart arbeiten musste. Sein Kaffee hatte heiß zu sein ... HEISS. Ulla nickte und entschuldigte sich, versuchte den Kopfschmerz zu ignorieren und stellte sich die Verfärbung vor, die es mit Sicherheit wieder geben würde. Später, im Bett, starrte sie an die Decke. Sie konnte nicht schlafen, das konnte sie nie vor zwei oder drei Uhr morgens - aber Ernst bestand auf dem frühen Zubettgehen, pünktlich um 21 Uhr.

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Früher hatte sie sich nachts in die Küche geschlichen, um ein wenig zu lesen, bis sie müde wurde. Aber als er sie erwischt und sie so zugerichtet hatte, dass sie noch tagelang kaum aus den Augen sehen konnte, wagte sie das nicht mehr. Sein riesiger Körper strahlte unerträgliche Hitze aus, wie er da schlafend neben ihr lag und dröhnend schnarchte. Ernst war sehr übergewichtig, und er litt unter Atemnot. "Asthma" nannte er das, aber es kam vom Gewicht. Seit neuestem hatte er einen Aspirator, ein neues Spielzeug. Das Zeug war wahrscheinlich nichts weiter als Wasser mit ein wenig Kampfer, aber Ernst behauptete, es helfe ihm. Als sein Arzt ihm einen Diätplan erstellen wollte, hatte er tagelang getobt und Ulla musste mit langen Ärmeln zum Einkaufen gehen ... im August.

Am Anfang war alles einfach gewesen, sie hatte auf ihre Mutter gehört, die gemeint hatte, dass Ernst einer sei, der genau wisse, was er wolle. "Du brauchst so einen Mann, Ulla. Wo du doch immer so hippelig bist." Und sie hatte es geglaubt, hatte es noch geglaubt, als er angefangen hatte, sie zu erziehen. Erst waren es "Strafarbeiten" gewesen, so wie die Wohnung noch einmal völlig putzen, weil er eine Fluse auf dem Boden entdeckt hatte oder jedes Hemd noch einmal bügeln, weil eines eine Falte am Ärmel hatte. Irgendwann hatte er geschubst, dann geschlagen. Ulla hätte gerne eine Arbeit angenommen, aber das hatte Ernst ihr verboten. ...

Wie geht diese Geschichte nun weiter?
Die komplette Erzählung lesen Sie im Buch Jan und die Märchenbühne

© Text zu "Ullas Wunsch und der Lampengeist": ; Abbildung: Gemälde "Geplauder im Regen" von Margret Hofheinz-Döring, 1963 (Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Brigitte Mauch)

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