Dear Alice... oder "Living next door to Alice" |
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Wie eine Furie habe ich Dich verteidigt, wenn mal wieder irgend so ein Kerl meinte: "Klar, die frustrierte hässliche Kuh hat keinen abgekriegt." Meist waren das Männer, die so gut wie nie in den Spiegel sahen und sich deshalb nicht wunderten, wieso sie eigentlich keine Frau oder Freundin hatten, so wie sie aussahen. Aber das nur am Rande, denn vor allem bewunderte ich Deinen scharfen Verstand und natürlich Deinen Kampfgeist. Wie vielen Frauen Du ihre sexuelle Identität bestätigt oder vielleicht sogar erst gegeben hattest mit Deinem Buch "Der kleine Unterschied", weißt nicht einmal Du selber. Du hast Tempelhallen einstürzen lassen und Idole vom Sockel geholt, könnte man sagen. Du hast Deinen Schwestern beigebracht, dass es nicht an ihnen lag, dass sie die Sache mit dem Geschlechtsverkehr nicht so sehr mochten, sondern daran, dass eine Menge Leute im Laufe der Jahrhunderte eine Menge Unsinn von sich gegeben hatten. Und dass Frauen auch "NEIN" sagen dürfen, das hast Du ihnen auch vor Augen geführt. Und niemals hast Du so etwas wie "Männerhass" gepredigt. Das wurde Dir zwar angehängt, es stimmte aber einfach so nicht. Ja, das waren noch Zeiten in den Siebzigern und Achtzigern des vorigen Jahrhunderts, als die Frauen anfingen zu begreifen, dass sie nicht von Natur aus unterlegen waren - und so weiter und so fort. Heute sind das wohl olle Kamellen, guckt man sich die silikongefüllten neuen Frauen an. Nun ja, zumindest kann man sagen, dass sie nicht hohl sind... kleiner Scherz am Rande. Sieht man sich die Kanzlerin an, weiß man, dass sich sehr wohl einiges geändert hat - bis auf kleine Ausfallschritte in Richtung Äußerlichkeit. Aber niemand kann sagen, dass Angela keinen abgekriegt hätte... hat sie nämlich. Nimmt man die Worte einer amerikanischen Feministin, die da besagen, dass wir Frauen es geschafft haben, wenn eine völlig unfähige Frau das höchste Amt im Staat innehat, dann sind wir ja echt direkt auf der Ziellinie.
Ja, Alice... und was tust Du jetzt? Du verbündest Dich mit dem Teufel, um einen kleinen Poltergeist ...äääh Kachelmann zu fangen, oder wie muss man das sehen? Eine Kolumne in der BILD... Alice, das geht so was von gar nicht. Diesmal hast Du Dich in der Wahl der Mittel, oder eher gesagt, des Podiums vergriffen. Die Mitarbeit bei diesem Blatt ist kein Startloch, um in der Kampfarena seine Meisterin zu stehen, sondern eher eine Abschussrampe, Alice. Ich verstehe das nicht, und ich denke, dass sehr viele Frauen das auch nicht verstehen. Und aus diesem Grund, Alice, verabschiede ich mich an dieser Stelle von Dir. Wir haben eine lange Wegstrecke zusammen hinter uns gebracht, aber jetzt ist es Zeit für die Trennung. Ich meine, jeder von uns hat schon das eine oder andere Mal zu Mitteln gegriffen, die wir nicht unbedingt einem Ethik-Komitee hätten erklären können. Aber das, was Du jetzt machst, geht entschieden zu weit. Du warst für mich so etwas wie... ja, so etwas wie eine Art Vorbildfrau. Jedenfalls was Deine Arbeit und Deine Präsenz betrifft. Aber die Zeiten ändern sich, die Menschen vielleicht auch und schließlich hat jeder das Recht seine Meinung zu ändern. Das hast Du getan und ich tue es auch. In diesem Sinne... so long, Alice. Es war schön mit Dir. © Ein Beitrag von Eleonore Radtberger für Pressenet Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |