Wir sind schwer erziehbarSzenen aus dem Hartzer Land - Teil II |
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Diese Personalleiterin wird den Bewerbern also über die Firma erzählen. Es ist noch etwas Zeit - die Dame ist ziemlich beschäftigt, und die Leute fangen an, Informationen auszutauschen. Die meisten Frauen sind über die fünfzig, sie wurden im Rahmen eines bestimmten Programms hergeschickt... eines, das sich ausschließlich mit den Arbeitssuchenden beschäftigt, die das halbe Jahrhundert voll haben. Eine der Frauen ist 63 Jahre alt, sie hat lange Zeit in einem großen Markt gearbeitet - in einer recht verantwortlichen Position im Kassenbereich. Sie wurde rausgemobbt und sollte sich eigentlich mit der Rente befassen - aber das geht nicht, man schickt sie von Firma zu Firma. Jedenfalls tut man das, wenn es Angebote gibt - ansonsten reicht man sie von Programm zu Programm weiter. Die anderen Älteren nicken zustimmend und erzählen, was sie im Rahmen dieses Programms schon gemacht haben. Bewerbungsschulungen haben alle durchlaufen, manche sogar mehr als einmal. Computerkurse werden nicht angeboten - wieso, versteht keiner ... denn ohne Computerkenntnisse kann man im Bereich der Telekommunikation nicht arbeiten. Gesundheitliche Probleme haben die meisten der anwesenden Frauen, das Alter bringt das so mit sich. Eine junge Frau, eine allein erziehende Mutter, die einen sehr selbstbewussten Eindruck macht, hat eine Arbeit - aber sie will wechseln, weil ihre Firma für angewandtes Mobbing auf allen Ebenen bekannt ist und sie ihre Kinder nicht mit den ständig überstrapazierten Nerven belasten will. Die agile junge Frau unterstreicht, ohne es zu wollen, die Schwierigkeiten, mit denen die "Fünfziger" zu kämpfen haben werden.
Man könnte mit hochgezogenen Brauen vermerken, dass die Arge versucht, aus den Frauen taffe Geschäftskanonen zu machen, wahre Terminatoren auf dem Arbeitsmarkt, die sich durchsetzen und auf dem neuesten Stand des digitalen Know-hows sind - aber genau das tut sie nicht. Es geht um Beschäftigungen und völlig sinnlose Aktivitäten, die keinerlei Bezug zur realen Situation haben und wahrscheinlich nur der Verschleierung der Arbeitslosenzahlen dienen. Wer in einer der Maßnahmen irgendetwas tut - und wenn es nur das Herumsitzen und Zuhören bei einem Vortrag eines gelangweilten Projektleiters ist - der erscheint nicht in den Statistiken und wird nicht als Arbeitsloser geführt.
Der Anspruch, man wolle die Frauen für einen Einstieg oder Wiedereinstieg in das Berufsleben konditionieren, wird von einer der Anwesenden so zusammengefasst: "Wir werden eben ständig kontrolliert... wir sind schwer erziehbar." Alle Personen sind nicht fiktiv - die Fälle auch nicht. Dies ist nur ein kleiner Abriss aus dem schönen "Hartz". Lesen Sie auch den dritten Teil Helmuth bekommt eine Chance
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