Der Jäger mit den magischen AugenEin Leben mit Wölfen |
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Neben den Bären waren die Wölfe lange Zeit die größten Beutejäger in Europa und hatten schon allein deshalb Anspruch auf den Titel "Menschenfeind Nr. 1". Sonderbarerweise sind Bären nicht so negativ belegt, obwohl sie sehr gefährlich werden können. Ihnen fehlt ein Gutteil der Scheu, die Wölfe dazu bringt, den Menschen auszuweichen. Der böse Wolf, der auch in einigen Märchen und Legenden eine Hauptrolle spielt, ist erst in den letzten Jahren zu so etwas wie einer Rehabilitation gekommen, was er nicht zuletzt den Verhaltensforschern zu verdanken hat. Fachleute, wie zum Beispiel der Biologe Erik Zimen oder Farley Mowat, haben sich intensiv mit dem Wolf befasst und durch ihre Publikationen mit sehr vielen alten Vorurteilen aufgeräumt. Letzterer ist Schriftsteller und Naturforscher und hat seine Erfahrungen mit Wölfen in einem ebenso unterhaltsamen wie interessanten Buch verarbeitet.
Man kann von einem wilden Caniden nicht verlangen, dass er die Hintergründe kennt, die dazu führen, dass schmackhafte und leicht zu greifende Beutetiere wie Schafe oder Ziegen wie für ihn bereitgestellt in Pferchen warten. Er wird das vermeintliche Angebot natürlich annehmen - vor allem, wenn er zunehmend darauf angewiesen ist, weil seine Jagdgründe langsam verschwinden. Doch trotz dieser Tatsachen hielten sich die Überfälle auf die Herden der Menschen in Grenzen. Zum einen, weil diese sich durchaus zu schützen wussten - zum anderen, weil Wölfe sich normalerweise von Menschen fernhalten, wenn sie es können. Es ist anzunehmen, dass ein guter Teil der gerissenen Tiere auf das Konto von verwilderten Haushunden ging und immer noch geht.
Was die Gefährlichkeit angeht, so hat ein Verhaltensforscher einmal gesagt, dass er im Wald lieber einem Wolf begegnen würde als einem verwilderten Hund - der Wolf flieht den Menschen, der Hund aber hat diese Scheu verloren und ist eher zu einem Angriff bereit. Man konnte den Wölfen im Übrigen kaum Angriffe auf Menschen "nachweisen", die Geschichten sind meist erfunden. Tatsächlich sollen sie Schlitten verfolgt haben... der Pferde wegen. Es ist auch nicht wirklich nachvollziehbar, denn zu jeder Jahreszeit ist ihr Tisch gedeckt, außer in Gegenden, wo der Mensch die Natur verdrängt hat. Doch sie sind Wanderer - trotz ihrer territorialen Bindung - und ziehen fort, wenn das Land leer wird. Auf sonderbare Weise berührt uns der Wolf am stärksten, ob nun im Guten oder im Bösen. Weitaus angriffslustiger als Isegrim ist ein Wildschwein - ein wütender Keiler ist ein Gegner, den niemand wirklich haben will. Schlau, stark, schnell und sehr hartnäckig in der Verfolgung ist so eine Lokomotive auf kurzen Beinen. Vor Erfindung der Feuerwaffen gab es bei einer Sauhatz meist Verletzte oder sogar Tote unter den Treibern und Jägern. Aber niemals rückten diese Tiere so in den Fokus wie die Wölfe - es gibt so gut wie keine Legenden vom "bösen Keiler". Was also berührt uns gerade am Wolf so sehr, dass wir ihn entweder abgrundtief hassen und fürchten, oder ihm aber verfallen?
Würden wir lernen, die notwendigen Flächen zu schaffen, damit die Natur walten kann, ohne dass wir zu sehr eingreifen und auf die Selbstheilung der Erde vertrauen, könnten wir die Wölfe wieder willkommen heißen. Würden wir die Flinten weglegen und die so gewonnene Zeit für wichtige Dinge nutzen, ließen wir den Wolf tun, wozu er geschaffen ist - dann wäre dies ein erster Schritt vorwärts in eine Zukunft. Denn es ist längst nicht mehr sicher, dass wir eine haben werden - dazu brauchen wir das biologische System der Erde. Stirbt sie zu einem Steinhaufen in der Galaxie ab, sterben wir alle. Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |