Erkennen Sie mich?

Das Dezember-Rätsel von Pressenet

Meine Karriere dauert eigentlich schon sehr lange, wenn sie auch sehr viele Höhen und Tiefen hatte. Es gab Zeiten, in denen ich der unbestrittene Star der Gesellschaft war, und umgekehrt. Manchmal werde ich nur belächelt, weil man mit mir nichts anfangen kann und kein Bedarf besteht - so traurig das auch sein mag. Was mich allerdings mehr stört, ist die Tatsache, dass ich oft als Vorwand herhalten muss.

Viele Veranstaltungen laufen sozusagen unter meiner Schirmherrschaft, obwohl ich absolut nichts damit zu tun habe. Ich werde in gewisser Weise als eine Art Trojanisches Pferd benutzt, und das macht mich ziemlich traurig. Sie können sich ja nicht vorstellen, was alles schon in meinem Namen verbrochen wurde - und ich kann nichts dagegen tun.

Meine Beliebtheit ist zum großen Teil saisonbedingt, so wie jetzt eben kurz vor Weihnachten. Man reißt sich geradezu um mich und nennt meinen Namen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Ich habe dann wirklich alle Hände voll zu tun, und ich wünschte, dass dies auch sonst so wäre. Über mich werden viele Geschichten erzählt, fast immer sehr erbauliche und schöne. Nur leider habe ich auch einen ganz besonderen Schwachpunkt, wissen Sie, und das bedrückt mich schon seit vielen Jahrhunderten ...

Sie kennen doch diese Geschichte aus dem alten Israel, die von einem Paar handelt, das dringend einen Platz suchte, an dem die junge Frau in Frieden ihr Kind gebären konnte. Nun, gerade hier, wo ich so dringend gebraucht worden wäre, war ich nicht anwesend. Ich weiß gar nicht, wieso ich diesen Zeitpunkt verpasst habe, aber wahrscheinlich wurde ich anderswo dringend benötigt. Leider wirft man mir das heute noch vor, und wenn ich die Wahrheit sagen soll: ich kann mir diesen Patzer selbst nur schwer verzeihen. Das Kind, das da geboren wurde, ist einer meiner größten Fürsprecher - vielleicht sogar der Größte. Bei dieser Veranstaltung habe ich schlichtweg gefehlt - es ist nicht wieder gut zu machen.

Aber nun muss ich mich auf das kommende Fest vorbereiten. Obwohl ich nicht wirklich überall da auch wirklich eingeladen bin, wo ich an oberster Stelle der Gästeliste stehe, kommen viele Menschen doch eigens meinetwegen zusammen. Und manchmal gönne ich mir auch den Spaß, unvermutet irgendwo aufzutauchen, um die Atmosphäre ein wenig anzureichern. Das schaffe ich nicht immer, und es kommt auch vor, dass man mich hochkant hinauswirft. Vielleicht haben Sie mich ja auch schon hier und da bemerkt oder wurden sogar von mir "angesprochen" - in der Fußgängerzone vielleicht, wenn sie eigentlich zu träge waren, um einen Cent herauszusuchen, um ihn in einen Hut zu werfen. Könnte ja sein - vielleicht haben Sie sich ja von mir überzeugen lassen. Oder gehören Sie womöglich zu denen, die mich nicht einmal den Versuch machen lassen, an Sie heranzutreten?

Nun ja, ich kann ja nun wirklich nicht überall Erfolg haben - wenn ich auch sagen kann, dass meine Taten legendär sind. Wenn sie auch nicht immer an die große Glocke gehängt werden ... aber das ist mir sowieso am liebsten: das ruhige Wirken ohne viel Tamtam und Aufsehen. Daran erkennt man nämlich sofort, dass ich es selber bin. Die aufgeputzten schlechten Doubles, die jede ihrer Bewegung in die Welt hinausposaunen, sind schlicht und einfach Fälschungen, auf die Sie nicht hereinfallen sollten. In diesem Sinne: FROHES FEST!

Um welchen Begriff geht es hier?

Auflösung des Rätsels: Das richtige Lösungswort lautete "Nächstenliebe".

© "Erkennen Sie mich?" - ein Textbeitrag von , 2011.

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