Die neuen Leiden der Christine Haderthauer

(Mai 2011)   Die Republik hat gerade zu kämpfen, das weiß mittlerweile jeder. Seitdem der Mittelstand zu einer Sage für die staunenden Arbeitslosen und Geschäftsleute der unteren Einkommensgrenze geworden ist, tut sich in der sozialen Geographie ein tiefer Riss auf. "Hüben", die täglich arbeiten gehen - und "drüben" die anderen. Die "anderen", das sind diejenigen, die das eben nicht tun - seltener, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können. Diese Leute fallen einfach durch jedes Raster, das die Willkür der Mächtigen so anlegt - heute ein engmaschiges Netz ... und morgen ein Stacheldrahtverhau.

Meist sind sie nicht "schuld" an ihrem Dilemma, diese "anderen", aber das stört nicht, denn sie eignen sich so wunderbar zur Schuldumleitung. Wir erinnern uns ... die Sache mit dem Sündenbock? Ein beliebtes Mittel, um von der eigenen Unfähigkeit und mangelndem Weitblick abzulenken, das über die Jahrhunderte bis heute immer wieder hervorragend gewirkt hat. Nun sind die Armen, die Kämpfenden und die von der Arbeitslosigkeit gebeutelten Bürger noch lange nicht da, wo gewisse Politiker sie haben wollen. Sie leiden nämlich noch nicht genug. Das möchte die Bayerische Staatsministerin Christine Haderthauer nun ändern, denn wenn es den Leuten unter der heimatlichen Gürtellinie zu gut geht, finden sie vielleicht Gefallen an ihrer Situation. Das würde bedeuten, sie wollen überhaupt nicht mehr zu der Arbeit gehen, die sie sowieso nicht bekommen.

Das sei doch kein Zustand, der geduldet werden kann, findet die taffe CSU-Frau Haderthauer und fordert energisch mehr Leidensdruck für die Betreffenden, denn der ist ihrer Meinung nach viel zu niedrig. Offenbar argwöhnt die Dame, dass es den Beziehern staatlicher Hilfen viel zu gut geht und sie das Existenzminimum zu einem Lebensstil erheben werden. Das geht der radikalen Ministerin zu weit. Der Slogan "Wer arbeitet, ist doof" ist für Frau Haderthauer wohl eine Art persönliche Beleidigung.

Wahrscheinlich ist die Politikerin eine fleißige Leserin der Bild-Zeitung, denn dieses vermeintliche Motto der Hartz-IV-Empfänger ist nichts weiter als eine reißerische Erfindung, um die berüchtigten kalten Enten des Blattes etwas schärfer zu machen.

Der Sinn steht Haderthauer nach völliger Kontrolle, so regt sie auch an, dass die Betroffenen Kurse in Sachen "Haushaltsgeld und Verwendung desselben" belegen sollen. Während sich die Ministerin dem gerechten Zorn hingibt, entgeht ihr völlig die Tatsache, dass viele arbeitende Menschen Zuschüsse beantragen müssen, weil das Geld, für das sie hart arbeiten, einfach nicht reicht. Nicht reichen KANN, wohlgemerkt.

Was können diese Leute tun, um dem Zorn zu entgehen? 24-Stunden-Schichten fahren vielleicht? Wie immer man zu diesem Thema steht, selbst die Hardliner sollten einsehen, dass diese Äußerungen zu weit gehen. Die CSU-Politikerin ist nicht nur basisfern, sie ist viel zu weltfremd und dogmatisiert, um ein öffentliches Amt dieser Ordnung zu bekleiden.

© "Die neuen Leiden der Christine Haderthauer" - ein Textbeitrag von , 2011.

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