Wer hat Paraskavedekatriaphobie?

Die Angst vor dem Freitag, dem Dreizehnten

Dreizehn

Der Wecker klingelt erst einmal nicht, weil man vergessen hat, den Alarm zu aktivieren. Als man dann ruckartig hochfährt und sich den Kopf an der Wandschräge anschlägt, zeigt ein Blick auf das Zifferblatt, dass man mindestens 30 Minuten zu lange geschlafen hat. Mit einem mittelschweren Dröhnen im Kopf und rasant in den Keller fahrenden Blutdruck schleppt man sich in die Küche, wo man versucht, die Kaffeemaschine in Gang zu bringen. Das gestaltet sich recht schwierig, weil man den Stecker gestern ausgestöpselt hat.

Der angeschlagene Kopf registriert das erst im zweiten Anlauf und scheitert dann an der Aufgabe, die Filtertüten zu finden. Nachdem die zitternden Hände das meiste Kaffeepulver über die Arbeitsplatte verteilt haben, gibt man auf, weil es sowieso immer später wird und man noch unter die Dusche muss. Dort verpasst man sich erst einmal einen brühheißen Schauer, weil die Mischbatterie heute absolut nicht funktionieren will, versucht mit kaltem Wasser den Schaden zu begrenzen und ist dadurch endgültig wach geworden.

Der nunmehr klare Kopf versucht gleichzeitig, die Kleidersuche und das ständige Beobachten des Zifferblattes der Uhr zu koordinieren, was teilweise sogar gelingt, obwohl man partout die passenden Socken nicht finden kann. Das Durchwühlen des betreffenden Kommodenfaches verschlingt kostbare Zeit, die man eigentlich nicht hat. Als sich der Autoschlüssel dann doch noch im Brotkorb findet, klemmt man sich den Daumen in der zuschlagenden Wohnungstüre ein, kurz nachdem man realisiert, dass der Schlüssel innen steckt. Macht nix, im Büro kann man einen Schlüsseldienst im Internet suchen. Jetzt erst einmal raus aus dem Haus.

Den Hundehaufen vor der Autotür sieht man viel zu spät, das pochende Knie von dem dadurch verursachten Ausrutscher wird ebenso tapfer ignoriert wie der sich im Wagen ausbreitende Duft. Die Tankanzeige blinkt Unheil verheißend vor sich hin, als man sich aus der Parklücke manövriert und knapp den vorbeirauschenden Bus verpasst - dafür aber einen wütenden Radfahrer sachte touchiert. Der Kerl ist nicht verletzt, aber er brüllt seine Entrüstung unmissverständlich heraus, während er mit gezielten Tritten die Fahrertür malträtiert. Als man endlich den Arbeitsplatz erreicht und hinkend versucht die Eingangstür aufzureißen, realisiert man endlich, dass es Sonntagmorgen ist.

Ein Tagesanfang wie dieser wäre durchaus geeignet, eine Paraskavedekatriaphobie zu entwickeln, was nichts anderes heißt, als die panische Angst vor "Freitag dem 13." Dabei ist die Furcht vor diesem Datum völlig unbegründet, denn schon die Statistik kann keine erhöhten Zahlen, was Unfälle oder dergleichen betrifft, verzeichnen. Die schlechte Belegung dieses besonderen Tages rührt wohl von der Annahme, dass die Kreuzigung Jesu an einem Freitag stattfand. Zudem gibt es einige "schwarze Freitage" in der Geschichte, deren Datum allerdings rein zufällig war.

Der Freitag an und für sich galt in der Zeit vor dem Christentum als Glücks- und Feiertag, er war der Freya geweiht - der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Die Quersumme der Zahl dreizehn ergibt die Vier - eine Zahl, die den Germanen heilig war. So gesehen wäre dieser so übel beleumundete Dreizehnte ein wahrer Glückstag. Wovor man sich hüten muss, sind einzig und allein die eigenen Erwartungen, denn diese erhöhen die Nervosität und somit auch die Unfallgefahr.

Also verabschieden wir uns von diesen Vorstellungen und behalten die Flugtickets, die wir eigentlich zurückgeben wollten. Positiv denken ist das einzige, was wir brauchen, um diesen Tag zu einem ganz normalen zu machen, oder vielleicht sogar zu einem besonders schönen.

© "Wer hat Paraskavedekatriaphobie?" - ein Textbeitrag von , 2011. Bildnachweis: Antranias

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