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Wenn Sie etwas Zeit haben und plaudern möchten - an mir soll es nicht liegen. Zwar hält unsereins meist Abstand zu Leuten wie Ihnen, aber es soll ja Fälle gegeben haben, in denen wir sogar zusammenlebten. Gerade diese Tatsache bereitet mir Kopfzerbrechen, denn es müsste doch eigentlich dazu geführt haben, dass man sich besser kennen lernt, nicht wahr? Trotzdem halten sich in Ihren Kreisen hartnäckig die übelsten Gerüchte über meine Familie, insbesondere was schlechte Vorbedeutungen betrifft.

Wo wir auftauchen, so heißt es immer, da schlägt bald das Unglück zu. Man hat uns sogar schon ganz unverblümt "Todesboten" gescholten. Aber das hängt eben mit unserer Arbeit zusammen - wo es etwas aufzuräumen gibt, sind wir anzutreffen. Und das sollte man uns danken, finde ich... und uns deswegen nicht verleumden. Schließlich haben Sie ja auch so Ihre Methoden, um das wegzuräumen, was unmöglich liegen bleiben kann. Zwar ist das nicht sehr effizient, wie Sie zugeben müssen... aber immerhin wird es gemacht.

Wir haben das Recycling schon seit Jahrtausenden auf unsere Fahne geschrieben und bis jetzt hat es ganz gut funktioniert. Bis auf die leidigen Animositäten, die Ihre Art da zurückschrecken lässt. Dabei gibt es viele Kollegen, die mit uns denselben Job machen, nur fallen die eben nicht so auf. Könnte auch an unserer Weise liegen, lauthals alles zu dokumentieren... ich weiß. Aber klappern gehört nun mal zum Handwerk und schließlich können wir uns das auch leisten. Unsere Leute haben auch eine tolle Karriere gemacht: Zwei von uns waren die Späher und Berater eines Gottes, und in vielen düsteren Geschichten spielen wir eine wichtige Rolle.

Zudem bedient sich auch die Vorsehung unserer Gattung, indem sie unser Verbleiben in einem großen Turm eines Inselreiches für das Fortbestehen eines ganzen Königshauses verantwortlich macht. Man sagt uns nämlich auch große Klugheit nach, und ich darf hier ohne falsche Ziererei behaupten, dass das auch stimmt. Entschieden weise ich allerdings darauf hin, dass gewisse Gerüchte über unsere Art der Kindererziehung nicht auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen. Hier können Sie getrost das glatte Gegenteil annehmen, dafür verbürge ich mich.

Ohne Sie beleidigen zu wollen, möchte ich noch erwähnen, dass man anderswo auf diesem Planeten ein ganz anderes Bild von unserer Familie hat. Dort werden wir sehr geschätzt, weil unsere Aufgabe gewürdigt wird. Man begegnet uns dort mit Bewunderung und Respekt, nicht etwa mit abergläubischer Furcht, so wie hier des Öfteren. Allerdings ändert sich das langsam, aber stetig - wir kommen immer mehr in Mode. Das hat vielleicht mit einer gewissen neo-spirituellen Denkweise zu tun, die sich auf die Wurzeln besinnt. Wir waren nämlich oft die Begleiter der Geistesreisen vieler Weiser in den alten Tagen. Außerdem ist Ihre Art auch sehr lernfähig und besinnt sich nach einigen beklagenswerten Rückschritten wieder auf die Zusammenhänge des Lebens und der Natur.

Wir haben uns auch schon seit langer Zeit mit einem anderen Volk zusammengetan - eines, das auch sehr stark missverstanden wurde. Mit diesem zogen wir durch die Wälder und Tundren, arbeiteten "Hand in Hand". Natürlich sollte es "Kralle in Pfote" heißen, wollte man es auf den Punkt bringen. Auf uns, die Angehörigen der Familie der - - ? - - ist nämlich wirklich Verlass, müssen Sie wissen.

Um wen geht es hier? Schreiben Sie uns Ihre Lösung bis zum 30. November 2011. Unser Preis für die richtige Lösung: ein eBook mit Kurzgeschichten. Das Lösungswort wird ab 5. Dezember 2011 auf dieser Seite veröffentlicht.

Rechtliche Hinweise: Wir sammeln keine Adressen und geben auch keine weiter. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn wird nicht bar ausgezahlt.

Auflösung des Rätsels: Das richtige Lösungswort lautete "Raben". "Corvus" oder "Rabenvögel" wurde ebenfalls akzeptiert. Wir gratulieren den Gewinnern des eBooks.

© Text: Winfried Brumma, Pressenet   |   © Illustration: Thomas Alwin Müller, littleART

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