Mein Onkel FranzKurzgeschichte der Autorin Ulla Schmid |
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Mein Onkel Franz war ein richtiges Original und er hatte einen Spitznamen: Der Achtel. Das kam daher, dass er sehr gerne in bestimmten Wirtschaften saß und sich ein Achtel Wein bestellte, und nach diesem Achtel, sagte er, werde er dann nach Hause gehen. Wenn er so um 22.00 Uhr sagte, er bestelle sich jetzt sein letztes Achtel, so war das in der Regel so, dass er um 3.00 Uhr morgens immer noch da saß und sich sein letztes Achtel bestellte. Er konnte sehr barsch, unsachlich und unfair werden. Diese Eigenschaften sind bei meinem Vater so gut wie nicht vorhanden. Auf der anderen Seite konnte mein Onkel Franz umgänglich und sehr humorvoll sein. Diese Eigenschaften hat er mit meinem Vater gemein. Das Hobby meines Onkels waren Hühner und Hähne, aber nicht so sehr der Eier, sondern der Schönheit wegen. Bei Ausstellungen gab es da schon mal Preise und entsprechende Urkunden das Federvieh betreffend. Die Eier, die diese Hühner legten, waren da nur ein positiver Nebeneffekt.
"Onkel Franz, möchtest du eine Flasche Bier trinken?", fragte ich. Onkel Franz nahm das sehr gerne an und setzte sich auf die Gartenbank. Auf ein Mal hörte ich von Seiten meines Onkels ein leises, aber doch sehr auffälliges: "Krrrrrr!" Ich entsinne mich noch, wie mein Onkel hochfuhr und sich schleunigst verabschiedete ohne überhaupt einen Schluck aus der Bierflasche genommen zu haben. "Ursula, ich muss nach Hause!", brachte er noch hervor. Onkel Franz war im Hühnerstall gewesen. In seine weiten Hosentaschen hatte er die eingesammelten Eier gesteckt. Vergessend, dass er die Eier in der Hosentasche hatte, hatte er sich auf die Bank gesetzt, was den Eiern nicht gut getan hat, und so kam es, dass mein Onkel Franz Rühreier in der Hosentasche hatte. Etwas später habe ich diese Story meinem Vetter, seinem ältesten Sohn, und dessen Frau erzählt und die haben schallend gelacht. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass ihm so etwas passiert sei. + + +
Schließlich sollte es noch die Goldene Hochzeit sein. Dies alles ging im Rahmen seiner gesundheitlichen Probleme einher. Bei seiner Goldenen Hochzeit war er bereits 87 Jahre alt und es war sein Wunsch, diese mit einer Riesenfeier zu begehen. Diese Feier war "sein" Fest, dafür lebte er noch und da saß er schon lange im Rollstuhl. Der Gesangverein sang drei Lieder und danach hielt der Vorstand des Vereins meinem Onkel und meiner Tante eine schöne Rede. War alles schon etwas anrührend. Nach der Rede meinte mein Onkel ganz trocken zum Vorstand: "Du entschuldigst schon, dass ich jetzt nicht aufstehe und einfach sitzen bleibe!" Uns blieb das Lachen im Hals stecken. Ab diesem Zeitpunkt hat mein Onkel dann aufgegeben und er konnte und wollte einfach nicht mehr leben. Nicht mal drei Monate später ist er dann gestorben. + + + © Text mit freundlicher Genehmigung der Autorin Ulla Schmid Bücher der Autorin Ulla Schmid gibt es bei Amazon Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |