Parfüm - das Kleid unter dem Kleid |
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Der Wunsch nach schönen Düften, um sich damit zu umgeben, dürfte so alt wie die ersten Zivilisationen sein. Wir wissen, dass in Hochkulturen wie im alten Ägypten duftende Salben und Wässer zur Grundausstattung der gepflegten Dame ebenso wie der des gepflegten Herrn gehörten. Man schwelgte geradezu in Wohlgerüchen, was so weit ging, dass man sich bei Festen einen Kegel aus stark duftendem Talg auf den Scheitel setzte. Bei zunehmender Wärme schmolz dieses Gebilde und verbreitete seine Duftbotschaft. Die Kunst, aus Kräutern sowie pflanzlichen oder tierischen Fetten stark riechende Salben und Öle zu machen, ist sehr alt. Die Methoden wurden immer raffinierter, die Duftpalette immer reichhaltiger. Die Schönen und Wohlhabenden des Orients machten eine ganze Wissenschaft daraus, wie welcher Duft auf das Gemüt wirkt. Die erotisierende Wirkung stand wahrscheinlich immer im Vordergrund, gefolgt von der Abgrenzung von den "Gerüchen der Straße". Die sorgsam hergestellten Mittel waren nicht billig, nur die Wohlhabenden konnten sich das "gut riechen" leisten. In Europa hatte man nicht so viel Geschick im Umgang mit den Sinnenschmeichlern - es gab keine große Auswahl unter den Duftwassern. Die Landbevölkerung rieb sich mit stark duftenden Kräutern wie Farnen oder ähnlichem ein. Wenn etwas Besonderes anstand und wer es sich leisten konnte, griff zu Lavendelwasser oder sonst etwas eher gewöhnlichem.
Die zum Teil sehr frequentierten Badehäuser dienten eher dem fröhlichen Zusammensein als der Reinigung, und in Zeiten der Pestangst waren sie geschlossen. Bei diesen Verhältnissen ist es nicht verwunderlich, dass Duft so etwas wie Nasenurlaub war - und sehr gefragt. In den nächsten Jahrhunderten wurde es durchaus nicht besser, denn auch Paläste wie Versailles sahen zwar sehr schön aus, aber sie stanken zum Himmel. Man wusch sich nie, schminkte sich aber Schicht auf Schicht und erfand kleine Helferlein, die das Leben weniger ruchbar machen sollten: Parfümierte Beutelchen, die an und unter der Kleidung getragen wurden, sowie Salben und Puder in immer neuen Variationen.
Wie wichtig Parfüms bei diesen Gegebenheiten waren, ist überhaupt nicht abzuschätzen. Allerdings muss die Mischung von Rosenwasser oder Veilchenduft mit dem sehr eindringlichen Eigengeruch recht gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Heute haben Duftstoffe nichts von ihrer Wichtigkeit verloren, obwohl sie in fast allen Fällen auf die gewaschene Haut aufgebracht werden. Wir müssten nicht parfümieren... aber wir lieben es nun einmal. Und nicht nur hinter den Ohren oder an den Handgelenken, auch die Wohnung hat ihr eigenes Parfüm. Verschiedene Duftnoten haben jeweils variierende Wirkungen auf das Gemüt, und fast jeder hat eine Duftlampe in Betrieb oder Räucherstäbchen herumliegen. Das macht tatsächlich Sinn, denn wir machen vieles an Gerüchen fest, auch wenn das meist unterbewusst geschieht. Die rechte Weihnachtsstimmung zum Beispiel stellt sich verstärkt ein, wenn einige Tropfen passendes Öl seine Botschaft entfaltet. Die Industrie hat dafür Aromen wie Spekulatius, Zimt oder andere festliche Düfte hergestellt. Teure Rohstoffe sind da völlig unnötig, denn die Chemie hat ausreichenden Ersatz. Parfüms sind auch nicht mehr unerschwinglich, bis auf besondere Marken natürlich. Aber es kommt heute zum Teil auch wieder auf die Dosierung an... der erotische Tropfen Chanel ist ein ausgezeichneter Botschafter - aber selbst er verliert seine Wirkung, wenn er im Dutzend sein (Duft)Fähnchen schwenkt. Wer beim Bummeln eine meterlange Parfümschleppe hinter sich herzieht, hat auf jeden Fall zu viel des Guten getan. Lesen Sie auch Madame Arakania (eBook Leseprobe)
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