Das blaue Band für den größten KürbisFarmer sein und Schafe tanzen sehen |
|
|
Aktuelles |
Die Regale in den Spieleabteilungen der Kaufhäuser sind voll davon und auch beim größten Internet-Ramschladen der Welt werden sie in Massen angeboten - von gut gebraucht bis original verpackt. Die Games sind meist mit putziger Grafik ausgestattet, oft im Comic-Stil und erlauben eine einfache Marktwirtschaft. Sprich: produziere, verkaufe und investiere in neue Rohstoffe, um den Verdienst zu steigern. Daneben gibt es dann noch zahlreiche Sahnetupfer wie z. B. bunte Dekorationen und hübsche Häuschen mit Zäunchen. Es sieht aus wie in einer Laubenkolonie der besseren Art mit viel, viel Platz. Was man real nicht kann und vor allem nicht darf, ist hier erlaubt - zwischen Tomatenstauden und Apfelbäumen hüpfen artgerecht gehaltene Ziegen und Hühner umher. Niemand stört sich an frühmorgendlichem Hahnengeschrei, was im wirklichen Leben so nicht vorkommt, wie viele Gerichtsurteile belegen können. Obwohl es bei dieser Art virtuellem Zeitvertreib so gut wie nie zu Gewalttätigkeiten kommt, sind diese Bauernhof-Simulationen ungemein beliebt, und zwar durchweg bei allen Altersgruppen.
Die meisten Menschen tun stundenlang irgendeine Arbeit, die jeder andere auch tun könnte. Ob es sich nun um eine Putzkolonne oder einen Job an einer Supermarktkasse handelt, eine Stellung in irgendeinem Amt oder sonst etwas - sie tun es für das Überleben. Wer täglich Treppenaufgänge putzt, hat keinen Bezug dazu, obwohl es natürlich wichtig ist, dass es getan wird. Doch kurze Zeit nach dieser Aktion ist die Fläche wahrscheinlich schon wieder für eine Reinigung reif - es ist eine Art Hamsterrad.
Wir verlieren in immer größerem Maße den Bezug zu dem, was wir tun, wir halten die Regelung mit den Chips für das Natürliche - aber wer kennt nicht die Freude am Selbstgemachten, Unmittelbaren. Nach Feierabend noch schnell zum Discounter zu rennen, um für den nächsten Morgen einen abgepackten Kuchen zu kaufen, ist die eine Sache - einen selbstgebackenen auf den Tisch stellen zu können eine andere. Aber das ist neben anderen Faktoren eine Zeitfrage. Wenn wir uns allerdings zu sehr von Ursache und Wirkung entfernen, wird vor allem unsere Unzufriedenheit wachsen. Farmerspiele sind ein netter Ausgleich, aber es wäre vielleicht auch eine gute Sache, wenn wir uns auch im wirklichen Leben nicht allzu sehr von allem, was wächst und lebendig ist, entfernen. Helfen wir nicht dabei, uns immer mehr einsperren zu lassen, um uneingeschränkt funktionsfähig zu sein. Wir haben ein Recht auf Nähe zu unseren Wurzeln. © Text: Winfried Brumma, Pressenet
Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |