Das Dreikönigstreffen 2011 - Die perfekte Welle

Oder: Physik für Fortgeschrittene

(Januar 2011)   Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht. Dieser historische Ausspruch spiegelt eine gewisse Größe wider, wenngleich auch Heroismus dieser Art heutzutage nicht mehr populär ist. Das ist auch zu begrüßen, denn mit der Politik ist es keineswegs so einfach: Bis zum Schluss weitermachen, ohne auch nur ansatzweise einen Kurswechsel in Betracht ziehen, gehört nämlich nicht zu den Heldentaten der modernen Art. Da sollte man eher auf Feinheiten und - vor allem - auf Flexibilität setzen.

Die Garde, die letztendlich stirbt, hat keine Zukunftsoptionen - und damit ist die Sache dann erledigt. Totalverweigerung nennt man das. Nun gibt es aber auch das völlige Gegenteil eines solch endgültigen Pessimismus, und das ist das Empfinden des Herrn Westerwelle, dessen Begeisterung für seine Partei, ihre Rolle in der hohen Politik und insbesondere für seine Verdienste geradezu überschwappt.

Böse Zungen könnten sagen, der FDP-Parteichef schreibe die jüngste Geschichte in seinem Interesse um, aber das tut er durchaus nicht. Was er tut, ist eben die jüngste Vergangenheit - was die Partei betrifft - völlig zu ignorieren. Herr Westerwelle versucht ein glänzendes Bild der FDP zu malen und die dunklen Stellen pastos zu überdecken.

Wer beim "Dreikönigstreffen" eine Jahrhundertrede erwartet hatte, wurde enttäuscht - denn was kam, waren Durchhalteparolen wie in der guten alten Zeit. Für Westerwelle sind die unglaublich hohen Verluste seiner Partei nur eine Durststrecke, die es zu überwinden gilt. Und das, so der Grundtenor, wird nicht erreicht, indem man zurückblickt. Nach dem Grundsatz "Was geht mich mein saublödes Geschwätz von gestern an" rollt Westerwelles Kampfesmut vorwärts und lässt keine Rückschau zu - das ist nachvollziehbar, betrachtet man die derzeitige Lage der FDP.

Nur hat der Parteichef etwas Wichtiges versäumt in den Monaten nach der Wahl - er schwappte überbordend in die ihm genehme Richtung und scherte sich nicht um den Wasserschaden, den er anrichtete. Das bringt nicht unbedingt Sympathien, vor allem nicht, wenn man die kleine "Faux pas Sammlung" betrachtet, die Guido Westerwelle sich angelegt hat. Da half auch das markige Gestikulieren nicht weiter, wahrscheinlich passte es nicht schlüssig zum Text.

Zwar kann einer, der sich nicht mit Kleinigkeiten wie demoskopischen Tatsächlichkeiten abgibt - und mehr auf Inhalte setzt als auf Beliebtheit - erfrischend wirken, aber trotzdem müssen die Inhalte eben auch stimmen. Das Ableugnen und Camouflieren hingegen macht nichts besser und ist eher dazu geeignet, jedermanns Blick auf das zu lenken, was man am liebsten aus dem Bewusstsein der Wähler getilgt sähe.

Was den erstaunten Bürgern da vor den Augen entsteht, ist nicht einfach eine Riesenwelle, die vorwärts brandet, sondern mehr ein Tsunami. Und so eine Flutwelle erhebt sich praktisch aus dem Nichts, ragt kurzzeitig über alles hinaus und wälzt sich brüllend nach vorne. Fällt dieses Gebilde zusammen oder zieht sich wieder dahin - wo es herkam - zurück, wie es dieses Phänomen immer tut, hat es eine breite Schneise der Zerstörung hinterlassen.

Bis man diese Verluste wieder ausgeglichen, das Niedergemachte wieder aufgebaut und das Land sich wieder erholt hat, kann es lange dauern. Nicht zu vergessen diejenigen, die mitgerissen wurden und nie mehr auftauchten, wenn wir bei diesem Bild bleiben wollen.

Leider kann man hier das Bild einer Dauerwelle nicht verwenden, denn eine solche festigt die Struktur und verleiht einen gewissen Halt - es bleibt also nichts weiter übrig, als zu versuchen, den Wasserschaden so klein wie möglich zu halten. Vorerst zumindest. PR

© "Das Dreikönigstreffen 2011 - Die perfekte Welle" - ein Textbeitrag von , 2011.

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