Schützt die PharaonenUnruhen in Ägypten bedrohen antike Kostbarkeiten |
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Eine andere Variante ist der Hintertüren-Marathon bei Unruhen, denn wenn in den Straßen Sandsäcke und andere Barrieren aufgetürmt sind und Menschen, die eigentlich zusammengehören, sich erbittert bekämpfen, achtet man nicht so genau auf die Seitengassen. Warum um alles in der Welt jemand unbedingt einen Fernseher oder etwas Ähnliches nach Hause schleppen muss, während um ihn herum seine Welt in Scherben fällt, ist nicht nachzuvollziehen. Es scheint, als ob man zugreift, wenn man die Möglichkeit hat und mit etwas Einsatz etwas haben kann, das man schon immer haben wollte. Wenn Krieg herrscht, ist es oft bittere Notwendigkeit in jedem Winkel nach irgendetwas Verwertbarem zu suchen, um zu überleben - das hat nicht wirklich etwas mit plündern zu tun, sondern mit Not. Hart bestraft wird das aber allemal - aus dem Dritten Reich kennen wir Todesurteile, die ausgesprochen und auch vollstreckt wurden eines aus den Trümmern gezogenen Brotes wegen. Die modernen Plünderer tragen allerdings eher Luxusartikel aus den Häusern, in der Regel jedenfalls. Steine fliegen in die Glasscheiben von Juwelieren, Elektronikläden oder anderen Geschäften, die ähnliche Waren anbieten. Nun gehen erschütternde Meldungen um die Welt, denn bei den Unruhen in Ägypten geht es nicht ohne Zerstörungen ab. Das Museum in Kairo hat Verluste zu beklagen, denn die oft sehr seltenen und wertvollen Exponate ziehen Plünderer an. Tatsächlich haben sich, glaubt man den Berichten, die zum Schutz des Museums abgestellten Mitglieder der Ordnungskräfte an den Zerstörungen und Diebstählen beteiligt, obwohl sich die Berichte in Bezug auf Diebstähle widersprechen. Zwar sei die Museumskasse ausgeräumt worden, doch Artefakte sollen nicht fehlen, heißt es. Einig sind sich allerdings alle darüber, dass es mutwillige Beschädigungen gegeben haben soll... unter anderem sind auch Gegenstände aus dem Grab des Pharao Tutanchamun betroffen.
Die Welt reagiert nicht gerade mit Begeisterung auf das, was aktuell in Ägypten geschieht - und die Berichte über die Museumsplünderungen sind nicht geeignet, den Widerständlern gegen Mubaraks Regierung mehr Sympathien einzubringen. Trotzdem sollte man die Notwendigkeit der Proteste und des Aufstandes nicht aus den Augen verlieren, auch dann nicht, wenn man Hobby-Ägyptologe ist. Menschen, die jahrelang unter dem Existenzminimum und dazu in Angst vor Willkür leben mussten, sehen ein wertvolles Schmuckstück vielleicht als genau dieses - und nicht als unschätzbaren Zeitzeugen ihrer ruhmreichen Vergangenheit.
© Text: Winfried Brumma, Pressenet Die Abbildung zeigt einen altägyptischen Streitwagen, ca. 1500 v. Chr. (Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei) Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden Hinweis: eBooks von Pressenet gibt es auf dem Portal xinxii.com. Bestellung auch direkt über uns möglich. |