SteffenAus den Rohrbacher Geschichten (von Pitt Breuer) |
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Ein Knicker ist er auch nicht, das steht schon mal fest - wenn er da ist, lässt er rollen. Es ist nur so, dass er eben ständig über seine Alte mault. Wenn er so nach zwei oder drei Bierchen anfängt mit: "Also was die Heike ist, der zeig ich's nochmal." Dann stöhnen wir innerlich so richtig auf. Dazu muss man wissen, dass seine Olle ein ziemliches Gerät ist, also jede Menge Frau. Und Steffen kommt da eher mickrig bei, würde ich mal sagen. Manchmal holt sie ihn ab, und dann sieht er nicht sehr gut aus, unser Kumpel. Die hat so eine Feldwebelmentalität, so wie "Jetzt mal zackig, du musst morgen früh raus!" Dann schmeißt sie mörderische Blicke aus ihren kleinen Augen in die Runde... Mannomann, da kriegt man einen Heidenrespekt. So viel ich weiß, hat Steffen daheim absolut nix zu melden. Er bringt die Kohle ran, weil er Schichten fährt wie bekloppt - und seine Alte pflegt die Couch, indem sie das Teil mit ihrem Körper abdeckt. Na, und den Frust quatscht er sich hier bei uns von der Seele. "Mit mir kann sie das nicht machen", sagt Steffen - aber das sagt er immer. Die Kumpels und ich verdrehen die Augen, die Nummer kennen wir auswendig. Kein Stammtisch ohne die neuesten Nachrichten von Steffens Hauswalküre, immer das gleiche Gesülze. Als der Kleine mal wieder "Ich hau der mal so richtig eine rein" vor sich hinzischelt, verliert Mike die Nerven und haut mit der Faust auf den Tisch. "Genau, hau der mal die Nuss von den Schultern, bist doch ein Kerl. Oder? Zeig der Alten mal wo's langgeht. Aber das tust du ja doch nich, jammerst lieber rum." Keiner sagt ein Wort, Steffen blinzelt uns der Reihe nach an und schmeißt dann das Geld auf den Tisch. Als er rausgeht, meint Mike noch: "Ist doch wahr, ich kann's nicht mehr hören."
In den letzten Wochen hat man nix mehr von Heike gehört - wenn jemand fragt, sagt Steffen, dass sie auf der Couch rumhängt, wie immer. Und dass sie anfängt, schlampig zu werden, dass sie sich gehen lässt. Er sieht vielsagend in die Runde und hält sich kurz die Nase zu, zwinkert dabei und kichert dann vor sich hin. Sieht aus, als wenn er sie satt hat, seine Angetraute. So redet keiner, wenn ihm noch was an seiner Frau liegt - das ist mal klar. Aber ein paar Tage später meint Mike, ob wir denn nichts gerochen hätten. Und tatsächlich, Steffen duftet auch nicht wie der junge Frühling. Man könnte sogar sagen, dass er stinkt. Außerdem, das fällt mir schon länger auf, wechselt er kaum noch die Klamotten. Aber das ist es nicht, was so übel riecht - es ist mehr so, als wenn ein Kühlschrank kaputt ist und das Zeug innendrin nicht rausgenommen wird. Anders kann ich es nicht beschreiben, und als ich das Mike sage, wird der blass um die Nase und ziemlich still.
Eine Kurzgeschichte von Pitt Breuer, © Pressenet Lesen Sie auch Google+ und die neun Städte des Mr. North
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