Rottler und Bierling: Tatsachenberichte auf den Kopf gestellt

Rezension zu "Sinneswandel: Kurze Kurzgeschichten - Gedachte Gedanken"

Sinneswandel

"Was uns gerade eingefallen ist", so lautet ein Motto der beiden Autoren Wilfried Rottler und Thomas Bierling - und man ist fasziniert von der fröhlichen bis äußerst scharfen Demontage des Geradeausdenkens. Schräge, aber sehr intensive Blicke auf eine Welt, in der die Dinge so sind, wie sie eben sind.

Es ist weit gekommen mit der Wirtschaft, wenn Gabriel, der Engel mit dem Flammenschwert, als Türsteher arbeiten muss - ... gut, Erfahrung hat er ja, denn da war mal ein kleiner Platzverweis im Garten Eden vor langer Zeit. Den Fallmanager freut's, hat er doch eine Beschäftigung gefunden, die den Talenten des Herrn mit den Flügeln entspricht. Die sind nämlich nicht allzu üppig.

Schwachstellen hat jeder, das ist klar. Das erfährt auch der Mann, der in der Hölle landet und bestürzt erfährt, dass er sie selber miterschaffen hat und dass er die ewigen Qualen auch anders gestalten kann, wenn er es nur möchte. Dass der Teufel ein cleverer Händler ist, merkt er genau so schnell. Und dass Luzifers Schwachstelle mangelnde Vorstellungskraft ist, macht den Handel perfekt.

Was für eine Welt wird da beschrieben in dem Buch "Sinneswandel: Kurze Kurzgeschichten - Gedachte Gedanken"? Ganz einfach: es ist die einzige, die wir haben - nur von einer anderen Warte aus. Und so kommt es, dass Angela Merkel den Weihnachtsmann erschießt und Tante Eulalia das Erbrecht revolutioniert, weil sie keine Lust auf Tod hat und ganz einfach dableibt. Was "Letzten Mittwoch in der Jungsteinzeit" geschah, ist ein wie nebenbei locker eingeflochtener Geschichtskurs, der erklärt, wieso so einiges schiefgelaufen ist und letztendlich durch den Fluss der Dinge dazu führte, dass der Ethik-Rat die genmanipulierten Unterhosen verurteilt.

Die mindestens dreifache spiegelverkehrte, aber dadurch extrem vergrößerte Art, wie die Autoren Rottler und Bierling die Dinge sehen und "bloßdenken", ist genial. Hier wird an Schlagzeilen, politischem Geschehen und so manchem "Da kann man eh nix machen" von einer Seite angedacht, die uns bisher entgangen zu sein scheint. Lapidar und ohne Schnörkel geht aber auch: die Geschichte vom "So ist es halt Laden" ist ein Schnellkurs in Sachen Geschäftsführung, der es in sich hat.

Wie bei jeder guten Satire ist jede Menge von "Aber der Kaiser hat ja gar nix an" enthalten, nur dass die nicht vorhandenen Klamotten ein nur mal so gedachtes hinreißendes Label tragen. Nämlich das der Autoren Rottler und Bierling, und es steht für scharfsinnig, pointiert, klug und herrlich böse. Das Buch "Sinneswandel" ist das erste mit einem "Anti-Widming" und stellt damit auch gleich die Weichen. Man könnte das Lesen vielleicht mit einem Aufenthalt in einem völlig neuen Restaurant vergleichen: Man setzt sich an die Tafel und probiert die Gerichte, die nacheinander serviert werden. Und wenn man glaubt, dass die raffinierte Würzung eines Ganges nicht übertroffen werden kann, kommt schon der nächste und besticht mit einer anderen interessanten Komposition.

Man kann das Buch theoretisch häppchenweise lesen, also sich jeden Gang auf der Zunge zergehen lassen. Aber man tut es nicht, denn irgendwie kann man nicht genug von den Gedankengängen bekommen. Leider ist es irgendwann dann doch zu Ende - aber "Sinneswandel" gehört zu den Büchern, die man gerne in Griffnähe hat, um immer wieder Spaß zu haben.

Wilfried Rottlers und Thomas Bierlings Buch "Sinneswandel: Kurze Kurzgeschichten - Gedachte Gedanken" ist via Amazon erhältlich.

Mehr über die Autoren erfahren Sie bei Yeotone (ein Label der Thomas Bierling Musikproduktion)

© "Rottler und Bierling: Tatsachenberichte auf den Kopf gestellt" - eine Rezension von , 2011.

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