Schicksalsdeutung im Supermarkt |
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Wer im Internet nach jemandem sucht, der Lebenshilfe im esoterischen oder spirituellen Bereich anbietet, findet sich auf einer unendlich langen Shoppingmeile in Sachen Esoterik wieder. Das Angebot ist riesig, die Preisunterschiede auch. Die allermeisten Seiten bieten mehr Services an als ein 5-Sterne-Hotel, so kann man beim selben Anbieter Channeling, Kartenlegen mit allen möglichen Decks, Krafttierkarten, Pendeln, und was dergleichen Angebote mehr sind, in Anspruch nehmen. Wie sich das gehört auf einem Basar, unterbieten sich die Seitenbetreiber, wo immer es möglich ist. Wie in allen anderen Branchen werden kostenlose Schnuppersitzungen angeboten, Abonnements und sogar Flatrates. Dem erstaunten Kunden fallen sogar Angebote für "Engelskontakte" in das Auge und lassen ihn argwöhnen, dass er sich vielleicht in der Branche vertan hat. Die Zeiten, in denen eine ältere Dame in ihrer altmodisch eingerichteten Wohnstube aus dem Kaffeesatz gelesen hat, sind wohl endgültig vorbei - ebenso wie die Besuche bei "Madame Titania" im Wohnwagen, wo sich eine malerisch ausstaffierte Frau über eine Kristallkugel beugte. Schicksalsdeutung per Internet ist ebenso normal wie das Schreiben einer E-Mail. Die Frage stellt sich nun: Kann so etwas überhaupt auf Entfernung und ohne persönlichen Kontakt funktionieren? Nun... es kann. Allerdings gehört von Seiten des Anbieters eine gehörige Portion Erfahrung und vor allem große Sensibilität dazu. Eine "Berührung" kann auch über große Entfernungen stattfinden, das steht außer Frage, aber die Regel ist es allerdings nicht. Das braucht eine gewisse Zeit und kann vor allem nicht wie am Fließband funktionieren.
Es sieht so aus, als kauften sich die Menschen mal eben schnell einen Blick auf ihr Schicksal oder holten den Rat anderer Mächte ein, so wie sie beim Shopping ein Eis an der Bude holen. Und wahrscheinlich behalten sie das Ergebnis nicht weiter im Gedächtnis als sie die Eiskrem im Magen haben, so wie man die Zettelchen, die der Wahrsageautomat auf dem Jahrmarkt ausspuckt, in den Papierkorb wirft, weil es um die Gaudi ging und sonst um nichts. Man könnte das Bild einer Imbissbude benutzen, einem Geschäft also, das "über die Straße" verkauft - und zwar Essen, das für den schnellen Verzehr verkauft wird. Satt wird man bedingt davon, aber eine richtige gehaltvolle Mahlzeit ist etwas anderes. Man nimmt den Snack in Empfang und geht damit davon - es ist bequem. Nun ist aber gerade das, was Lebensberatung auf der esoterischen Basis ausmacht, oft sehr unbequem. Es geht in die Tiefe und fördert zuweilen Dinge nach oben, die niemand gerne sehen will. Wer wirklich Hilfe sucht, muss das in Kauf nehmen. Es ist wie ein Restaurant, in dem man vor allem das bekommt, was gut für einen ist - auch wenn es erst einmal "nicht schmeckt". Wer also Beratung und Hilfe dieser besonderen Art sucht, sollte Seiten meiden, die einem Ein-Euro-Shop mit riesigem Angebot gleichen. Hier ist nämlich weniger mehr. © Beobachtungen von Eleonore Radtberger für Pressenet Lesen Sie auch Pygmalion sucht Barbie
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