Wessen Rechnung geht mit Fast Food auf?

TV-Produktionen contra Menschenwürde

Kochen und essen

Was die Fernsehlandschaft außer Bildung (optimistisch gedacht) und Unterhaltung dem Zuschauer bietet, ist das pralle Leben von den Leuten nebenan. Der Hang zur inszenierten Realität sorgt für so manche erbauliche TV-Stunde - und lässt sich (pessimistisch gedacht) auch durchaus als Meinungsmaschine einsetzen. So gab es vor nicht allzu langer Zeit eine Sendung, bei dem man einer sozial schwachen Familie beizubringen versuchte, wie sie mit ihrem knappen Budget auskommen kann.

Der Ansatz war, dass unterm Strich frische Zutaten den Geldbeutel eher schonen und vor allem nahrhafter sind als die Tüten- und Dosenprodukte. Das ist durchaus richtig, denn wer ein Essen selber macht, also zum Schälmesser greift, spart Geld und Kalorien, und man hat mehr Kontrolle über das, was man isst. Eine durchaus wünschenswerte Sache also - wenn auch mit ein wenig mehr Arbeit verbunden. Dafür schmeckt es besser, ist gesünder, und vor allem erfüllt so ein Essen den eigentlichen Zweck: es versorgt den Körper mit wichtigen Dingen. Glutamate und Konservierungsstoffe sind keine wichtigen Dinge für den Organismus, das bleibt unbestritten. Man reduziert beim Selberkochen unerwünschte Dinge um einiges ... wenn auch nicht um alles.

Nun tat sich die Familie sehr schwer mit dieser Auflage, obwohl man ihnen einen recht bekannten jungen Modekoch an die Seite stellte. Der versteht sein Handwerk und rechnete mal eben durch, unterstützte beim Einkauf und gab einen Crashkurs in der Küche. Alle waren begeistert, sogar der Familienvater, der sonst bekennender Dosenjunkie ist. Es hätte durchaus zu einem Happy End führen können, denn alle sahen, dass es klappt. Nur war der wedelnde Zeigefinger von der ersten Einstellung bis zur letzten nicht zu übersehen, außerdem war die Etikettierung der Familie nur äußerst schwach getarnt. Kurz nachdem der medienwirksame Koch wieder weg war, fielen alle schnell wieder in den Doseneintopftrott zurück oder gaben sich den Spaghettis mit Fertigsoßen verstärkt hin.

Das zielte natürlich auf Empörung: "Guckt mal ... die verplempern das Geld, das die arbeitende Bevölkerung zahlen muss für ungesundes Essen aus der Gefriertruhe! Und dann wundern die sich, dass sie mit ihrem Geld nicht auskommen! Und dann wollen die nicht mal 'was lernen - das ist eine Unverschämtheit!" Neu sind diese Gedanken nicht - schon George Orwell hat in einem seiner Bücher die Situation der Mittellosen beschrieben. Tatsächlich beklagte er die eher ungesunde Lebensweise und stellte ebenfalls die eine oder andere kleine Rechnung auf. Allerdings sah er auch die andere Seite der Sache. Denn eine Unverschämtheit ist es wohl auch, dass man den Menschen stetig die Mittel kürzt, ihnen vieles vorenthält, was ihnen zustünde (z. B. das Kindergeld) und ihnen dann auch noch genau vorschreiben will, wie sie das Geld zu verwenden haben.

Zu Zeiten Orwells waren die Menschen, ob nun arm oder reich, nicht dieser ungeheuren Werbemaschine ausgesetzt, die praktisch das Verschwenden vom Einzelnen fordert. Die Gemeinsamkeit besteht nur darin, dass die Bedürftigkeit im Grunde eine vom Staat selbstgemachte war. Die Bedürfnisse, die durch die Industrie erst geweckt und manifestiert werden, sind nur zu einem geringen Teil natürlicher Art. Die Industrie ist von der Regierung, vom Staat nun auch kaum zu trennen. Das heißt nun im Klartext, dass erst einmal Wünsche erschaffen werden, und zwar bei allen Bürgern. Die Botschaften der Werbe-Spots gehen in die Richtung "leicht", "schnell", "lecker" und "gesund". Das ist eingängig (wenn auch meist falsch) und setzt sich vor allem bei Kindern geradezu fest. Haben diese Sprüche dann auch den gewünschten Erfolg, beklagen die Bürger das dann und der Staat kürzt immer weiter. Schließlich soll es den Leuten nicht so gut gehen, dass sie gerne Hartz-IV beziehen.

Was wir brauchen, sind allerdings nicht verschiedene TV-Kanäle - je nach Einkommen der Leute - sondern ein Umdenken, was den Konsum betrifft. Das aber würde die Wirtschaft nicht gerade forcieren - und somit ... klar worauf es hinausläuft. Von heute auf morgen wird sich das nicht ändern, weder das Konsumverhalten der Menschen in unserem Land noch das nicht vorhandene Bewusstsein dafür, wie sehr solche TV-Sendungen missbraucht werden, um eine gewisse Stimmung herzustellen. Da muss noch einiges geschehen, bis die getarnte Demontage der Menschenwürde ein Ende hat. Das sollten wir vielleicht mal anpacken ...

© "Wessen Rechnung geht mit Fast Food auf?" - ein Textbeitrag von , 2011. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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