Der Weltuntergang fällt schon wieder aus

Asteroid Weltuntergang

(Mai 2011)   Es ist nicht gerade neu, dass der Weltuntergang prophezeit wurde ... das gab es schon in der Antike, und im Mittelalter gehörte es zum guten Ton - jedenfalls, was den Klerus oder übereifrige Sektierer betraf. Man versuchte diesen mit Sicherheit nicht ganz unwichtigen Tag auf ein bestimmtes Datum zu legen, welches mit den sonderbarsten Methoden ermittelt wurde. Die verschiedensten Gruppierungen stritten um das Wissen um den letzten Tag der Menschheit und ihrer Welt - und das tun sie bis heute.

Man streitet darum, ob der Niedergang der uns bekannten Welt mit einem Schlag oder eher als Prozess vonstatten gehen wird und ob die Tage schon gezählt sind, die uns noch bleiben. Die ganze Angelegenheit wird im Zusammenhang mit der Herrschaft Gottes gesehen, von der niemand weiß, ob sie nun schon begonnen hat oder nicht. Die Kirche geht im Grunde davon aus, dass eben dieser Zustand mit der Geburt Jesu Christi eingetreten ist. Diese Überlegungen bzw. diese Auffassung wird unter dem Begriff "Eschatologie" zusammengefasst, der Lehre "von den letzten Dingen".

Die Bibel, die als einzige Quelle gelten sollte, zeigt sich bedeckt, was ein genaues Datum betrifft. So heißt es nämlich: "Niemand kennt Tag noch Stunde" (Mat 24, 36). Dieser Satz ist unmissverständlich, und doch haben im Laufe der Jahrhunderte immer wieder falsche Propheten den baldigen Weltuntergang beschworen. Schon in den frühen Tagen des Christentums ging diese Warnung um und setzte sich fort bis heute.

Was die Zeit bis ins Mittelalter betrifft, so konnten die meisten Menschen den biblischen Text dazu nicht prüfen, denn Lesen und Schreiben war etwas, das nur wenige beherrschten. Zudem wäre auch Kenntnis des Hebräischen und Altgriechischen dafür notwendig gewesen - jedenfalls bis zur Bibelübersetzung Luthers. Damit hatte sich das wilde Prophezeien erledigt, könnte man meinen - aber weit gefehlt. Denn der Bibel werden ebenso viele verschlüsselte Geheimnisse zugeschrieben wie den Pyramiden von Gizeh, und viele religiöse Führer konnten sich auf diverse Codes berufen, die sie selbstverständlich entschlüsselt hatten. Die Numerologie wurde bemüht, ebenso wie der hebräische Zahlenschlüssel oder andere komplizierte versteckte Botschaften. Und das dauerte an bis in die heutige Zeit. So hatten sich die Zeugen Jehovas immer wieder mit einem Termin gemeldet, der jeweils ohne nennenswerte Geschehnisse verstrich.

Nun führte wieder ein selbsternannter Prophet seine Anhänger an der Nase herum, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass die Leute selbst nachlesen könnten. Der 89jährige Harold Camping, Prediger von eigenen Gnaden, hatte den Tag Ultimo schon einmal propagiert, am 6. September 1994. Obwohl das Ereignis - wie man weiß - nicht zutraf, tat das der Beliebtheit Campings keinen Abbruch. Nach ausgedehnten und tiefgängigen Forschungen nach numerologischen Richtlinien datierte er nun auf den 21. Mai 2011.

Campings Anhänger nahmen das sehr ernst und gingen daran, sich auf die "Entrückung" - wie sie das nennen - vorzubereiten. Dazu gehörten Dinge wie sich noch rasch vom Partner zu trennen, sein Hab und Gut zu verkaufen (und das Geld noch schnell Mister Camping zu spenden), den Job aufzugeben und Mietverträge zu kündigen. Das erwies sich als fatal, denn nicht jeder Boss wird bereit sein, großzügig über die Kündigung hinwegzusehen und die Leute wieder in den Schoß der Firma aufzunehmen. Wie es heißt, reagierten die Gläubigen leicht verärgert.

Campings eigener Radiosender hat sich als probates Instrument für seine Botschaften erwiesen, und er nutzt es meisterhaft. Wer noch nie von Harold Camping gehört hat, sollte sich seine Fotos einmal ansehen, auf denen ein sehr alter aber pfiffig aussehender Mann zu sehen ist. Man kann annehmen, dass er sehr genau weiß, was er tut - wenn wir auch nicht wissen warum.

Die ganze Geschichte ist vordergründig gesehen eher lustig - aber sie hat einigen Menschen ihre Existenz gekostet. Sie hätten vielleicht doch nachlesen sollen.

© "Der Weltuntergang fällt schon wieder aus" - ein Textbeitrag von , 2011. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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