Die Macht des Geldes:
Über das Festhalten und Loslassen von Geld

Reich sein

Eigentlich möchte das jeder gerne: reich sein. Und wo der eine oder andere manchmal daran denkt, über Reichtümer zu verfügen, sehen einige Menschen das eher verbissen. Nun fragen wir uns vielleicht auch, was ist das denn eigentlich: der Reichtum? Hier ist die Rede von materiellem Besitz, nicht von anderen Gaben - und da fängt es auch schon an. Denn natürlich will man nicht zu denen gehören, die eben diese Dinge über andere Gaben stellen, wie zum Beispiel Talente oder Großherzigkeit. Man könnte sogar sagen, dass reich sein verpönt ist.

Der biblische Spruch, nach welchem der Reichtum eher hinderlich ist, wenn es darum geht, der ewig währenden Glückseligkeit teilhaftig zu werden, scheint in unseren Köpfen doch sehr verankert zu sein. "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt", heißt es da wohl. Ja, und die "Reichen" haben auch nicht unbedingt den allerbesten Ruf, denn sie sind zweifellos in der Minderzahl.

Noch immer ist die feudalistische Weltordnung der vergangenen Jahrhunderte Bestandteil unseres Realitätsempfindens, denn so manche Truhe voller Gold wurde durch das Elend von Wehrlosen gefüllt - das ist eine Tatsache. Aber nicht jeder, der viele weltliche Güter besaß, hatte sie sich durch Unmenschlichkeit erworben oder durch Betrug - das war damals so und ist es heute auch noch. Eine gute Idee, Fleiß sowie hier und da eine kleine Extraportion Glück tun es ebenso. Wobei das Wort "Glück" hier als Synonym für "richtige Zeit" und "richtiger Ort" gelten könnte. Es gibt sehr viele Geschichten über Menschen, die durch besondere Umstände zu viel Geld kamen - der Lottogewinn gehört natürlich auch dazu. Aber sehr viel öfter geht es mehr um Ideen und auch um Mut.

"Geld muss fließen", sagte einmal ein berühmter Mann, der über genug davon verfügte. Und damit meinte er, dass Horten und ängstliches Festkrallen nichts bringt. Es hindert den Fluss, staut praktisch die Energie. "Geld sinnlos verjubeln" ist damit nicht gemeint - aber mit etwas leichterem Herzen die Hände offen halten. "Niemand nimmt dir etwas aus der Faust, aber niemand legt dir auch etwas hinein", gilt hier. Man könnte es auch mit diesem Bild beschreiben: man liebt sein kleines Kind, setzt es aber doch in das Feuerwehrauto des Karussells. Was geschieht? Man lässt los, nur um zu sehen, dass der sonst ängstlich überwachte Sprössling immer wieder vorbeikommt und einen Heidenspaß dabei hat. Das Loslassen bringt hier nicht wirklich Verlust, sondern Freude.

Nehmen wir nun einmal an, mit dem Geld könnte es genauso sein.

Das Sammeln unter der Matratze macht nicht wirklich Sinn. Man kennt ja diese "Weisheit": hat man das Gesparte tatsächlich einmal angebrochen, auch wenn es nur ein geringer Anteil ist, wird es immer weniger. So, als ob es weg wollte, das Geld. Und vielleicht verhält es sich genau so. Geld ist eine Art Strom, nichts Konstantes - es ist beweglich und wird durch die neue Art, damit umzugehen (Banking etc.) immer "leichter" und flüchtiger. Es hat eine eigene Energie, eine eigene Dynamik. Es beschwert nicht mehr, man muss es nicht mehr in vielen Münzen bei sich tragen. Und es schwappt immer wieder an unser Ufer, weil der Strom tatsächlich unendlich ist - vergleichbar mit riesigen aufeinander folgenden Heringsschwärmen.

Man könnte natürlich fragen, wieso viele von uns dabei so große Schwierigkeiten haben, auch nur ein oder zwei solch glänzende Fischchen zu erwischen. Zu einem Gutteil, weil wir es nicht wirklich wollen - diese verblüffende Tatsache hat etwas mit der beschriebenen negativen Bewertung zu tun. Und mit der vermutlich seit Jahren andauernden Selbsthypnose: "Mir glückt ja doch nichts, das wird auch wieder nichts werden, und wenn ich das hergebe, habe ich gar nichts mehr und lande im Armenhaus. Außerdem ist reich sein unethisch. Geld verdirbt den Charakter." Der letzte Spruch ist, bei näherem Hinsehen, ausgemachter Blödsinn.

Weitaus verbitterter und vielleicht mit der Zeit auch härter und eher bereit die Grenzen zu überschreiten ist ein Mensch, der nie genug zum Leben hat. Es sind meist nicht die Reichen, die aus Not oder Verzweiflung Banken überfallen oder jemanden die Börse mit dem Pfandgeld klauen. Reich sein wollen und unbewusst dagegen steuern, das ist eine Mischung, die zum Kreisverkehr und somit zur Stagnation führt. Hier anzusetzen ist ebenso wichtig wie einen Lottoschein auszufüllen oder mit innerer Verachtung Aktien zu kaufen.

Lesen Sie auch den zweiten Teil: Armut, Reichtum, Luxus und Macht

© "Die Macht des Geldes: Über das Festhalten und Loslassen von Geld" - ein Beitrag von , 2012. Illustration: Thomas Alwin Müller, littleART

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