Nonni und das Lächeln

Eine Kindergeschichte von Anne Meringer-Plank

Teddy

Heute ist ein schöner Tag draußen. Die Sonne scheint und es ist schön warm. Eigentlich wäre es ein richtiger "Sophie-Tag", wie ihre Mama meint. Denn das kleine Mädchen liebt alles, was mit Draußen zu tun hat: den Garten, die Rutsche, die schöne Straße mit den vielen Bäumen, und natürlich auch den Spielplatz.

Sophie ist fünf, und wie sie selber mit ernstem Gesichtchen immer sagt: "Groß für ihr Alter". Den Spruch hört sie immer, wenn die Erwachsenen mit Mama sprechen, so beim Einkaufen oder beim Spazierengehen. Sophie denkt, dass es eine gute Sache ist, groß zu sein und sagt es daher selber. Dann lächeln nämlich alle auch und das findet sie sowieso toll. Aber heute ist Sophie mufflig. Sie hat keine Lust, mit Mama einkaufen zu gehen, sie mag nicht mal ein Eis haben. Das ist sehr ungewöhnlich, findet ihre Mutter und fragt sich, ob da ein Problem vorliegt. Aber das kleine Mädchen schüttelt nur den Kopf, dass die Rattenschwänzchen fliegen und sieht mit vorgeschobener Unterlippe auf den Boden.

Da weiß Mama sich nicht mehr zu helfen und sagt: "Sophie, magst du mit mir zu Oma gehen und dort bleiben? Ich hole dich dann wieder ab, wenn ich fertig bin." Da nickt das kleine Miesegretelchen und fast, aber nur fast erscheint ein Lächeln auf dem Gesicht. Aber dann ist sie sehr schnell fertig und steht schon an der Wohnungstüre, wo sie ungeduldig wartet, bis ihre Mutter fertig ist. Die wundert sich ein wenig, dass ihr Töchterchen den neuen gelben Rucksack dabei hat. Aber als sie danach fragt, schiebt sich die Unterlippe vor und weigert sich, auch nur das kleinste Wörtchen hinauszulassen. Mama lässt es dabei bewenden, denn es soll ja doch noch ein Sophie-Tag werden.

Oma freut sich, als sie hört, dass die Kleine bei ihr bleiben soll. Sie geht mit Sophie in das gemütliche Wohnzimmer, wo schon sehr schöne Sachen auf dem Kaffeetischchen stehen. Sophie wartet mit schiefgelegtem Kopf, bis sie die Wohnungstüre ins Schloss fallen hört, was bedeutet, dass Mama nun gegangen ist. Dann sagt sie: "Du, Omi, du musst Nonni helfen. Er ist krank." Dazu muss man wissen, dass Nonni ein Teddybär ist. Kein gewöhnlicher Teddy, sondern ein ganz besonderer. Sophies Oma hat den nämlich gemacht, ganz allein für ihre Enkelin. Oma macht viele Bären, sie kann das ganz wunderbar, und sie verkauft sie auch. Und die Leute geben ihr Geld dafür, weil sie sagen dürfen, wie ihr Teddy aussehen soll. Aber Nonni ist der allerschönste Bär, findet Sophie. Ganz hellbraun ist er und vor allem lacht er - das wollte sie so haben. Seine große Schleife ist blau mit weißen Streifen. Das sieht freundlich aus und lustig. Und zum letzten Geburtstag saß er dann auf ihrem Bett, ihr Nonni. Seitdem sind sie Freunde. Beste Freunde sogar, denn Nonni weiß alles über Sophie. Und er petzt auch nicht.

Oma setzt ihre Brille auf und fragt ganz ernsthaft, was denn mit Nonni los ist. Da macht Sophie ihren Rucksack auf und zieht Nonni raus. Und da sagt Oma: "Du meine Güte." Denn der freundliche Teddybär lacht nicht mehr, das kann er gar nicht. Sein Bärenmäulchen ist völlig zerdrückt und schief, und sonderbarerweise auch viel dunkler als der restliche Nonni. Sophie fängt an zu weinen und beichtet. Sie hat doch Schokolade so gern, und der Nonni ja auch. Schließlich ist er ja ihr Freund. Ja, und da wollte sie mit ihm teilen. Jedenfalls hat sie sich das so gedacht. Aber irgendwie gab's dann einen großen Schokofleck auf dem schönen, hellbraunen Plüsch, direkt unter dem lustigen Näschen von Nonni. Sophie hat dann gemacht, was Mama macht, wenn so ein Malheur passiert: sie hat einen nassen Lappen genommen und kräftig gewischt. Ja, und dann sah es so aus - ganz, ganz fürchterlich.

Oma nimmt den Bären in die Hände und besieht sich alles ganz genau. Dann geht sie mit Sophie in ihr "Bärenzimmer", wo ganz viele Teddys herumsitzen. Manche sind schon fertig, manche haben noch keine Arme oder Ohren, es ist sehr interessant. Sophie liebt diesen Raum, aber heute sieht sie fast nichts, weil sie so weinen muss. Aber Oma sucht in Kartons, hält Plüschstücke in die Höhe und legt sie wieder weg. Dann nickt sie zufrieden und kommt zu Sophie. Die ist ganz ruhig, während Nonni "operiert" wird. Erst trennt Oma mit so einem ganz kleinen spitzen Ding das schiefgedrückte Maul von Nonni auf. Dann sitzt er mit halbem Gesicht herum und Sophie fühlt sich ganz jämmerlich. Aber Oma hat schon das Stück Plüsch geformt und zusammengenäht. Das macht sie mit einer Nähmaschine.

Als sie damit fertig ist, füllt sie das Teil mit ganz weicher Wolle aus. Es sieht aus wie Zuckerwatte, aber man kann es natürlich nicht essen. In einem großen Karton sucht sie dann eine schwarze Bärennase aus Plastik, die wird draufgesetzt und von innen festgemacht. Dann kann sie nicht locker werden, auch nicht, wenn Nonni niesen muss. Als Oma das alles gemacht hat, nimmt sie eine besondere Nadel und näht Nonni wieder eine Nase und ein Schnäuzchen an. Ganz zum Schluss nimmt sie noch eine andere Nadel und dickes, schwarzes Garn. Wie durch Zauberhand erscheint dann wieder ein Lächeln, ein richtiges Nonni-Lächeln. Es ist ganz wie vorher, Sophie kann keinen Unterschied erkennen.

Das alles hat vielleicht eine Stunde gedauert - das sagt Omi. Und Sophie ist wieder richtig glücklich. Sie umarmt Oma und drückt Nonni, immer abwechselnd. Und als sie dann endlich ihren Schokoladenkuchen isst, darf Nonni zugucken. Gefüttert wird er nicht. Und um die Operation zu feiern, spendiert Oma dann noch eine neue Schleife. Die ist sonnengelb, genau wie Sophies Rucksack.

Als dann Mama wiederkommt, ist sie sehr überrascht, dass Sophie so fröhlich ist. Außerdem wusste sie nicht, dass Nonni mit von der Partie war und ist sehr erstaunt, ihn zu sehen. Aber Omi zwinkert Sophie nur zu und erzählt nichts von dem kranken kleinen Nonni. Und der sagt auch nichts, aber er lächelt wieder - und das macht Sophie froh. Kindergeschichte

© "Nonni und das Lächeln" - eine Kindergeschichte, mit Abbildung: Anne Meringer-Plank

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