Der Maler Peter May: Bilder mit hypnotischem Reiz

Peter May - Vier in einem

Der Weise fragte sich: "Bin ich ein Mensch, der träumt, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der träumt, dass er ein Mensch sei?" Ist das nun ein Denkspiel, oder ist es viel mehr als das? Was ist hier die Wirklichkeit?

Betrachtet man die Arbeiten des in Emmerich am Rhein lebenden Malers Peter May, könnte die Frage sein: "Sehe ich in ein Bild hinein, oder sehe ich aus einem Bild heraus?" Die Frage nach Wirklichkeit stellt sich nicht, denn es handelt sich mit Sicherheit um etwas, das gesehen und gefühlt wird. Bilder, die fast lakonisch benannt sind, aber dem Betrachter sofort bekannt vorkommen. Peter May verzichtet auf manches Stilmittel, außer auf Farbe, Linien und Formen, die zusammen genau das ergeben, das den Betrachter etwas sehen lässt - und nicht etwa nur etwas zeigt.

Dies wird besonders deutlich bei "Türkis" (Acryl auf Leinwand), einem Bild, das völlig in blauen und türkisfarbenen Tönen gemalt ist. Sind es Ranken, die lebendig geworden ein besonderes Muster weben, oder lässt man den Betrachter doch Schlangen sehen? Schlangen, Vogelköpfe? Es ist wie eine Einladung zum Schauen, ein Geheimnis, das sich sehen lassen will. Blautöne haben eine spezielle Wirkung, es liegt etwas Ruhiges oder Festes darin. Das Bild hat eine Art hypnotischen Reiz, es erzählt und hält gleichermaßen fest.

Von gedämpft zu feurig, wie eine Reise in ein völlig fremdes Land steht der Betrachter dann vielleicht vor "Rot-Gelb-Orange" (Acryl auf Leinwand). Plakative Farben und auch ebensolche Formen, der Mittelpunkt dieses Bildes scheint eine Spirale zu sein, in Rot und Orange. Es flammt wie ein Ampellicht und erzählt vielleicht etwas von einem pulsierenden Herzen oder Leben - es verfügt über eine Bewegung, die nur Farbe ist, ein Ursprung. Der Mittelpunkt beherrscht das ganze Bild, aber er macht es auch sicher. Der Blick kann sich verankern daran, findet eine Insel in der Bewegung des Bildes.

Obwohl in den gleichen Farben gemalt, ist "Organische Konfiguration" (Acryl auf Leinwand) ein völlig anderer Kosmos. Es ist nicht so eindeutig beherrschbar oder einfügbar, es entzieht dem Auge einen Ankerpunkt und verführt zum Hin- und Herwandern. Ein eigenes Bild entsteht im Auge des Betrachters ... er erfährt eine Geschichte, die nur er selbst kennt.

Peter May - Organische Konfiguration

Farbe ist Ausdruck, wird Gegenstand oder Stimmung, aber das Fehlen von Farbe ist ein machtvolles Mittel, um etwas auszudrücken. Peter May's Bild "Im Tal der Schlangen" (Acryl auf Leinwand in Schwammtechnik) ist völlig in schwarz, grau und weiß gehalten, aber es hat einen eindrucksvollen Mittelpunkt. Der Schlangenkopf, der in sonderbar stilisierter, dadurch aber nur umso lebendiger den Blick des Betrachters zurückgibt, hat nicht wirklich etwas zu verbergen. Schon beim zweiten Blick erkennt man die wogenden Schlangenleiber um ihn herum.

Peter May - Türkis

Das Bild gerät dadurch in eine Art wogende Bewegung, die eine bedrohliche Atmosphäre schafft. Es ist fast so, als wolle die Schlange einladen, jedoch nicht abschrecken oder einfach Furcht erzeugen. Diese Arbeit hat eine faszinierende Bewegung, die nicht loslässt. Sich dem Blick der Schlange zu entziehen, ist nicht einfach.

Der Kreis schließt sich bei den Bildern "Vierineinem" und "Vierineinem rot-gelb". Diese Arbeiten haben einen integrierten Rahmen, der die Bilder in vier Quadrate unterteilt. Man denkt sofort an Fensterkreuze - und da ist wieder dieses Thema von Hineinschauen. Oder war es Hinausschauen?

Die phantastischen Linien in rot-gelb könnten Flammen vor dem Fenster sein - oder Feuer im Innern. Gebändigt durch einen Rahmen, aber nicht wirklich gefangen. Die Farben des zweiten Rahmenbildes verbinden pastellrosa und orange, gelb und schwarz. Es ist wie ein Jahrmarkt vor dem Fenster - oder vielleicht ein offener Körper ... etwas Lebendiges und Spannendes.

© "Der Maler Peter May: Bilder mit hypnotischem Reiz" - eine Kunstrezension von , 2012. Abbildungen: Peter May

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