Das Mondgeheimnis - Ein Netz aus Lebenslügen

Leseprobe aus dem Buch von Stefan M. Fischer

Mondgeheimnis

Das Buch:

Alena ist eine bildhübsche Studentin, die sich aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses der Liebe und dem Leben verschließt. Sie spinnt als Schutz ein Netz aus Lebenslügen um ihre Seele. Doch als sie den Künstler Ondrej kennenlernt, merkt sie, dass sie mehr vom Leben will.

Doch da ist nicht nur ihre emotionslose Beziehung mit Vlado, sondern auch die Sache mit ihrer Mutter - und das Mondgeheimnis.

Leseprobe aus "Das Mondgeheimnis":

Martin lehnte sich gegen eine moosbewachsene Gassenmauer und ließ sich auf das Pflaster sinken. Dass jemand auf die Stelle neben ihm uriniert hatte und überall Zigarettenstumpen lagen, war ihm egal. Gegenüber lag die Gastwirtschaft, in der er mit Alena hätte frühstücken wollen.

Durch ein gekipptes Küchenfenster quoll Fritteusenrauch und es roch nach fettigen Pommes und Currypulver. Martin legte den Teddy in den Schmutz, kratzte die Wunde am Unterarm auf und hob den Ellenbogen auf Augenhöhe. Reglos betrachtete er das Blutrinnsal, das von seinem Arm auf die Hose tropfte.

"Mami!", hörte er eine Kinderstimme und sah auf.

"Was macht der Mann da?" Die Frau mit der gelben Handtasche und den hochgesteckten Haaren gab keine Antwort und zog das Mädchen zur Eingangstreppe der Gastwirtschaft. Martin nahm den Teddy und wischte sich mit dem Bärenbauch das Blut vom Arm.

"Ich hätte dich vor ihr in Stücke reißen sollen. Diese Schlampe!" Mit einem Kieselstein ritzte er Kreuze in die Knopfaugen des Teddys.

Martin lehnte sich zurück, den Hinterkopf fest gegen die raue Mauer gedrückt. Die Leute, die an ihm vorübergingen, nahm er nicht wahr. Er saß dort, bis es dunkel wurde, den Teddy im Schoß, und überlegte, warum es nicht geklappt hatte. Vielleicht war alles nur ein Missverständnis? Aber dann wäre sie ihm nachgegangen, hätte irgendwas gesagt.

Im Eingangsbereich der Gastwirtschaft ging das Licht an, ein Kellner verkettete auf der Terrasse Tische und Stühle und verriegelte die Tür zum Lokal. Im Hinterhof flatterten Cordhosen und Unterhemden auf der Wäscheleine. Martin sah zu den Wolken, die sich über Smutkov aufgetürmt hatten, war in Gedanken bei Alena und dem Kerl auf der Parkbank. Er hätte sie prügeln sollen!

Der Wind frischte auf, Martin fröstelte und als er das Hemd fester um sich zog, hörte er ein dumpfes Geräusch. Im Hof der Gaststätte lag eine umgekippte Mülltonne, der Deckel rollte davon, und eine rote Plastiktüte wirbelte um zerdrückte Milchpackungen. Seine Stimmung kippte, er brauchte Trost. Und so machte er sich auf den Weg zur Apolena.

Vor seiner Brücke blieb er stehen. Der Fluss strömte knapp unter dem Brückenboden dahin. Stieg er weiter an, würde er die Brücke fluten. Sollte er doch! Zwei unsichere Schritte, dann fasste Martin Mut, stampfte weiter und entdeckte zwischen zwei Geländerpfosten eine Kreuzspinne, die sich nur mühsam im Netz halten konnte. Er fegte das Tier auf den Boden und zertrat es, packte den Teddy und spuckte ihn an. Speichel rann dem Stofftier über die zerkratzten Knopfaugen, während Martin den Schnürsenkel aus der Hosentasche zog. Er knüpfte einen Knoten um den Bärenhals und erhängte den Teddy am Holzgeländer.

Da stand er nun, umkrallte den Handlauf und starrte auf die Apolena, an deren Oberfläche sich Laternenlicht brach.

"Du siehst, dass meine Pläne durchkreuzt wurden", brachte er hervor, dann schluchzte er, fühlte sich als Versager und drückte die Hände gegen das Gesicht.

"Schon gut, schon gut. Ist nicht so schlimm, geht schon wieder." Er atmete kräftig durch und sah sich um.

Laub wirbelte um die Weiden, die sich an den Uferseiten zur Erde bogen, und der Himmel war dunkel von rumorenden Wolken.

Er dachte an Alena und daran, wie sie ihn zu sich in die Wohnung geführt hatte, wie sie seine Wunde verband. Er konnte ihren Veilchenduft riechen. Daumen und Zeigefinger drückte er in seine Augen und presste die Tränen zurück, während er Mühe hatte, sich mit der anderen Hand festzuhalten und dem Wind zu trotzen.

Blitze ästelten aus dem Wolkengrau. Ein Donner grollte und Martin fühlte, wie sich die Brücke hob. Wasser quoll durch die Ritzen, umspülte Martins Füße. Apolena war dabei, die Brücke zu fluten. Er wollte nach Hause, zur Tante, in sein altes Leben zurück und doch kam er nur zwei Schritte weit. Gerade noch bekam er den Handlauf zu fassen, als Regenmassen auf ihn herniederbrachen. Ein dicker Wasserfilm lief an ihm hinab. Er hielt den Kopf nach unten, drückte sein Kinn gegen die Brust und rang nach Luft, so lange, bis der Regen nachließ, und er wieder zum Atmen kam, dann sah er auf.

Die Apolena trat über das Ufer. Ein kleiner Steg knarrte, zersplitterte, trieb davon. Schaumkronen drehten sich auf der reißenden Masse. Ein Dachziegel zischte knapp an Martin vorbei.

Er sah erschrocken über seine Schulter zurück. Der Wind deckte das Dach eines Bootshauses ab, Kajaks schlugen wild aneinander. Eines löste sich und brauste auf die Brücke zu. Es durchbrach das hölzerne Geländer, knapp neben Martin, und jagte davon. Bei dem Versuch zurückzuweichen, rutschte er aus und wurde von der Brücke gespült. Er bekam einen Pfosten zu fassen und klammerte sich mit den Händen so fest daran, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Neben ihm wirbelte der Teddy an der abstehenden Sprosse.

Martin versuchte, sich auf die Brücke zu ziehen, doch die Strömung war zu stark. Ihm tränten die Augen, seine Umgebung verschwamm.

Der vordere Übergang gab den Fluten nach, der Fluss riss ihn mit sich. Die beschädigte Brücke wankte bedrohlich, während Martin die Kräfte verließen.

Der Autor:

Stefan M. Fischer fand erst mit 21 Jahren durch den Tod seiner Mutter die Liebe zum Geschichten erzählen. Anfangs war Schreiben für ihn eine Art Therapie. Mittlerweile ist es ihm eine Herzensangelegenheit.

Da ihm vieles am Herzen liegt und er sich gern ausprobiert, lassen sich seine Arbeiten nicht in spezielle Genres verpacken.

© Texte sowie Abbildung des Buchcovers zur Leseprobe aus "Das Mondgeheimnis" mit freundlicher Genehmigung des Autors Stefan M. Fischer

Werden Sie Autor bei Pressenet und schreiben Sie Fachartikel. Info: Autor werden

Sponsoren und Investoren

Sponsoren und Investoren sind jederzeit herzlich willkommen!
Wenn Sie den Beitrag auf dieser Seite interessant fanden, freuen wir uns über eine kleine Spende. Empfehlen Sie uns bitte auch in Ihren Netzwerken (z. B. Twitter, Facebook oder Google+). Herzlichen Dank!

Hinweis: Bücher von Pressenet gibt es im Buchhandel

Nach oben Sitemap
Impressum & Kontakt