Den Teufel am Hals - Blick in die Zukunft

Leseprobe aus dem Buch von Stefan M. Fischer

Lesetipp: Den Teufel am Hals

Buchtipp:

Seitdem Sebastian als Teenager einen Dämon beschworen und damit ein tödliches Unglück ausgelöst hat, wird er von Halluzinationen geplagt. Eines Morgens muss er in der Zeitung lesen, dass er unter Mordanklage steht. Beim Durchblättern der Zeitung ist der Bericht dann aber nicht mehr auffindbar.

Spielen ihm seine Sinne erneut einen Streich?

Bald darauf stellt er fest, dass er in die Zukunft blicken kann.

Leseprobe aus "Den Teufel am Hals":

Sie erreichten den Dachboden. Als er auch dort Licht machte, trat seine Mutter in den Raum und sah am Boden den Kreis, den er gezogen hatte. Außerhalb des Kreises waren sieben Pentagramme gezeichnet worden und jeweils ein Kerzenlicht platziert. Er holte ein Feuerzeug aus der Manteltasche und zündete die Kerzen an. Sie kam näher und nahm die Schale Blut in Augenschein. "Basti - was soll das?"

Jetzt konnte Sebastian nicht mehr ausweichen und musste sie in seinen Plan einweihen. Während er aus der Hosentasche den Zettel zog, auf dem stand, wie man Geister beschwört, erklärte er ihr, dass das eine Chance wäre, mit Peter Frieden zu schließen. Eine Träne rann an ihrer Wange hinab und sie schien hin und her zu überlegen. Er bekräftigte sein Vorhaben, indem er ihr von den Erlebnisberichten erzählte, die zahlreich im Internet zu lesen waren und wo viele den Kontakt zu ihren Verstorbenen gesucht und gefunden hatten.

"Ist eigentlich nichts anderes als Tarot."

Sie schloss die Augen und nickte. Gut so, dachte er sich. Sie legten die Mäntel ab und er führte sie in den Kreis. Er bat sie, sich in den Schneidersitz zu setzen.

"Ja, aber ist das wirklich nicht gefährlich?"

"Ja, nein, weiß nicht. Bei den anderen hat das auch geklappt."

"Hm ..."

"Sollen wir es lassen?"

Sie überlegte einen Moment, sah sich um, dann presste sie die Lippen aufeinander. "Nein, nein. Vielleicht klappt es ja." Sie setzte sich in den Schneidersitz. "Was muss ich tun?"

Er nahm den Zettel zur Hand und las, während er sich ebenfalls in den Schneidersitz bequemte. "Wir schließen die Augen und ich versuche, Kontakt aufzunehmen", sagte er und legte den Zettel neben sich ab. Sie nickte.

Er nahm ihre Hände in seine und schloss die Augen. Einmal tief durchgeatmet, er konzentrierte sich und sagte: "Lieber Peter, wir rufen dich aus dem Reich der Toten. Bitte komm in unsere Mitte."

Er wartete. Seine Mutter drückte seine Hände und er erneuerte den Ruf. "Bitte komm in unsere Mitte."

Er horchte um sich. Nichts. Der Ort hier fühlte sich verlassen an, nicht einmal der Wind war zu hören. Er blinzelte und sah, dass Mutter die Augen gesenkt hielt und traurig den Kopf hängen ließ. Sie ließ seine Hände los.

"Hey, Mama, was ist denn?"

"Das klappt doch eh nicht."

"Wenn du nicht bei der Sache bist ..."

Sie sah ihn an, in ihren Augen sammelten sich Tränen. "Das bin ich, mit ganzem Herzen."

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Er wusste ja auch nicht sicher, ob es klappen würde, und nahm den Zettel in die Hand. Vielleicht hatte er etwas falsch gemacht. Sieben Pentagramme, Kerzenlichter, eine Schale Blut. Dass es am fehlenden Weihrauch scheiterte, glaubte er nicht. Er legte den Zettel wieder ab.

"Das braucht halt seine Zeit. Peter war nie der Schnellste."

Seine Mutter ließ die Schultern hängen. Sie sah anklagend ihr Spiegelbild an. "Hätte ich nicht mit ihm gestritten. Ich bin schuld!"

"Das kannst du nicht sagen."

"Doch. Und du weißt das." Sie sah ihn fest an. Er konnte ihr die Schuld nicht ausreden, das konnte wohl nur Peter.

"Komm", sagte er deshalb. "Lass es uns noch einmal probieren, okay? Und fest daran glauben, dann klappt es auch."

Sie überlegte. Ein kurzer Blick zu ihrem Spiegelbild, dann nickte sie.

"Gut! Diesmal zusammen. Ich glaub, das ist besser", schlug er vor.

"In Ordnung."

Sie nahmen sich an den Händen und riefen nach Peter. Nachdem sie es ausgesprochen hatten, wartete er einige Momente. Als er dachte, dass es wieder nicht geklappt hatte, hörte er die Kerzenlichter flackern. Etwas Eiskaltes bekribbelte seine Arme, er musste sie zurückziehen und ließ die Hände seiner Mutter los. Als er die Augen öffnete, sah er einen Schatten über die Schale Blut fliehen.

"Mama", murmelte er. Sie hatte die Augen fest verschlossen, ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihre Hände drückte sie fest gegen den Bauch. Ihr Gesicht sah unheimlich aus durch das Flackern der Kerzenlichter.

"Mama!" Er rüttelte an ihrem Bein, doch sie schien ihn nicht mehr wahrzunehmen. Der Wind war zu hören und ihm fiel die Gänsehaut an ihren Armen auf, obwohl der Raum gut beheizt war. Einige Lichter gingen aus, der Raum dunkelte nach. Sie hielt weiter ihre Augen geschlossen. Er beugte sich zu ihr.

"Mama! Hey!" Als er sie an den Schultern packen und sie wachrütteln wollte, schubste sie ihn weg, ohne dass er darauf gefasst war, sodass er zur Seite stürzte. Als er auf dem Bauch zum Liegen kam und zu ihr schaute, hatte sich etwas verändert. Als wäre die Zeit für einen Moment angehalten worden. Die noch brennenden Kerzenlichter bewegten sich nicht mehr, seine Mutter schien erstarrt, kein umherhuschender Schatten. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, ihre Haare verdeckten es.

"Mama?"

Sie beugte ihren Oberkörper vor und zurück, als hätte sie Magenschmerzen und fing an, gequälte Laute von sich zu geben. Er hoffte immer noch, dass das nur ein Scherz war.

"Mama. Bitte! Du machst nur Spaß, oder?" Er kämpfte sich auf und näherte sich ihr.

"Hille. Bawere. Galobas", murmelte sie. Ihre Stimme klang gequält und alt.

Er war dabei, ihre Schulter anzufassen.

"Kolbel! Warani!", knurrte sie. Sie zog die Schultern ein, den Kopf hielt sie nach unten, die Haare standen noch immer vor ihrem Gesicht. Sebastian nahm seinen ganzen Mut zusammen und berührte sie. Ihm fror das Blut, als sie den Kopf hob und ihn ansah. Ihre Augen waren blutunterlaufen und funkelten böse. An den Wangen blätterte Haut ab. Sie knurrte ihn an und stürzte sich auf ihn wie ein Tier auf seine Beute.

Sebastian stolperte rückwärts und krachte mit dem Rücken gegen die Mauer. Der Schock rührte ihn wie ein Donnerschlag. Sie sprang gegen seinen Körper und packte ihn am Hals. Ein Albtraum. Sie schrie ihn an und fuhrwerkte, wie von Tollwut befallen. Er fasste ihre Arme und konnte sie nur mit Mühe davon abhalten, seinen Kopf an der Wand zu zertrümmern. "Mama! Beruhig dich!"

Sie biss ihn in den Hals, ein heftiger Schmerz. Mit einem Reflex warf er sie von sich. Sie fiel auf eins der Kerzenlichter, nur noch zwei erhellten das Dunkel.

"Mama! Bitte! Bitte! Beruhig dich!", flehte er und wollte zur Tür. Auf dem Weg dorthin hörte er sie hinter sich. Er drehte sich um, sie warf sich auf ihn. Beide stolperten über seine Beine. Er rangelte mit ihr und schaffte es, sie unter sich zu bekommen. Mit seinem Gewicht konnte er sie im Zaum halten, ihre Hände hielt er fest umklammert. Sie knurrte und fauchte und schlug ihren Kopf gegen den Boden. Blut rann ihre Schläfen hinab. Das musste ein Albtraum sein. Ein verdammter Albtraum! Ihm kamen Tränen, weil er das Schlimmste befürchtete. Sie verwischten ihm die Sicht. Mehr und mehr wirkte alles so unwirklich. Ihr Fauchen klang seltsam fern. Dann war ihm, als würde sie sich beruhigen, ihre Aggressivität erlahmte. Er wischte sich das Nass aus den Augen und sah, dass das Blutrote ihrer Augen sich aufhellte. Alles wird gut, dachte Sebastian. "Mama! Alles wird gut."

Sie schloss die Augen und sackte in sich zusammen.

"Mama?" Er rüttelte sie. Sie bewegte sich nicht mehr. Er mühte sich auf die Beine und machte Licht. Sie lag da wie ein lebloses Bündel. Er musste ihren Puls fühlen und war kaum dazu in der Lage, weil ihm sein Herz gegen die Brust hämmerte. Wie sie aussah! Die Haut an den Wangen abgeblättert, getrocknetes Blut an den Schläfen, eine tiefe Furche in der Stirn. Er musste Hilfe rufen. Die Polizei, einen Arzt. Sie riss ihre Augen auf. Blutige Tränen füllten sie. "Hilf mir", flüsterte sie mit der ihm vertrauten Stimme.

"Was soll ich tun?" Er kam nah an sie heran. Ein Krampf schüttelte sie.

"Bitte Gott, bitte lieber Gott. Hilf uns!", stammelte er.

"Hilf mir!", flehte sie erneut.

"Lieber Gott. Bitte! Hilf uns!"

Der Schüttelanfall ließ tatsächlich nach. Er flehte weiter Gott um Hilfe, sprach das 'Vater unser'.

Dann spürte er, dass seine Mutter erschlaffte.

Er hörte sich atmen, ihm zitterten die Hände. Er rutschte von ihr hinunter und beugte sich über sie, um zu hören, ob sie noch atmete. Sie schnellte in die Höhe wie von einem Seil gezogen und traf ihn wuchtig an der Stirn. Er schlug nach hinten. Es klirrte. Ein höllisch stechender Schmerz fuhr ihm durch den Arm. Eine Spiegelscherbe steckte tief in seiner Elle. Er legte sich auf den Rücken, einer Ohnmacht nahe. Ruhig einatmen. Ausatmen. Einatmen. Dann sah er seine Mutter an der Decke schweben. Die Arme ausgebreitet. Er musste ihr helfen, irgendwie, und raffte seinen Oberkörper hoch. Der Schmerz trieb ihm dunkle Schleier vor die Augen, aber er musste es aushalten. Dann ein lang gezogener Schrei. Seine Mutter fiel wie ein Stein auf den Beton. Er hörte Knochen knacken. Es war zu spät, das wusste er in dem Moment. Trotzdem schleppte er sich zu ihr. Seine Finger an ihrer Schlagader. Kein Puls. Ihre Hand, ganz kalt. Er sackte auf seine Knie und ließ sich auf den Rücken sinken. Alles war verschwommen, unwirklich. Ein Albtraum.

Er biss sich auf die Lippen und zog die Scherbe aus der Elle. Gott, tat das weh! Sie klirrte vor ihm auf dem Boden aus. Er sah zu seiner Mutter. Sie lag leblos da, ein Bein unnatürlich verdreht. Unter ihrem Körper sammelte sich ein See aus Blut. Ein Blick in die Spiegelscherbe vor sich, und eine eigene Welt schien sich aufzutun. Aufwallender Nebel. Etwas Dunkles näherte sich. Als er Blut-Augen durch den Nebel erkennen konnte, wurde ihm schmerzlich bewusst, dass das der Dämon war, den er beschworen hatte und der eben in seine Mutter gefahren war und sie getötet hatte. Seine tränennassen Wangen, sie fühlten sich gefroren an. Er warf seinen Mantel auf die Spiegelscherbe und rollte sich weg. Er kauerte sich ganz klein in eine Ecke, mit der Hand hielt er sich die blutende Elle und er sagte sich laut, das hier sei nur ein böser Traum.

© Texte sowie Abbildung des Buchcovers zur Leseprobe aus "Den Teufel am Hals" von Autor Stefan M. Fischer

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