Ein Präsident 2009 - 2012

Foto-Essay von Ralf Wendling aus der Reihe "Augenblicke in der Natur"

Bundespräsidenten

Gütig. Gütiges Lächeln. Die Äuglein rollen. Selig. Seligmachendes Geschwätz.

Konserven. Aus der Mottenkiste eines Fundus der ewig Verharrenden.

Brüder im Geiste. Wer oben ist, bleibt. Machterhalt. Wer nach oben kommen will, rührt. Von Bewegung aber keine Spur.

Eine Frau. Rot-grüne Anwandlung. Pazifismus und ewige Liebe bis in die rotgefärbten Haarspitzen. Warum müssen einige die Gesinnung nur auf dem Kopf tragen? Reaktionärer Traum spätpubertierender Sozialistennostalgiker.

Kommt über das Hänschen-Klein-Niveau nicht hinaus. Rothaariges Schicksal.

"Der" Schwan kann sich nicht entfalten.

Gegen das glitschig-glückselige Dauerlächeln einer gewachsenen Zuversicht in gesicherten Vertragsverhältnissen ist's auch schwer.

Bush hatte es da leichter. Vater. Präsident. Bruder: Gouverneur. Erbdynastie. Steigbügelhalter. Während er über seine geleerten Flaschen beinahe gestolpert wäre, machte Papa Politik. Ja, die können's.

Auch ohne Lächeln. Gleichgültig. Hart. Gefühllos.

Da rollt kein Auge. Köpfe ...

Ich weiß nicht, ob's die Arrak-Vorräte der Iraker waren. Irgendwas mit Flüssigkeit ...

Nun, der Antrieb reichte aus. Auch Clintons Triebe reichten aus.

Seine Immer-wieder-noch-Ehefrau sitzt nun als Wachtposten bei "Yes-we-can"-Obama. Das Blecken ihrer Zähne beim Versuch des Grinsens zeigt die Verbissenheit der second-lady: "yes-i-can".

Sind die Rechnungen schon alle bezahlt? Deutschland hat schon viele bezahlt. Zahlt noch. Ein Jahrhundert der Abgeltung. Vergeltung. Wofür?

Wer vergilt's wem? - Sicher ist: Weitere Zahlungen sind gesichert.

Der Noch-Präsident in spe wird's regeln. Er ist. Er war Spezialist in Weltwährungsfragen. Also bleibt er. Ein anderer ging.

Ein Präsident / 2

Warum wird Schröder nicht Präsident? Ton in Ton. Farbe von Haartolle und Brioni-Anzug stimmen. Wandlungsfähigkeit auch.

Die nunmehr ganz zart ergrauten Koteletten kontrastieren. Reizvoll. Kokett.

Ich stelle mir den Parka vor. Den alten "Dienstanzug". - Vor dem Aufsichtsratsmandat.

Die Wandlung. Verwandlung. Alchemie. Aus nichts mach' ich Geld. Ein Nichts zu sein bedeutet nicht, nichts zu besitzen.

Er tritt nicht an. Reist umher. Und gibt der Bildzeitung geistreiche Nahrung.

Jetzt fehlt nur noch der Beinahe-Totengräber deutscher Unterhaltung.

Nachdem er von Reich-Ranicki in und mit einem gemeinsamen Marketing-Coup geadelt wurde und seitdem sicher lesen kann, ist Deutschlands Wettkönig und echte Goldlocke prädestiniert. Verzeihung: das schwierige Wort. Paßt gut zu Präsidial.

Ewiges Lachen verschmilzt dann mit ewigem Nichtstun zu einer gnadenlosen Sonnyboy-Persiflage auf dem deutschen Thron.

Also die Wahl. Das Volk wählt. Nicht. Nichts. Es ist Demokratie. Alles ist vom Volk bereits abgesegnet. Persilschein der Wahlen. Festgefügte Landschaft der Parteien. Zahlende Spender für unsere Grundordnung. Stramme Parteisoldaten in beamteter Position.

Oh glückliches Land. Deine Väter und Mütter blicken, von Liebe trunken, auf dich herab. Das Volk blickt hinauf. Hoffnungslos. Betrogen. Belogen.

Gütiges Lächeln. Warm. Zugänglich. Die kleinen Äuglein rollen wohlwollend von links nach rechts. Nicht zu weit nach rechts. Feindbild. Das bleibt. Meine rechte Hand ist nicht mein Feind. Mein Herz auf dem rechten Fleck auch nicht. Wohl dem, der eine erlaubte Richtung beschreitet. Der einen Weg geht, welcher von Tel Aviv bis Washington abgesegnet wurde.

Unterwegs liegen Leichen. Sie sind Opfer des linientreuen Marsches.

Und die Äuglein rollen. Der Blick geht nach vorn. Die verbrannte Erde der Billionen, die es gar nicht geben dürfte und die es doch gibt, als Verluste, trüben die Stimmung etwas. Bedauern. Das passiert. Wir drucken Neues. Versprochen.

Machterhalt. Sicherung. Dauerhaft. Entsetzlich. Gesichtsverlust. Lächerlichkeit.

Ein Mann. Ein Amt.

Ein Präsident 2009.

Eine Anmerkung 2012

Auch der Neue ist gegangen. Diesmal wurde vehement nachgeholfen.

Die eigene Lobby hat ihn zu Grabe getragen. Die Zeitung der bunten Bilder hat ihn gehenkt. Ja, warum denn? Hat er, der doch eher fügsam-ruhige, doch mal das Maul aufgemacht? Wollte er eine Unterschrift verweigern, gegen den weiteren Ausverkauf Deutschlands, gegen den EU-Absolutismus? Nein, es ging, oh profane Welt, um Handy-Rechnungen, Urlaube, Kredite, also ganz normale Dinge, die jeder Ex-Brioni-Gazprom-Kanzler mal locker wegsteckte (so wie das Geld).

Schlauheit. Raffinesse. Kälte. Brutalität. Nun, das gehört dazu, Herr Präsident. Schließlich nehmen doch alle. Den goldenen Handschlag inklusive.

So wie er?

Anmerkung der Redaktion

Ralf Wendlings Essay, das ab 2009 entstanden ist, handelt in der Tat von mehr als einem Bundespräsidenten. Die Frage wäre: unterscheiden sie sich so sehr?

Foto-Essay: Bundespräsidenten

© Foto-Essay "Ein Präsident" von Ralf Wendling

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