Blurliwob und die Monsterschule

Eine Kindergeschichte von Anne Meringer-Plank (Teil II)

Monster

Hast Du den ersten Teil dieser Geschichte verpasst: Tobi und die Monster

"Strafarbeit?" Tobi wusste, was das war, auch wenn er erst im August zur Schule gehen sollte. Bis dahin waren es noch viele Wochen, aber sein Papa hatte ihm davon erzählt. Man musste etwas "extra" machen, weil man etwas angestellt hatte. Aber dass Monster auch so etwas kannten, wunderte ihn doch sehr. Blurliwob war das sichtlich sehr peinlich, überhaupt tat er Tobi mittlerweile sehr leid, wie er da so verheult und tieftraurig in den zerknüllten Papierbällchen saß.

"Was für eine Strafarbeit ist das denn?", fragte er das kleine, so gar nicht böse aussehende Ungeheuer. Aber in diesem Moment hörte Tobi eine Tür. "Das ist sicher Papa oder Mama, die nach mir sehen wollen", flüsterte er und machte die Lampe aus. "Versteck dich", zischte er noch schnell und kroch sofort wieder ins Bett. Dann schloss er ganz fest die Augen und bemühte sich, wie ein sehr tief schlafender kleiner Junge auszusehen.

Tatsächlich wurde kurz darauf leise die Klinke heruntergedrückt und die Türe einen kleinen Spalt geöffnet. Tobi konnte das hören, weil die Tür immer ein wenig quietschte. Er musste sich sehr anstrengen, um ruhig liegen zu bleiben, denn er war sehr aufgeregt. Aber alles ging gut - niemand kam herein, und nach wenigen Augenblicken hörte Tobi, wie die Zimmertür sanft geschlossen wurde. Langsam zählte er bis zehn, denn das konnte er schon. Zur Sicherheit tat er das noch einmal, bevor er leise die Beine aus dem Bett schwang und zur Lampe hinüberhuschte. Als er sie geknipst hatte und das Zimmer wieder in mattes Licht getaucht war, schaute er erwartungsvoll um sich - aber von dem Monsterchen war nichts zu sehen. Ob er das nun doch nur geträumt hatte? Tobi fand den Gedanken traurig, und er flüsterte: "Blurliwob?"

"Hieerrr", kam es unter dem Bett hervor, und tatsächlich kugelte Blurliwob hervor. "Issst weg", knurrte er zufrieden und setzte sich etwas umständlich auf die Matte vor dem Bett. Tobi setzte sich im Schneidersitz gegenüber und holte tief Luft. Dann fragte er noch einmal: "Also wieso machst du hier deine Strafarbeit, und warum musst du überhaupt eine machen?" Das an und für sich schon etwas zerknautschte Gesicht Blurliwobs wurde in noch mehr Falten gelegt, und mit einem traurigen Schniefen knörzte er: "Du bist Ssstrafarrbeit." Tobi riss erstaunt die Augen auf, das hatte er nicht erwartet. Dem Kleinen schien das ein wenig peinlich zu sein, denn er versuchte, Tobis Blick auszuweichen. Dann aber sagte er, sehr leise, so dass der Junge sich ganz zu ihm hinunterbeugen musste: "Du bissst sehrr ängssstlicherr Junge, ganz viel ängssstlich. Und ich, Blurliwob", - er sprach es so aus, wie Tobi es getan hatte, was ungemein höflich war - "ich habe auch seeehrr viel Angssst. Immerrr." Das war nun eine Überraschung. Tobi wusste überhaupt nicht, was er dazu sagen sollte. Und so wartete er einfach ab, ob das traurige Monster weitersprechen würde.

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Das tat Blurliwob dann auch, und Tobi bekam riesige Augen bei dem, was er da zu hören bekam. Blurliwob erzählte nämlich, dass es tatsächlich in jedem Kinderzimmer Monster gab. Sie fanden sich ein, sobald es dunkel wurde, aber man sah sie nie, weil jedes davon ein Meister der Tarnung war. Das gehörte zu den wichtigsten Unterrichtsfächern. Es gab nämlich, wie Tobi hörte, eine Monsterschule. Da lernte jedes Ungeheuer, wie es sich zu verhalten hatte. Trotzdem wussten viele Kinder von den Monstern in ihrem Zimmer, denn Kinder haben Monster-Erkenn-Sinne. Die verlieren sie allerdings, wenn sie erwachsen werden, aber da brauchen sie die auch nicht mehr.

Aber, und da war Tobi dann doch fassungslos, die Monster waren nicht da, um den Kindern etwas zu tun, sondern um über sie zu wachen. "Böööösse Trräume, ganssss gefährrrliche Trräume, wir bessschütssssen euch davorrr", knurrte Blurliwob und nickte. "Ja aber", platzte Tobi heraus, "ich hab doch manchmal schlimme Träume. Wie kommt das dann, wenn ihr hier seid?" Blurliwob kniff die roten Augen zusammen und zischte: "Elterrrn, es sind die Elterrrrn. Lassen uns nicht Arrrbeit tun. Verjagen uns." Tobi dachte nach. Seine Eltern sagten immer, dass es keine Monster gab - und er wollte das glauben. Dann stellte er sich vor, dass niemand im Zimmer war. Das hielt die Monster vielleicht ab. Dafür konnten dann aber die bösen Träume kommen. Aber laut sagte er: "Aber was ist nun mit der Strafarbeit?"

Vielleicht hatte der Kleine ja gehofft, dass Tobi das vergessen würde, aber da er nun noch einmal direkt gefragt wurde, schaute er dem Jungen direkt in die Augen und murmelte: "Angssst vor Kinderrrrn." Und dann kam die ganze Geschichte heraus. Blurliwob hatte große Angst vor dunklen Zimmern, schließlich wusste man nie, wo man genau war. Und vor Kindern fürchtete er sich auch. Es könnte ja sein, dass ihn eines vielleicht aus Zufall sehen würde und womöglich laut schreien oder etwas werfen würde. Der Gedanke daran machte dem kleinen Monster so viel Angst, dass es kaum seine Arbeit richtig machen konnte. Und da Blurliwob noch ein sehr junger Traumwächter (so hießen Monster nämlich wirklich) war und noch in der Ausbildung sozusagen, hatte der Lehrer ihn zur Strafarbeit verdonnert. Weil es richtig peinlich war, dass ein Traumwächter-Monster so viel Angst hatte.

Er musste nun Dienst bei Tobi machen, und das war nicht leicht. Denn immer wieder kam jemand ins Zimmer. Entweder, weil der Junge rief oder weil die Eltern wissen wollten, ob er schlief, oder ob die Lampe noch brannte. Man konnte sich gar nicht richtig auf die bösen Träume konzentrieren, die man verjagen musste. Und tatsächlich waren Blurliwob die Nerven durchgegangen und er hatte angefangen zu heulen. Er fand es ungerecht, dass er hier sein musste und hätte am liebsten die Arbeit aufgegeben. Aber das ging ja nicht, ein Monster findet so leicht keinen anderen Job. So war es gekommen, dass Tobi ihn erwischt hatte. Aber das fanden beide, Junge und Monster, eigentlich gar nicht mehr schlimm oder auch nur seltsam. Es war eigentlich eher lustig, denn Freunde findet man manchmal dort, wo man sie bestimmt nicht erwartet hätte.

So kam es, dass Tobis Eltern sich in den nächsten Wochen wunderten, dass ihr Junge nicht nur gerne schlafen ging, sondern überhaupt nicht mehr von Monstern redete. Das gleiche galt für Blurliwobs Lehrer, der sich über den Erfolg seiner Strafmaßnahme sehr freute. Das kleine Angstmonster ging seiner Aufgabe mit großem Eifer nach und zeigte überhaupt keine Angst mehr vor Kindern und dunklen Zimmern, obwohl er dem Problemkind Tobi in der Lindengasse 27b auf Dauer zugeteilt wurde.

Am meisten freuten sich aber Blurliwob und Tobi - denn sie entdeckten sehr viel Gemeinsamkeiten. Da war zum Beispiel die Vorliebe für Kekse jeder Art und für lange Gespräche vor dem Einschlafen und nach dem ersten Aufwachen, so um Mitternacht herum. Es war alles fast perfekt, bis auf die Schimpfe von Tobis Mama, die sich über die vielen Kekskrümel ärgerte, die sie beim Bettmachen immer fand.

© "Blurliwob und die Monsterschule" - Kindergeschichte und Illustration von Anne Meringer-Plank

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