Die Malerin (1954)

Eine Erzählung der Autorin Jutta Schöps-Körber

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Margret Hofheinz-Döring
Vorwort:

Die Malerin Margret Hofheinz-Döring schuf zeitlebens rund 9.000 Bilder. In ihrer einzigartigen experimentellen Strukturmalerei übermalte sie Stoff-Collagen sowie auch Bilderrahmen. Überregional wurde sie besonders durch mehrere Bilderzyklen zu Goethes Faust bekannt, die sie in den unterschiedlichsten Techniken ausführte.

Die Autorin Jutta Schöps-Körber lässt in ihrer Erzählung einige Episoden aus dem Leben der 1994 verstorbenen Malerin wieder aufleben.

Dritter Teil: 1954

Langsam besserten sich die Zeiten. Herbert wurde in den Schuldienst eingestellt, Margret malte wieder. Jeder hatte seinen Bereich, lebte sein Leben. Sie sprachen nur das Allernotwendigste miteinander, waren versponnen in ihrer eigenen Gedankenwelt. Herbert träumte als Altphilologe davon, die Stätten der alten Sprachen Latein und Griechisch besuchen zu können, Margret hatte den Kopf voller Ideen für neue Bilder. Doch 1954 wurde es notwendig, miteinander zu reden.

"Herbert", begann Margret, "ich habe ein Angebot bekommen, meine Bilder auszustellen, gemeinsam mit anderen Künstlern. In Reutlingen."

"Schlag' dir das aus dem Kopf."

"Warum?"

"Schon mal an das Geld gedacht, dass das kostet?"

"Aber das kriege ich wieder rein, wenn ich ein Bild verkaufe. Die Presse kommt. Ich werde bekannt werden."

"Es gehört sich nicht für eine verheiratete Frau, sich in den Vordergrund vor ihren Mann zu drängen. Stell' dir mal vor, einem Journalisten gefallen deine Bilder nicht und du wirst öffentlich runtergemacht, wie sich dann die Leute das Maul über uns zerreißen."

"Und wenn sie ihm gefallen?"

"Du denkst nur an dich."

Damit war der Fall erledigt, Margret stellte nicht in Reutlingen aus.

+ + +

Die Familie war damals schon nach Freudenstadt umgezogen, wo sie direkt an dem eindrucksvollen Marktplatz mit den berühmten Arkaden eine Wohnung gefunden hatte.

Es war ein goldener Oktobertag. Herbert und Brigitte waren in der Schule und Margret rückte ihre Staffelei an das große Giebelfenster ihrer neuen Wohnung. Ihr Blick wanderte durch das Gewirr der schon fast kahlen Äste der Bäume hinauf in den stahlblauen Himmel. Drüben über dem Kienberg zog eine Schar Vögel vorbei.

"Ihr habt es gut", dachte Margret, "ihr seid frei. Wie der menschliche Geist erhebt ihr euch in die Luft, löst euch von der Erdenschwere in die Freiheit. So will ich auch sein: Frei wie ein Vogel."

Aber das blieb ein Traum, der sich nur in ihren Bildern verwirklichte.

Die letzten Jahre

Vögel wählte Margret Hofheinz-Döring häufig als Motiv, stellte sie in den Mittelpunkt oder malte sie als Beiwerk, immer jedoch mit einer Botschaft an den Betrachter. Doch sie befreiten die Künstlerin nicht. Immer wieder wurde sie vom Auf und Ab ihrer Gefühle niedergedrückt, vom Kummer dieser Welt, von den Gemeinheiten, den Bösartigkeiten, von der Erinnerung an den Krieg, den Gräueltaten, von der Bosheit der Menschen untereinander. Gegen diese schwarze Seite des menschlichen Lebens wollte sie steuern. Gegen die Not der Menschen setzte sie das Zwitschern eines Vogels, der selbst nach einem harten Winter unbeschwert zum Himmel aufstieg. Gegen die Bosheit malte sie die Sanftmut der Gefiederten, gegen den Krieg setzte sie den Frieden dieser kleinen unbeschwerten Freunde. Nur sie, sie blieb der Schwere des Lebens verhaftet.

Ihre Antwort auf die Doppelbelastung von Familie und Kunst war ein Werk von etwa 9.000 Gemälden!

Es ist leicht auszurechnen, wie viele Bilder Jahr für Jahr in Öl auf die Leinwand gebannt, in Holz geschnitzt, in Metallplatten geritzt, als Aquarell luftig leicht unter den Händen der Künstlerin entstanden sind. Wenn Margret nicht vor der Staffelei stand, weil sie kochte, putzte, wusch, so schwangen sich ihre Gedanken, so weit das ihre Arbeit zuließ, in die Welt ihrer Fantasie, formten im Kopf bereits das nächste Kunstwerk. Das war ihr wahres Leben, in das tauchte sie ab, hier war sie Mensch. Sie lebte in einem Kokon, den sie sich selbst gesponnen hatte, ganz bewusst, denn wenn sie sich schon nicht in ferne Welten aufmachen konnte, so wollte sie wenigstens in der Welt ihrer Bilder leben. Da fühlte sie sich frei. In Wahrheit jedoch war sie die Gefangene ihrer Kunst, besessen von der Idee, ständig malen zu müssen. Selbst wenn sie Besuch hatte, stand sie mitunter vom Kaffeetisch auf und eilte an die Staffelei.

Sie war eine Getriebene, sprach selbst von einer ständigen Drucksituation, in der sie lebe und die nur durch die Arbeit wiche. Das machte sie schließlich krank.

Doch wenn der Betrachter sich auf Margret Hofheinz-Dörings farbenfrohe Bilder einlässt, gar in der Lage ist, sich mit einem ihrer gemalten Vögel in neue Sphären aufzuschwingen, so wird er für einen kleinen Augenblick das Gefühl der Freude und der Freiheit in sich einströmen fühlen.

© Eine Erzählung der Autorin Jutta Schöps-Körber, 2012

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