Katrina trifft Daniel - Leseprobe aus "Traumpfade enden nicht"

Ein Buch von Deddine Kuschel-Swyter

Buch lesen: Traumpfade enden nicht

Zum Inhalt des Buches:

In der Liebes- und Abenteuergeschichte von Autorin Deddine Kuschel-Swyter geht es um die junge Katrina, die voller Lebensmut nach Australien auswandert. Das Alte und Vertraute lässt Katrina unbekümmert zurück. Bewusst nimmt sie ihr Leben in die Hände, fasziniert von der Idee, es selber formen zu können.

Leseprobe: "Katrina trifft Daniel"

Ende August, kurz nachdem Katrina und Wilma ihre Tätigkeit aufgenommen hatten, fand das alljährliche Baumwollfest statt. Ein langer bunter Umzug bewegte sich durch die Straßen. Auch das Hotel beteiligte sich mit einem blumengeschmückten Wagen, auf der eine Bar aufgebaut war. Katrina und die anderen Mädchen saßen dort oben, prosteten sich und der Welt mit spritzigem Wein zu, umkränzt von Papierblüten und Baumwollzweigen.

An diesem Abend fiel es Katrina schwer, den Dienst im Restaurant durchzustehen. Aber die Gäste hatten Verständnis dafür, dass auch das Personal an solch einem Tag feierte.

Es war spät, als sie sich schließlich, vorne neben der Bar, an einem kleinen Tisch niederließ, den eisgekühlten Feierabend-Drink, den Tom, der Barmann ihr jeden Abend auf Kosten des Hauses mixte, vor sich und aufatmend die Schuhe von den Füßen streifte.

Pater Henry, der sie von der Bar aus beobachtet hatte, kam herüber und setzte sich lachend zu ihr.

Er sah nicht aus wie ein Priester. Wie gewöhnlich hatte er nicht einmal seinen schwarzen Kragen umgelegt.

Katrina hatte ihn gleich an einem der ersten Tage kennengelernt, das heißt, er war auf sie zugekommen, hatte sich vorgestellt und sie in Kununurra willkommen geheißen. Wo immer etwas los war, wo Feste gefeiert wurden oder Menschen sich einfach nur trafen, erschien früher oder später auch Pater Henry. Er war gesellig, fand überall gleich die richtigen Worte, half, wo er helfen konnte.

"Was für ein Tag!" Er prostete ihr zu. "Wie ich sehe, haben Sie sich schon gut eingelebt."

"Ja", lächelte Katrina zurück, "aber heute Abend bin ich doch ganz schön geschafft!"

"Ich wollte Ihnen einen Freund von mir vorstellen", er dreht sich um und winkte jemanden herüber.

"Das ist Daniel. Ein Landsmann von Ihnen." Er sah zu dem jungen Mann hoch, der jetzt neben dem Tisch stand.

"Daniel, das ist Katrina. Das hübscheste deutsche Mädchen von ganz Kununurra."

Er war ihr schon vorher aufgefallen, dieser große, blonde Mann, der so jung aussah mit seinen ernsten Augen unter den ins Gesicht fallenden Locken.

"Hi Daniel, wie geht's", wandte sich Katrina auf englisch an ihn.

"Er spricht deutsch", flüsterte Pater Henry laut und deutlich und überließ, immer noch lachend, dem jungen Mann seinen Platz.

"Pater Henry ist manchmal etwas sehr direkt." Er setzte sich auf den freigewordenen Stuhl und warf mit einer leichten Kopfbewegung seine Locken zurück.

"Du bist noch nicht lange hier, nicht wahr?"

"Seit einer Woche. Wir sind hier hängengeblieben, meine Freundin und ich."

"Ist deine Freundin auch Deutsche?"

"Nein. Wilma kommt aus England." Sie erzählte, wie sie sich kennengelernt hatten, und dass sie seither viel zusammen gereist seien.

"Und du", gab sie seine Frage zurück, "wie lange bist du schon hier?"

"Seit Mai." Er blickte immer noch ernst. "Anfangs habe ich draußen in einem Camp gearbeitet. Aber Pater Henry hat mir vor kurzem eine Stelle im Krankenhaus verschafft."

Katrina war zu müde für lange Gespräche. Sie hatte ihr Glas ausgetrunken und versuchte, wieder in ihre Schuhe zu schlüpfen.

"Entschuldige. Aber mir fallen gleich die Augen zu. Es war ein langer Tag heute; und morgen früh um sechs geht es weiter."

"Schlaf gut!" Jetzt lächelte er sie an.

Am nächsten Abend war er wieder da. Katrina sah ihn, als sie mit Getränkebestellungen an die Bar kam. Er saß mit einem anderen jungen Mann an einem Tisch, nicht weit vom Tresen entfernt, und lächelte ihr zu.

"Hi Katrina."

"Hi Daniel."

Sie hatte viel zu tun. Das Hotel war voll belegt, und im Restaurant auch der letzte Platz besetzt. Mehrmals kam sie im Laufe des Abends in die Bar, und jedes Mal sah sie schon von weitem den blonden Lockenschopf.

Als es endlich etwas ruhiger wurde, trat sie kurz an seinen Tisch.

"Heiß heute, nicht wahr?" Sie fächerte sich mit einer Karte Luft zu.

"Wenn man so viel herumrennt wie du, sicherlich!" Er musterte sie, sah ihr rotes Gesicht, das glühte, und ihre dunklen, unruhigen Augen.

"Wann hast du denn Schluss heute? Ich würde dich gerne zu einem Drink einladen."

Sie sah auf die Uhr.

"In einer halben Stunde etwa."

"Schön", sagte er nur, und seine Locken fielen ihm erneut in die Stirn. Sie nahm das Tablett mit den fertigen Getränken vom Tresen.

"Danke, Tom", und verschwand durch die offene Tür ins Restaurant.

Es wurde spät, bis sie schließlich fertig war.

"Pur", rief sie Tom schon von weitem zu, als sie in die Bar kam. Sie hatte noch schnell ihre kleine weiße Schürze in der Küche abgestreift und war in ihre Sandalen geschlüpft. Grinsend nahm Tom die Wodkaflasche aus dem Regal.

"Lass' das, Tom", sagte sie lachend und lehnte sich über den Tresen, "Orangensaft pur, natürlich. Mit viel Eis!"

Daniel kam herüber.

"Wir können in den Club gehen", schlug er vor, "wenn du Lust hast. Oder möchtest du hier bleiben?"

"Um Himmelswillen! Ich kann den Laden nicht mehr sehen", lästerte sie. "Ich brauche nur noch meinen Vitamintrunk. Den habe ich mir heute verdient."

Mit gespielt säuerlichem Gesicht schob Tom ihr das Glas zu.

"Pass' auf, dass er dir nicht zu Kopf steigt."

Sie sah zu Daniel hinüber.

"Ich bin gleich soweit." Ihre Stimme wurde weich. Das Eis klirrte im Glas, als sie es hochhob und trank. "Gleich", wiederholte sie leise, als sie kurz absetzte, um Luft zu schöpfen.

Der warme Abendwind kam ihnen entgegen. Daniel nahm ihre Hand, und sie gingen schweigend den schmalen Fußweg hinüber zum Ort.

Es war, als fiel der Tag von ihr ab. Alles Schwere und Drückende verflog, jedes Gestern und Morgen wich in weite Ferne; das Heute, das Jetzt war eine sanfte Stille, eine warme, feste Hand und die Luft ganz weich und so leicht.

© "Katrina trifft Daniel" - Text und Buchcover: Deddine Kuschel-Swyter

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