Weihnachten im Busch - Leseprobe aus "Traumpfade enden nicht"

Ein Buch von Deddine Kuschel-Swyter

Buchtipp: Traumpfade enden nicht

Zum Inhalt des Buches:

Katrina, die nach Australien ausgewandert ist, reist mit Wilma im Mini Moke, per Bahn oder als Hitchhiker, immer auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Freundschaften, auch Liebesbeziehungen, können Katrina nicht halten, weder zu Terry, den sie auf der Moonari Station in den Flinders Ranges kennenlernt, noch zu William C., den Besitzer von Three Oaks auf Tasmanien, in den sie sich leidenschaftlich verliebt.

Eine Liebesgeschichte von Deddine Kuschel-Swyter, der Autorin des Romans Larrys Sohn

Leseprobe: "Weihnachten im Busch"

Als die Hitze gegen Abend etwas erträglicher wurde, machten sich Katrina und Wilma daran, die Kajüte aufzuräumen und den schlimmsten Dreck zu beseitigen. Später gingen auch sie hinüber zum Pub und ließen sich einen kühlen Drink spendieren.

Irgendwann an diesem Abend lernten sie Will kennen, der von einer der Farmen draußen im Busch kam und sie alle zu einer Weihnachtsfeier für den kommenden Tag einlud. Es würde reichlich zu essen und zu trinken geben, und da es ein Sonntag war, also in Hinsicht auf die Kühltruhe sowieso nichts unternommen werden konnte, nahmen sie die Einladung freudig an.

Als dann jedoch der Jeep am nächsten Nachmittag wie verabredet kam, um sie abzuholen, mussten die Mädchen alleine mitfahren. Sie hatten kurz vorher die Netze gesetzt, draußen, am Ende der Bucht, und dann war die Polizei gekommen, und es hatte Ärger gegeben, denn in Hafennähe durfte nicht gefischt werden. Carl und Mike mussten erneut hinausfahren und die Netze wieder einholen.

So stiegen nur Katrina und Wilma in den schon vollbesetzten Wagen, und mit großem Hallo ging es die Main Street hinunter und hinaus in den Busch.

Nach einer knappen Stunde erreichten sie die Farm. Ein großes, flaches Gebäude, einfach, aber sauber; graues Holz, farblos. Ein paar Stufen führten zur Veranda hinauf. Eine große Rasenfläche, frisch gemäht. Ein paar Lampions. Kinder. Tische wurden aufgestellt; Klappstühle, die niemand benutzte. Besucher trafen ein. Getränke zur Selbstbedienung. Viele brachten Flaschen und gefüllte Schüsseln mit. Musik übertönte das einsetzende Zirpen der Tropennacht. 'Jingle Bells' und 'Waltzing Matilda' und 'Yellow Submarine'; und rundherum nur Busch und Wildnis; Nacht.

Es gab reichlich zu essen. Wie lange hatten sie sich nicht mehr so richtig satt essen können! Jede Menge Sandwiches, Salate, Würstchen und gegrillte Froschschenkel. Es wurde getanzt, gesungen und viel getrunken. Geredet wurde kaum. Kinder tobten zwischen den Tischen, aßen und tranken, was sie fanden. Keiner kümmerte sich um sie. Irgendwann fand man sie schlafend in den Korbstühlen auf der Veranda oder auf einer Decke zusammengerollt auf dem Boden.

Katrina tanzte nur wenig. Sie genoss es einfach, auf einem bequemen Stuhl am Rande der Terrasse zu sitzen und dem Treiben zuzusehen. Wilma brachte immer wieder Teller gefüllt mit leckeren Salaten, mit Käse, Dips und Kräckern.

"Iss", sagte sie, "wer weiß, wann wir wieder so gut zu essen bekommen." Ihr Blick glitt über das reichhaltige Büfett. "Nur schade, dass wir nichts mitnehmen können an Bord."

Sie wich kaum von Katrinas Seite während des Abends. Ein paar mal kam Will zu ihnen herüber, holte ihnen zu trinken, flirtete, forderte zum Tanz auf. Aber Wilma brachte es immer wieder fertig, ihn mit frechen, arroganten Bemerkungen zu verscheuchen.

"Was hast du nur gegen ihn?" meinte Katrina verwundert, als er zum wiederholten Male achselzuckend, mit der Bierdose in der Hand, das Weite suchte. "Er ist doch ganz nett."

"Ach, komm!" Wilma wirkte plötzlich mürrisch. "Es ist doch völlig klar, was er will; ist doch sowieso immer dasselbe." Damit nahm sie ihre beiden Teller und verschwand in Richtung Büfett. Leicht irritiert sah Katrina ihr nach.

Erst weit nach Mitternacht fanden sie eine Mitfahrgelegenheit zurück in den Ort. Cooktown schlief und schien mehr denn je versunken in der Tiefe des Buschs.

Es war gegen vier Uhr morgens, als die beiden den Anleger erreichten. Von der "Betty" keine Spur. Sie tappten in der Dunkelheit den ganzen Anleger hinauf und wieder hinunter. Aber das Boot war nicht da. Frustriert und ratlos, zu müde, um wütend zu sein, ließen sie sich auf einem Mauervorsprung nieder, als plötzlich, keine zehn Meter von ihnen entfernt, sich eine Gestalt aus dem hohen Gras erhob.

"Wilma? Katrina? Seid ihr das?" Carls verschlafene Stimme. Erleichtert atmeten sie auf.

"Carl!"

"Kommt her", er sank wieder zurück ins Gras, "wir schlafen hier." Carl hatte keine Lust zu großen Erklärungen. Nur so viel war seinen Äußerungen zu entnehmen, dass die Ebbe sie beim Einholen der Netze wieder überrascht hatte und das Boot, mitsamt Mike, noch immer draußen in der Bucht lag. Er, Carl, war mit ihren Schlafsäcken im Dingi herübergerudert, um hier auf sie zu warten.

"Nun steigt in eure Säcke und schlaft. Ich bin hundemüde."

Das war Katrina auch. Aber hier, direkt neben der Pier, in dem hohen Gras mit all dem Schmutz? Sie wusste, dass allerhand Dreck und Unrat herumlag.

"Aber Carl!" Doch der schlief längst wieder, und so folgte sie schließlich Wilmas Beispiel, kroch wortlos in ihren Schlafsack und versuchte, alles um sie herum zu ignorieren, den Dreck, den sie nicht sah, die Mücken, die um ihre Köpfe schwirrten, und die Gedanken, die drohten, über sie herzufallen. Die Müdigkeit half ihr schließlich, auch den leichten Nieselregen zu ignorieren, der mit der ersten Morgendämmerung auf sie herabfiel.

© Leseprobe "Weihnachten im Busch" - Text und Buchcover: Deddine Kuschel-Swyter

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