Herbstblues - Die Blätter fallen

Die Lyrik des Herrn Rilke

Herbstlaub

Gedichte? Nee, das ist eigentlich nicht mein Ding. Langweilig irgendwie und vor allem so ... so gestelzt. Das ist doch das Wort für so die Art, wie das geschrieben ist, oder? Lass mal. Wie? Das Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke ... also da fällt mir nichts ein. Aber wart mal, ja doch. "Die Blätter fallen", oder so ähnlich - ja, da hab ich in der Schule mal was gehört. Lesen soll ich das ... also echt, wieso denn? So was ist doch völlig altmodisch, hat null Bezug auf irgendwas, das läuft - oder nicht?

Ist gut - Dir zuliebe - aber nur einmal. Bis morgen dann.

Also: "Die Blätter fallen" (logisch, ist ja Herbst). "Fallen wie von weit". Ja gut, das seh ich irgendwie - manchmal, wenn es windig ist, kommen die Dinger so angeschwebt, von irgendwo her. Muss nicht einmal ein Baum in der Nähe sein. Soweit hat er recht, der Rilke.

"Als welkten in den Himmeln ferne Gärten". Jetzt aber. Andererseits, man könnte sich das ja vorstellen, so als würden die Blätter von viel weiter herkommen als von irgendwelchen Bäumen. Kommen langsam durch die Atmosphäre runtergeschwebt und unten sieht man die Erde wie in diesen Astronautenfilmen. Und statt der Raumschiffe trudeln viele Blätter langsam runter. Das hat schon was.

Aber nun das jetzt: "Sie fallen mit verneinender Gebärde". Die Teile haben doch keinen Ausdruck, was ist das nun wieder ... aber eigentlich ist ja Schluss jetzt. Der Herbst ist das glatte Aus für Blätter. Da kommt nichts mehr bis zum Frühjahr. Und die ganzen Farben werden dann im Schmuddelwetter braun und verrotten. Eigentlich ist das eine traurige Angelegenheit. Was für Gedanken, so was ist doch abgehoben.

Und dann: "Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit". Das ist heftig, aber ich weiß, was gemeint ist, glaube ich. Die Zeit um den Herbst herum, da ist der Winterblues schon Programm, irgendwie kann ich das jetzt nicht so erklären, aber ich kenne das Gefühl. Da liegst du im Bett und glaubst, alles stürzt ab ... und du mit - keine gute Sache. Ne Scheißangst vorm Alleinsein kommt da auf - wenn es denn auch immer früher dunkel wird. Tagsüber fällt das alles von den Bäumen, tot irgendwie ... und dann im Dunkeln geht es ab nach unten.

"Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen". Klar, wenn es umgeht, dann richtig. Da ist nichts mehr, das sich hält - wenn es soweit ist, dann ist es soweit. Keiner kommt da dran vorbei - ich glaube, dass Rilke den Herbst für was anderes nimmt. Hat einen ziemlichen Touch von Gothic, oder ...? Wenn man das so sieht, hat er das, was um diese Zeit mit fast allen passiert, in Worte gefasst. Vor so langer Zeit, find ich schon irgendwie .... na, beeindruckend. Also es trifft es so, dass es eigentlich jeder versteht, weil jeder das schon mal hatte, dieses Gefühl.

Und der Schluss ... "Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält". Also jetzt wird's angekitscht. Oder, na ja ... also irgendwie nimmt es das Dunkle schon weg, den Todesblues. Ist ja alles in der Natur so eine Kreislaufsache - geht irgendwie nichts wirklich verloren. Hab ich mal gehört und fand das auch gut. Ich glaube, Rilke meint das gleiche. So um viele Ecken.

Wenn man das noch einmal liest, mit den Gedanken, die man dazu hat, dann ist es irgendwie anders. So wie ein Song, der reingreift ... hätte ich nicht gedacht. Mal sehen, wenn mir danach ist, schau ich mal, was es sonst noch so gibt von diesem Typen oder von anderen, die das auch draufhatten.

© "Herbstblues: Die Lyrik des Herrn Rilke" - ein Textbeitrag von , 2013. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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