Die Fahrt zum Camp

Leseprobe aus 'Larrys Sohn' - Ein Buch von Deddine Kuschel-Swyter

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Larrys Sohn

Zum Inhalt des Buches:

Darwin, die kleine Küstenstadt im Norden von Australien im Jahre 1973, ein Jahr bevor der Zyklon 'Tracy' die Stadt total zerstört. Hierher verschlägt es die junge Holländerin Clarissa van Doorn, um eine Ausbildung als Krankenschwester zu beginnen. Ihr Leben scheint vorgezeichnet, ihre Zukunft fest geplant; zumindest in den Augen von Bernie, ihrem Freund.

Aber schon bald verlässt sie das Schwesternheim und zieht in eine Wohngemeinschaft, in einem alten Tropenhaus am Rande der Stadt.

Dort trifft sie Larry, zu dem sie tiefe Gefühle entwickelt.

Aber Larry ist anders. Nicht nur seine Hautfarbe ist anders, sondern er kommt aus einer anderen Kultur, aus einer anderen Welt.

Leseprobe:

Zwei Wochen später, es hatte inzwischen nur noch wenig geregnet, plante Larry, ein ganzes Wochenende gemeinsam mit Clarissa im Busch zu verbringen.

"Wir machen ein richtiges 'walkabout', nur du und ich." Er strahlte.

"Und wo werden wir schlafen?" Clarissa schwankte zwischen der Vorfreude auf ein gemeinsames Abenteuer und praktischen Einwänden.

"Keine Sorge. Ich habe alles organisiert. Bis zum South Alligator können wir mit dem Wagen fahren. Ich muss dort sowieso nach dem Wasserstand sehen. Du weißt doch, dort ist das neue Brückenbau-Projekt."

Clarissa nickte. Er hatte ihr davon erzählt. Die Straße nach Arnhem Land endete vor dem Fluss. Mit dem Bau der Brücke sollte noch in diesem Jahr begonnen werden.

"Es gibt dort mehrere Camps von den Straßenbauarbeitern. In dem einen sind Leute von uns. Die wissen, dass ich komme."

Clarissa war sich nicht klar darüber, wie sie sich solch ein Bauarbeiter-Camp im Busch vorstellen sollte. Aber sie fragte nicht. Larry war ja bei ihr. Das genügte.

Sie packten ein paar Lebensmittel ein, Getränke, Handtuch und Seife; mehr brauchten sie nicht, sagte Larry.

Am Samstagmorgen brachen sie in aller Frühe auf. Wieder bogen sie südlich von Darwin auf die Humpty Doo Road ein und folgten der neuen Straße durch endlos, flaches Grasland.

Nach etwa 80 Meilen tauchte das erste Hindernis auf; der Mary River. Der Fluss war an dieser Stelle breit und flach. Eine richtige Brücke gab es nicht; vielmehr lief die Straße wie eine ausgebaute, etwas höher gelegene Furt durch das Flussbett. In der Trockenzeit war die Benutzung kein Problem. Aber noch war es früh im Jahr und der Wasserstand entsprechend hoch. In der Flussmitte lag die Straße auf einer Strecke von etwa 60-70 Metern unter Wasser. Mitten auf dieser Strecke stand ein Personenwagen bis über die Radkappen im Wasser.

"Dem ist der Motor auf jeden Fall schon abgesoffen", stellte Larry lakonisch fest.

Ein weiteres Fahrzeug kam ihnen vom gegenüberliegenden Ufer entgegen, langsam der durch Stöcke markierten Straßenführung folgend, und zog eine leichte Bugwelle hinter sich her.

"Wie sieht's aus, Kumpel?" rief Larry ihm entgegen, "'s ist zu schaffen, oder?"

"'n bisschen feucht." Der andere lehnte sich aus seinem offenen Fenster, "besser, du sprühst deinen Motor vorher etwas ein. Haste was mit?" Larry schüttelte den Kopf. Nein, daran hatte er nicht gedacht.

"Hier", der fremde Fahrer reichte ihm eine Sprühdose heraus, "kannst meinen Rest haben. Ich muss erst in vierzehn Tagen wieder zur Station. Bis dahin ist das Wasser unten."

"Danke. Das ist prima." Larry nahm die Dose und verabschiedete sich. "Bis dann." Er öffnete die Motorhaube und begann, die wasserempfindlichen Teile einzusprühen.

"Na ja, sehr viel ist da nicht mehr drin", murmelte er, "aber rüber kommen wir erst mal." Damit stieg er wieder in den Wagen.

"Und morgen?" fragte Clarissa, "wie kommen wir zurück?"

"Morgen werden wir sehen. Wahrscheinlich geht es ja auch ohne." Larry machte sich keine Sorgen.

Die Fahrt ging weiter durch das flache, einsame, teilweise feucht-sumpfige Land. Am späten Vormittag erreichten sie den South Alligator River. Breit und mächtig lag der Fluss vor ihnen und schob kraftvoll, aber ohne Eile, riesige Mengen an Wasser der nahen Mündung entgegen.

Larry schnallte sich den Rucksack auf den Rücken.

"Komm Rissa! Es geht los. Wir überqueren den Fluss zu Fuß; dort drüben, bei den Schienen."

Tatsächlich zog sich ein schmaler Schienenstrang im Verbund mit allerhand Leitungen und Rohren etwas oberhalb von ihnen über das Wasser. So erreichten sie schließlich trockenen Fußes das gegenüberliegende Ufer. Für ein kurzes Stück folgten sie nun der freigeschlagenen Trasse für die neue Straße. Dann bogen sie seitwärts in den Busch, wo Larry einen Trampelpfad entdeckt hatte.

Stundenlang, bis weit in den Nachmittag hinein, zogen sie durch offenes, weites Grasland. Manchmal fanden sie einen schmalen Pfad, dem sie für kurze Zeit folgten, bis er sich wieder verlor. Das hohe, harte Gras rieb an ihren nackten Beinen und die Hitze waberte flirrend über dem Land. Hin und wieder versperrte eine gleißende Wasserfläche ihren Weg. Manchmal war es nur eine in der Regenzeit vollgelaufene Bodensenke und sie konnten das knapp knietiefe Wasser problemlos durchwaten. Aber sie gerieten auch an Seitenarme des großen Flusses, die sie zwangen, ihre Richtung zu ändern.

Bisweilen blieb Larry stehen, drehte sich zu Clarissa um und musterte sie lächelnd, so als wolle er sich vergewissern, ob sie noch mithielt; mithielt weniger an Kraft und Ausdauer als vielmehr an Lust und Freude. Konnte sie seine Begeisterung teilen?

"Sieh dort", sagte er, plötzlich im Lauf verhaltend und nickte in die Richtung, die sie eingeschlagen hatten. Clarissa stellte sich auf die Zehenspitzen und legte eine Hand auf Larrys Schulter.

"Dort", wiederholte er, und nun erkannte auch sie die grauen Kolosse, keine 50 Meter vor ihnen im hohen Gras. "Büffel", stellte er nüchtern und wenig erfreut fest. Nur die Rücken der liegenden Tiere waren zu sehen und hier und da ein Kopf, halb verdeckt zwischen Gras und Schilf, sich wiederkäuend wiegen. Noch hatten die Tiere sie nicht bemerkt.

Während Clarissa vorsichtig ihre Kamera herauszog, erschien ein mächtiger Kopf, dunkel, mit wuchtigen Hörnern, über dem dichten Grasrand.

"Jetzt hat er uns entdeckt." Leise wandte Larry sich an Clarissa. "Komm, wir verschwinden lieber", und er zog sie seitwärts aus dem Blickfeld der Tiere.

Sie hielten auf einen Gehölzrand zu, der sich bis weit über den Horizont erstreckte, ließen das Grasland hinter sich und Larry bahnte einen Weg durch niedriges Gestrüpp und junge Eukalyptusbäume. Der Boden war feucht und sumpfig, getränkt von der großen Regenzeit; üppig wuchernde Schlingpflanzen wanden sich um totes Geäst.

Wie ein Garten Eden, dachte Clarissa, beeindruckt von diesem Übermaß an Wachstum und Leben, das sich mit einer solchen Macht entlud und immer noch gierig und unersättlich das Wasser aufsog, wohl wissend, dass eine neue lange Trockenzeit bevorstand.

Auf den silbrig-grauen, zerborstenen Stämmen alter Eukalypten nisteten Schmarotzerpflanzen, rankten sich Wurzeln, quoll neues, saftig-fettes Grün hervor.

Eine Lichtung tat sich vor ihnen auf, ganz plötzlich und unerwartet.

"Schhhh", machte Larry und zog Clarissa sacht an sich heran, "dort! Sieh mal, - Kängurus!"

Fünf oder sechs Tiere grasten friedlich in unmittelbarer Nähe von ihnen in der Abendsonne. Aber der Wind stand ungünstig. Kaum hatten sie die hellgrau bepelzten Tiere entdeckt, da richtete sich auch schon das erste von ihnen auf, den zierlichen, schmalen Kopf in ihre Richtung gewandt, still verharrend, mit hell leuchtendem Unterkörper. Dann hoben auch die übrigen ihre Köpfe - fast schien es als sähen sie ein wenig gelangweilt und ungläubig zu ihnen hinüber; aber dann setzten sie sich in Bewegung, und mit langsamen, aber elegant federnden, weichen Sprüngen setzten sie über die Lichtung, zeitlupenhaft, fast schwebend, in weiten Bögen, die Erde nur leicht berührend. Ein schwaches "whompb, whompb" hallte noch für einen kurzen Moment über die Wiese.

Gegen Abend kehrten sie auf die Westseite des Flusses zurück und erreichten kurz darauf das Camp. Clarissa erkannte einige kleinere Wohncontainer, Zelte und provisorische Verschläge. Es wurde bereits dunkel.

Da Wochenende war, hielten sich nur wenige der Männer im Camp auf. "Hi, Adam", begrüßte Larry den großen, muskulösen Typ, der auf sie zukam, "wie geht's? Alles okay?"

"Bestens, bestens!" winkte der andere ab. "Hätt' nicht gedacht, dass du wirklich kommst - mit deiner Lady", fügte er schmunzelnd hinzu. Er deutete auf einen kleinen, rundlichen Wohnwagen im Hintergrund.

"Dort drüben, den Wagen, den könnt ihr benutzen; 's stehen zwei Pritschen drin; das ist aber auch alles."

"Okay, Adam. Prima. Und wie sieht's mit Duschen aus? Habt ihr Wasser?"

"Klar", lachte er, "da hinter der Bretterwand! Das ist unser Badezimmer."

Sie aßen Büffelfleisch am offenen Feuer. Längst war die frühe Dunkelheit hereingebrochen, und nur eine schwache Glühbirne beleuchtete den Platz vor dem Küchenwagen. Die Zikaden wetteiferten mit den Fröschen, unsichtbar, im Dunkel der Nacht.

Später duschten Clarissa und Larry gemeinsam in dem schäbigen, aber geräumigen Verschlag unter dem riesigen, funkelnden Sternenhimmel.

Larry schob die schmalen Pritschen im Wohnwagen zusammen und breitete ein sauberes Laken darüber. "Komm Rissa", sagte er und nahm sie in die Arme.

© Text und Buchcover: Deddine Kuschel-Swyter

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