Die Nacht am Strand - Bad im Mondschein

Leseprobe aus 'Traumpfade enden nicht' von Deddine Kuschel-Swyter

Lesetipp: Traumpfade enden nicht

Zum Inhalt des Buches:

Als Katrina nach Australien auswandert, fühlt sie sich voller Kraft und Lebensmut. Das Alte und Vertraute lässt sie unbekümmert zurück. Bewusst nimmt sie ihr Leben in die Hände, fasziniert von der Idee, es selber formen zu können.

Mit Wilma reist sie kreuz und quer über den Kontinent, im Mini Moke oder als Hitchhiker, immer auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Freundschaften, auch Liebesbeziehungen, können Katrina nicht halten, weder zu Terry, den sie auf der Moonari Station in den Flinders Ranges kennenlernt, noch zu William C., den Besitzer von Three Oaks auf Tasmanien, in den sie sich leidenschaftlich verliebt.

Aber sie kämpft auch mit Schuldgefühlen gegenüber ihrer in Deutschland zurückgelassenen Familie, und der aufkommende Wunsch nach einem Zuhause lässt sie immer öfter an ihrer Entscheidung zweifeln. Doch dann kommt sie nach Kununurra, im Nordwesten von Australien, und lernt Daniel kennen.

Eine Abenteuergeschichte von Deddine Kuschel-Swyter, der Autorin des Romans Larrys Sohn

Leseprobe: "Die Nacht am Strand"

Natürlich war es längst zu spät, um noch zu den Hope-Islands zu fahren, wie sie es für den Tag geplant hatten. Da es aber Wilmas Geburtstag war und sie für den Abend eine kleine Feier geplant hatten, beschloss Carl, noch ein Stück weiter flussauf zu fahren, bis zu einer Missionsstation. Dort wollten sie sich mit noch fehlenden Getränken eindecken.

Aber sie hatten kein Glück. Zwar fanden sie die kleine Station, erfuhren jedoch, dass der Laden, der zwei Meilen weiter landeinwärts lag, zurzeit geschlossen war. So kehrten sie unverrichteter Dinge wieder um und gingen schließlich in der Flussmündung vor Anker.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit setzten die Männer noch schnell in einiger Entfernung die Netze und brachten sogar noch einen Barramundi mit, den Carl für alle briet und mit der letzten Flasche Rotwein, die er noch in den Vorräten fand, servierte.

Katrina steuerte zwei Kerzenstummel bei, und von irgendwoher tauchten auch noch ein paar Erdnüsse auf. Schließlich zog Carl sein altes Akkordeon heraus und spielte 'Waltzing Matilda'.

Was für ein seltsames Bild sie wohl abgegeben haben mochten, dort in der Einsamkeit der Flussmündung, dachte Katrina später, im Rückblick auf diesen Abend, als sie versuchte, eine Erklärung zu finden, für das, was dann geschah. Sie erinnerte sich an die Gesichter der anderen, die im Schein der Kerzen diese ruhige Gelassenheit ausstrahlten, eine sanfte Harmonie, so friedlich.

Oder hatte nur sie das so empfunden?

Mit Wilma hatte sie nie über diesen Abend gesprochen. Sie wusste nicht, was in Wilma vorgegangen war und was geschehen war zwischen ihr und Carl, nachdem die beiden später am Abend mit dem Dingi zu den Netzen gerudert waren. Sie verschwanden in der Dunkelheit und tauchten erst nach einer Stunde wieder auf. Da war die Sanftheit aus ihren Gesichtern verschwunden. Wilma stieg gleich nach oben aufs Dach, und es blieb keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn Mike nahm ihre Hand und zog sie zum Achterdeck, wo Carl das kleine Boot vertäut hatte.

Er habe vorhin einen schönen, kleinen Sandstrand entdeckt, auf der anderen Seite der Mündung.

"Wie gemacht für ein romantisches Bad im Mondschein", sagte er und lächelte ihr zu. Dieses Mal fand sie nicht den sonst üblichen Anflug von Ironie in seinem Blick.

"Aber es scheint doch gar kein Mond", warf Katrina überflüssigerweise ein.

"Was nicht ist, kann ja noch werden", meinte Mike und half ihr ins Boot hinunter.

"Passt auf, dass die Haie euch nicht erwischen", rief Carl ihnen nach, und Katrina hörte sein glucksendes Lachen, als er in der Kajüte verschwand.

"Gibt es hier Haie?" wandte sie sich leicht beunruhigt an Mike.

"Gibt es schon. Aber nicht an den seichten Uferstellen." Er legte sich in die Riemen, und mit kräftigen Ruderschlägen entfernten sie sich schnell vom Boot.

Nach kurzer Zeit gewöhnten sich Katrinas Augen an die Dunkelheit, und sie erkannte die Umrisse der Bäume am nahen Ufer. Mike saß ihr gegenüber und konzentrierte sich ganz auf das Rudern. Sie konnte seine Augen nicht erkennen und wusste nicht, ob er sie ansah. Er ruderte; und er wollte zum Strand.

Wollte sie das auch?

Noch war der Zauber der Kerzenstunde an Bord nicht verflogen. Noch spürte sie den zaghaften Kuss, den er ihr nach dem Essen gegeben hatte, als sie allein zurückgeblieben waren. Er hatte nach Rotwein geschmeckt und nach Salz.

Sie mochte seine braune, straffe Haut und seine kräftigen Arme, und sie mochte es, wenn er sie anfasste und dieses verwirrende Kribbeln durch ihren Körper ging.

Sie erreichten den kleinen Sandstrand. Der Kiel des Bootes grub sich nach dem letzten starken Ruderschlag knirschend in den Sand.

Sie sprang aus dem Boot, und einen Augenblick lang stand sie da und war sich nicht mehr sicher, warum sie mitgekommen war. Undeutlich erkannte sie den Saum des Wassers, kleine Wellen, die sich an dem Strand verliefen; sie fühlte das Wasser um ihre Knöchel spülen, fühlte den Sand, der unter ihren Füßen nachgab; sie spürte diese unendliche Weite um sich, eine große Einsamkeit, nur sie -- und seine Hände, die über ihren Rücken glitten und den Verschluss des Bikini-Oberteils lösten.

Er fiel zu Boden.

© "Die Nacht am Strand" - Text und Buchcover: Deddine Kuschel-Swyter

Zum Buch Traumpfade enden nicht

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