Zyklon - Kurs auf Cairns, Nord-Queensland

Leseprobe aus 'Traumpfade enden nicht' von Deddine Kuschel-Swyter

Traumpfade enden nicht

Zum Inhalt des Buches:

Mit ihrer Freundin Wilma reist Katrina kreuz und quer über den Kontinent Australiens, im Mini Moke, per Bahn oder als Hitchhiker, immer auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Freundschaften, auch Liebesbeziehungen, können Katrina nicht halten, weder zu Terry, den sie auf der Moonari Station in den Flinders Ranges kennenlernt, noch zu William C., den Besitzer von Three Oaks auf Tasmanien, in den sie sich leidenschaftlich verliebt.

Eine Liebes- und Abenteuergeschichte von Deddine Kuschel-Swyter, der Autorin des Romans Larrys Sohn

Leseprobe: "Zyklon"

Es wurde eine lange Nacht. Die Mädchen fanden wenig Schlaf. Tiraden von Mücken belagerten sie. Als endlich der Morgen kam, hatten die Wolken sich verzogen. Die Sonne brannte herab.

Ihre Vorräte neigten sich dem Ende zu. Die Bestandsaufnahme ergab: 5 Dosen Ginger Ale, 3 Dosen süße Früchte, etwas Gemüseeintopf. Außerdem hatten sie noch etliche Mangos und drei Kokosnüsse.

Da der Fluss nicht tief genug für das Schiff war, machten sich die Männer mit dem kleinen Dingi auf den Weg, flussaufwärts, um nach einer Farm zu suchen. Sie packten Gewehr, Spaten und Buschmesser ins Boot, ließen den kleinen Außenbordmotor an und verschwanden schließlich langsam in der nächsten Flussbiegung.

Die Stunden zogen sich hin. Die Sonne stieg auf den Zenit. Katrina döste auf dem Vorschiff und versuchte, nicht an den Durst zu denken, während Wilma damit beschäftigt war, aus Holzresten und einem alten Segel ein provisorisches Sonnendach über ihrem Schlafplatz auf der Kajüte zu errichten. Schließlich machten sie sich noch einmal über die Mangos her. Der süße, warme Saft tropfte ihnen übers Kinn auf die Schenkel.

Das Wasser verleitete sie dazu, ein Bad zu nehmen. Aber nach Katrinas Erlebnis vom Vortag begnügten sie sich damit, nur kurz vom Ruder ins Wasser zu tauchen und sich schnell wieder am Heck hochzuziehen.

Eine halbe Stunde fast mühten sie sich ab, eine der Kokosnüsse zu öffnen und freuten sich schließlich über die angenehm kühle Flüssigkeit darin.

Um 13:00 Uhr wurde die Warnung über Radio zum ersten Mal durchgegeben. Der Empfang war schlecht, aber sie hatten das Wichtigste verstanden. Ein Zyklon näherte sich der Küste von Nord-Queensland. Gegen Abend wurden die ersten Ausläufer erwartet.

Es war friedlich auf dem Fluss. Ein blauer, klarer Himmel; die Sonne brannte herab. Der Wind hatte etwas aufgefrischt. Kleine Wellen schlugen glucksend an den Bug. Vogelrufe drangen herüber aus den Baumkronen am Ufer.

Ein Zyklon? Wilma und Katrina sahen sich fragend an. War das ernst? Mussten sie sich Sorgen machen?

"Aber es ist so friedlich", meinte Katrina und ließ ihren Blick über Küste und Flussmündung schweifen, bis hin zum fernen Horizont. "Ja, das ist es."

"Und was machen wir nun?" Sie waren sich nicht sicher, ob sie es als lustige Abwechslung oder als ernsthafte Bedrohung ansehen sollten.

"Die Männer können wir nicht erreichen. Wenn sie eine Farm finden, werden sie von dem Unwetter hören und schnell zurückkommen. Sie wissen, dass wir alleine mit dem Boot nicht fertig werden."

"Und wenn sie keine Farm finden?"

"Ich weiß es nicht", Wilma seufzte tief, "noch ist das Wetter gut. Wir wollen abwarten."

Um 14:00 Uhr wurde die Nachricht wiederholt. Der Sprecher klang ernst. "... unverminderte Geschwindigkeit, ... erreicht die Küste voraussichtlich gegen 22:00 Uhr ... Kurs auf Cairns, Nord-Queensland ..."

Der Himmel war noch immer blau. Das Boot schaukelte leicht. Nur das Geschrei der Vögel nahm zu; in den Baumkronen entstand Bewegung.

Sie räumten etwas auf. Vielleicht war es besser, wenn nichts herumstand. Ihre Sachen verstauten sie in den Rucksäcken und klemmten diese fest unter die Fußenden der Pritschen. In der Kajüte stellten sie das wenige Kochgeschirr, die Tassen und Teller in einen alten Pappkarton und schoben ihn unter die Sitzbank. Dann nahmen sie sich eine weitere Mango, setzten sich vor die offene Kajüte und warteten auf die nächste Meldung. Ihre Blicke schweiften immer wieder zwischen dem Horizont über dem Meer im Osten und der Flussbiegung im Westen hin und her.

15:00 Uhr. Alle Boote wurden dringend aufgefordert, den nächsten Hafen anzulaufen!

Wie lange würden sie brauchen bis zurück nach Cooktown? Gab es keinen anderen Hafen? Sie studierten die einzige an Bord auffindbare Karte.

Kurz nach halb vier tauchte das kleine Boot in der Biegung des Flusses auf. Der Motor war ausgefallen. Carl ruderte, Mike schöpfte Wasser. Der Himmel war noch immer blau. Ein Zyklon? Sie machten sich keine allzu großen Sorgen.

Eine Farm hatten sie nicht gefunden, also mussten sie sowieso zurück nach Cooktown. Zum Abend würden sie in Sicherheit sein. Sie holten die Netze ein und verpassten die Vier-Uhr-Nachrichten. Bei Hochwasser verließen sie ohne Probleme die Flussmündung und steuerten die Küste entlang nach Süden.

Die See war nun rau. Der Wind nahm zu. Das Boot schaukelte immer mehr. Die Sonne löste sich in einem Dunstschleier auf. Im Osten türmten sich dunkle Wolkengebilde über dem Horizont. Die Stimmen des Radios gingen unter im Lärm des Motors, dem Getöse des Sturms und der schäumenden, an den Bug krachenden Wellen.

Schwerfällig kämpfte sich die 'Betty' durch die aufgepeitschte See. Nichts erinnerte mehr an das klare Blau des Meeres, endlos sich hinstreckend, unter einem weiten hohen Himmel. Grau und eng war nun alles, wild und wütend. Eine ungeheuere Macht lag in diesen anschwellenden, sich türmenden Wellenbergen. Nicht der Sturm war es, der Katrina berührte, sondern diese aus der Tiefe kommende unheimliche Macht.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten sie Cooktown. Selbst in dem großen geschützten Hafenbecken war die See unruhig. Die wuchtigen, schwerfälligen Sandbagger lagen verankert in der Mitte der Bucht.

Der Anleger war voll besetzt mit Booten jeglicher Größenordnung. Zwei- bis dreifach lagen sie nebeneinander vertäut. Nur die ersten hatten am Nachmittag noch einen Platz direkt am Quai bekommen. Die 'Betty' war die letzte die kam.

© "Zyklon" - Leseprobe aus 'Traumpfade enden nicht' (inkl. Buchcover): Deddine Kuschel-Swyter

Zum Buch Traumpfade enden nicht

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