Als die Brillenschlangen ausstarbenVom "Lesestein" zur Kontaktlinse |
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Dass eine Kugel, mit Wasser gefüllt und vor Geschriebenes gehalten, die Lettern vergrößert, wusste man - und von da war es eigentlich kein allzu großer Schritt zu dem Gerät, das wir heute "Brille" nennen. Das Wort kommt von dem Halbedelstein Beryll, der durchsichtig klar ist und zur Herstellung von Sehhilfen Aber bis man die Sehkraft mit solchen Hilfsmitteln unterstützen konnte, dauerte es noch einige Jahrhunderte, so dass die Damen und Herren ein Monokel oder ein Lorgnon benutzen konnten. Dazu brauchte es nämlich den gekonnten Umgang mit Glas. Anfänglich nur für weitsichtige Augen - also zum Vergrößern geeignet - konnten mit der Zeit auch Hilfen für kurzsichtige Menschen hergestellt werden. Diese zwar eleganten, aber doch ein wenig unpraktischen Augengläser mussten entweder in ein Auge geklemmt und dort mittels Muskelkraft gehalten, oder aber an einem Stiel vor die Augen platziert werden für kurze Zeit. Wohl gerade lange genug, um die "Toiletten" der anderen Damen genau betrachten und kritisieren zu können. Schneidige Herren trugen ihr "Einglas" mit ironischer Eleganz oder als Accessoire - man machte wohl das Beste daraus.
Dann ging es rund - spätestens seit John Lennon war das Nasenfahrrad wieder salon- oder diskussionspodiumsfähig. Lange Haare und runde Brille galten als Erkennungszeichen der jungen Hermann-Hesse-Leser und waren durchaus akzeptiert. Die smarten Leute, die es schon zu etwas gebracht hatten, brachten markiges Flair in die Sache mit Pilotenbrillen. Das sah fesch aus und irgendwie nach Peter Fonda. Die Gläser waren groß bis riesig - vor allem bei Sonnenbrillen. Dahinter konnte man das halbe Gesicht verstecken, was auch bald als untrügliches Zeichen der Berühmtheit gesehen wurde. Man war interessant, wenn einen niemand richtig sehen konnte. Sportbrillen
Aber auch das änderte sich, denn auf einmal gab es einen Zauberschüler, der eine Brille trug: eine große, dunkle und runde. Also ein Teil, das normalerweise kein Kind freiwillig tragen würde. Doch Harry Potter schaffte, was Generationen von Eltern nicht hinbekommen hatten. Die Kinder trugen ihre Brille auf einmal mit Stolz und freuten sich über den Neid der normalsichtigen Freunde. "Brillenschlange" war auf einmal nicht mehr als Beleidigung zu gebrauchen. Solche tollen Revolutionen werden nicht immer gleich bemerkt - aber die Kinder konnten aufatmen. Wie durch Zauberei... © Text: Pressenet Abbildungen:
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