Die Frauen - und die Männer

Über Midlife Crisis und schredderbare Altlasten

Frauen und Männer

Es gibt da einen Film von George Cukor aus dem Jahr 1939, mit dem Titel: "Die Frauen". Das Interessante daran ist die Tatsache, dass während des ganzen Films kein einziger Mann zu sehen ist, sogar der Haushund der Heldin ist weiblich. Aber trotz dieser Tatsache (die eigentlich erst einmal gar nicht auffällt) sind Männer allgegenwärtig. Es geht eigentlich um sie. Der untreue Ehemann der Hauptfigur hat zweifellos eine Hauptrolle, wenn auch eine unsichtbare.

Es gibt zwar auch einen überaus berühmten Film, der nur männliche Darsteller hat: "Lawrence von Arabien" aus dem Jahr 1962, unter der Regie von David Lean, bei dem es aber absolut nicht um Frauen geht. Sie sind kein Thema in diesem Film, es wird auch nicht über sie oder von ihnen gesprochen. Die Männer in der Geschichte spielen Männerspiele, sie kämpfen, sind ehrenvoll oder auch nicht, zeigen Tapferkeit und sehen nebenbei auch noch gut aus. Jedenfalls kann man das vom Hauptdarsteller, Peter O'Toole, behaupten. Dass kaum Frauen präsent sind, außer in wenigen Szenen als Statistinnen, fällt auch hier nicht auf, einfach weil niemand sie vermisst in der Story um Kampf und Rebellion.

Männer brauchen bei ihren Beschäftigungen mit ernsten, nationalen Problemen keine Frauen. Frauen haben nichts anderes im Kopf als Männer, auch wenn sie unter sich und mit Dingen beschäftigt sind, die getan werden müssen, oder aber Kleider und schicke Unterwäsche plus Parfüm einkaufen gehen. Männer sind immer irgendwo präsent. So oder ähnlich könnte das Fazit lauten, das man ziehen könnte, wenn man beide Filme gesehen hat. Natürlich ist das alles Kintopp - jedenfalls, was den Männerverein auf den Rennkamelen angeht - denn irgendwer hat ja dafür gesorgt, dass die Kerle etwas zu essen haben und auch etwas zum Anziehen. Aber der entgegengesetzte Film ist auf eine, vielleicht beängstigende Weise sogar sehr realistisch.

Der Kosmos eines männlichen Kindes besteht aus Weiblichkeit - erst einmal

Mama ist immer da, sie ist das Maß der Dinge, ohne sie geht nichts. Das war jedenfalls so und ist, obwohl die alten Formen leicht am Bröckeln sind, noch zum größten Teil so. Jedenfalls gilt das für Europa. In Kulturen, in denen Männer und Frauen streng getrennten Aufgaben nachgehen, hat sich daran seit Jahrhunderten nichts geändert. Mutter, Großmutter, Tante - bis der Kleine für den Vater so richtig interessant wird, ist er von Weiblichkeit völlig umgeben. Später gerät das zur Freiwilligkeit - auch da sind Frauen das Maß der Selbstachtung, die Belohnung für geleistete Dienste am Ideal des "coolen Typen" und überhaupt die Verkörperung aller feuchten Träume von Heldenhaftigkeit und Erfolg.

Nach den ersten romantisierten Abenteuern werden Frauen dann zuweilen zum Ärgernis. Sie sind fordernd, sie verweigern sich, sie gehen fremd, sie verlieren ihren Reiz, sie werden in der Beförderung bevorzugt oder sind eben "keine Männer". Das Ziel aller Ziele hat seinen Nimbus verloren, die Verliebtheiten sind vergangen - außer bei Männern, die von der Midlife Crisis gebeutelt werden und sich so etwas wie Liebe einbilden, weil sie dem Alter noch ein wenig ausweichen wollen. Mutter ist entweder alt oder gebrechlich, womöglich schon gestorben, und der Sohn ist immer noch auf der Suche nach dem speziellen Verwöhnaroma seiner kraftstrotzenden, jungen Jahre. Mutter liebte einen, egal was man ausgefressen hatte. Mutter wusste, was einem schmeckte, Mutter war immer da und sie ließ einen trotzdem im Großen und Ganzen tun, was man wollte. Meist jedenfalls.

Frauen tun das nicht. Sie sind zwar auch irgendwie wie Mutti, aber eher wie die Mama, an die man sich nicht so gerne erinnert: schimpfend, strafend, fordernd. Dass Mama oft im Recht war, tut der Sache keinen Abbruch. Jedenfalls gerät die Frau immer irgendwie zur Mutter, vor der man ja eigentlich flüchten wollte. Jedenfalls dann, wenn sie ihre Schuldigkeit getan hatte. So wie verwöhnen, betüdeln und trösten.

Und die Frauen? Für Frauen sind eben Frauen auch das Alpha und das Omega der sehr frühen Jahre. Es geht zwar wirklich oft um Männer, aber eben oft nicht unmittelbar. Man verbündet sich mit Mädchen gegen die frechen Jungs auf dem Schulhof. Man hat beste Freundinnen, die für alles da sind, was mit Mama nicht geht. Eifersüchteleien in Mädchencliquen sind zuweilen schlimmer als Fernsehtragödien - wer wem mehr Aufmerksamkeit schenkt und wer da wie ein Außenseiter behandelt wird, wenn ein bestimmtes Mädchen da ist. Das Material würde für Seifenopern der härteren Sorte reichen bis in das übernächste Jahrtausend.

Wenn Jungs ins Spiel kommen, sind die Freundinnen noch unentbehrlicher, und Frauen bleiben auch für Frauen das ganze Leben lang wichtig. Sie sind die wahren Beziehungen - dann, wenn die Träume von romantischer Liebe, die ewig währt, ausgeträumt sind, helfen eben die Mitbewohnerinnen des Planeten Venus beim Frühjahrsputz, passen auch mal auf die Kids auf und hüten den Hund. Und in einem sind sie ganz groß, in der Empathie nämlich. Geht Männern wohl genau so. Jedenfalls sagen sie das. Sie fühlen sich bei ihren Geschlechtsgenossen verstanden.

Frauen könnten es also irgendwie sehr schön haben - und Männer auch

... jedenfalls solange sie sich nicht unter die Fremden mischen, diejenigen mit dem leicht abweichenden Chromosom. Aber sie tun es, freiwillig und mit wahrer Begeisterung. Aber selbst das wäre noch nicht gefährlich. Es wird erst dann zu einem Problem, wenn man von dem Liebespartner des anderen Geschlechts alles haben will - auch das, wofür eigentlich die Freunde zuständig sind. Der allzu vollgepackte Gefühlskahn sinkt dann meist. Und man jammert oder aast bei Freund/Freundin über die/den Verflossenen. Jemand hat einmal gesagt, dass das nur geschieht, weil beide, Männer und Frauen, eben von Frauen erzogen werden. Das Gegenteil kann hier nicht angeführt werden, da es noch zu wenige in der Hauptzeit erziehende Väter gibt.

Eine Lösung könnte das Modell sein, das eine Autorin (welche nebst Namen der Story dem Autor leider entfallen ist) vor Jahren einmal als Short Story veröffentlichte: Männer und Frauen leben getrennt. Heftig getrennt sogar, denn sie bewohnen verschiedene Gegenden. Zu gewissen Zeiten treffen sie sich, um Partner des anderen Geschlechts für eine gewisse Zeitspanne zu verleihen. In der Geschichte sieht das so aus, dass die Frauen sich bei diesem Treffen Männer aussuchen, um mit ihnen Kinder zu haben. Kommt ein Junge auf die Welt, nimmt der Vater ihn mit nach Hause zu seinem Partner. Ein Mädchen belässt er bei den Frauen.

Das Ganze sieht etwas übertrieben aus, aber in der Realität sind die Geschlechter oftmals emotional ebenso strikt voneinander getrennt wie die Menschen in dieser Geschichte. Woran das nun in allen Einzelheiten wirklich liegt, bleibt Spekulation. Zuweilen hat man den Eindruck, dass ganze Galaxien zwischen den Geschlechtern liegen. Jedenfalls, was die Verständigung angeht. Wenn wir alle Glück haben, sind es vor allem schredderbare Altlasten, die uns daran hindern, wirklich miteinander klarzukommen. Wenn nicht, wird es noch viele, viele Ratgeber für das Zusammenleben gemischter Paare geben, die man noch nach Jahrhunderten nachbestellen kann. Die Ratgeber, nicht die Paare natürlich.

© "Die Frauen und die Männer. Midlife Crisis" - ein Textbeitrag von , 2014. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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