Im Auftrag des Großen Bruders

Leseprobe aus dem autobiografischen Roman
des Zeitzeugen Thomas Schmidt

Im Auftrag des Großen Bruders

Das Buch:

Der Autor Thomas Schmidt wird während und nach seiner Lehrzeit neben Industrieobjekten auch auf militärischen Vorhaben der DDR eingesetzt. Bedingung ist, dass keine Kontakte in die Bundesrepublik bestehen.

Von Abenteuerlust getrieben plant Schmidt, in die BRD auszuwandern. Er gerät in das Blickfeld der Staatssicherheit, doch sein häufiger Arbeitsstellenwechsel als hausgemachte Freiheit macht das Observieren fast unmöglich.

Schmidt leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Bauwesen. Bald darauf erfolgt sein Einsatz auch auf Vorhaben mit besonderer Geheimhaltung. Es handelt sich um die Führungs- und Atombunker der Nationalen Volksarmee. Ist die Bestätigung der politischen Zuverlässigkeit ein Versehen der Stasi? Was die Finanzierung dieser innerhalb des Warschauer Vertrages so bedeutsamen Spezialobjekte betrifft, ist sie für das Ende der DDR-Wirtschaft mitbestimmend - die vorhandenen Baukapazitäten werden zum großen Teil für militärische Vorhaben verheizt. Bestimmt wird dies vor allem durch die hegemoniale Vertragsbeziehung der Sowjetunion zur DDR.

Schmidt, Geheimnisträger, hängt seinen Job erneut an den Nagel. Somit greift die Staatssicherheit aktiv in sein Leben ein und der Wettlauf mit der Macht beginnt ...

Unser Buchtipp: Thomas Schmidts autobiografischer Roman Im Auftrag des Großen Bruders ist über den Buchhandel erhältlich.

Definition "Großer Bruder":

Rolle der ehemaligen Sowjetunion gegenüber den von ihr abhängigen Staaten während der Zeit des Kalten Krieges (hier die ehemalige DDR).

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Leseprobe aus "Im Auftrag des Großen Bruders":

Heute, am 4. April 1979, wird die Auszeichnung eines Mitarbeiters begossen und Alkohol lockert bekanntlich die Zunge. "Die Staatssicherheit hat mein Privatleben auf den Kopf gestellt!", sage ich zu Helmut Sasse. Er ist mein künftiger Gruppenleiter, stammt aus Schlesien und lebt seit 1945 in Leipzig. Ich mag seinen Dialekt. "Hast bestimmt nich gemerkt, doss dich de Stasi überprüft hot", sagt er. "Du bleibst von nun on im Blickfeld. Bedenke: Wir sind in der Republik gerade mal drei Hände voll Ingenieure, die den Bau atomarer Schutzbauwerke vorbereiten. Und du bist für die Instandhaltung vorhandener Bunker verantwortlich - bekommst Einblick in den militärischen Betrieb. Dir wird man genau uff de Finger schauen. Unsere Dienststelle besteht aus etwa siebzig Mitarbeitern. Dazu gehören Tippsen, Mamsellen, Kraftfahrer und Wachleute - du wirst se olle kennenlernen, ausgenommen die inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit."

"Und die sind allgegenwärtig."

"Stimmt! Du host immer zwee Götter neben dir: Eener hört in der Telefonleitung mit und 'n onderer überwacht dein Privatleben. Bleib immer ruhig und soge nischt, dann fährste gutt!"

Sasse grapscht eine halb geleerte Flasche "Nordhäuser Doppelkorn" vom Nachbartisch und schenkt uns ein. Ihm ist es Wurst, dass er observiert wird. Schließlich geschieht es hinter vorgehaltener Hand. "Die Stasi hält sich für den lieben Gott", sagt Sasse und zitiert den Anfang des ersten Gebotes: "Du sollst nicht andere Götter haben!"

Trotz feuchtfröhlicher Runde umreißt Sasse meine Aufgaben für die kommende Zeit: "Du gehst auf Reisen. Zunächst ist de Besichtigung unserer Führungsbunker angesoggt." Sasse schmunzelt: "Nicht die von Adolf, sondern jene der NVA. Sie befinden sich in allen Bezirken. Unter der Erde existiert nämlich 'ne zweete Armee, von der kaum jemand 'Kennung' hat." Bald weiß ich, dass sie der DDR Milliarden kostet.

Ziel meiner ersten Dienstreise ist der "Hauptgefechtsstand der Volksmarine". Er ist eine Kommandostelle, die den Einsatz von Kriegsschiffen koordiniert. Dazu gehören auch Einheiten der Luftverteidigung. Zudem bestehen Nachrichtenverbindungen mit den Flottenkräften der vereinten Streitkräfte innerhalb des Warschauer Vertrages. Die Atombunker sind so konzipiert, dass deren Betrieb nach einem Kernwaffenschlag für mehrere Wochen aufrechterhalten bleibt.

Ich vergesse oft, dass ich mich nicht mehr in einem volkseigenen Betrieb befinde. In diesem Fall habe ich die alles bestimmende Hierarchie in unserer Dienststelle, zumindest am Anfang meiner Tätigkeit, nicht für bare Münze genommen. Rangordnung wird aber nicht allein durch Dienstgrade und die Anzahl abgeleisteter Dienstjahre bestimmt, sondern auch durch Fachkompetenz. Sie ist in höchstem Maße vorhanden, und zwar in allen Abteilungen. Viel wichtiger wäre sie in der zivilen Wirtschaft ...

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Über den Autor Thomas Schmidt

In Torgau geboren. Lehre, Grundwehrdienst, Studium Bauwesen. Ab 1990 Tätigkeit in verschiedenen Wirtschaftszweigen. Später Reisegewerbe Deutschland und Österreich.

Texte für Kabaretts und Jugendsender, insbesondere Comedys. Ab 2004 wurden Satiren und Regionalromane veröffentlicht, ebenso Texte für die Satirezeitschrift "Eule" Berlin. "Im Auftrag des Großen Bruders", "Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche" - Berlinische Kurzgeschichten und Reime, "Antiquitätenmarder ... noch lebe ich!", Thriller, "Das Gold der Sierra Nevada" 2012, "Vernarrt in eine Diebin", "Die Toten am Fort Point", Thriller. Projekt in Arbeit: "Der Seebestatter von Brooklyn".

Thomas Schmidt lebt in einem kleinen Ort an der Elbe. Seine Hobbys: Tiere und Pflanzen.

© Buchtipp "Im Auftrag des Großen Bruders" sowie Abbildung des Buchcovers mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Schmidt. Hinweis: Das Buchcover zeigt den Autor als jungen NVA-Soldat im Grundwehrdienst während einer Nachtwache.

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