Magie der Bäume: Die Erlen

Schwarz-Erle

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?", ... so beginnt die Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, die den Tod eines Knaben erzählt. Wie viele Schüler am Auswendiglernen verzweifelt sind, kann nur geschätzt werden. Vom Erlkönig ist da die Rede in dem unheimlichen Gedicht, der ganz einfach auf Distanz jemanden umbringt und von dem man nie so recht wusste, wer er eigentlich war.

Allerdings wurde "Erlkönig" falsch übersetzt, denn ursprünglich stammt diese Geschichte aus Dänemark. Eigentlich muss es "Elfenkönig" heißen, was die Sache etwas klarer erscheinen lässt. So gesehen sollten die Erlen unschuldig sein, aber diesem Baum wurde schon immer die Nähe zu schwarzem Zauber zugeschrieben, und selbst der Erdboden, auf denen die Erlen wuchsen, galt als verderbenbringend.

Tatsächlich waren es Stäbe aus Erlenholz, die über einem Verurteilten zerbrochen wurden, um ihn aus der Gesellschaft auszustoßen. Die Redensart des "Stabbrechens" über jemanden bezieht sich darauf. Dazu kommt, dass das Holz der Schwarz-Erle sich nach dem Schlagen rot verfärbt: es blutet, wie dieser Vorgang im Volksmund genannt wurde. Wieso das geschah, wusste man nicht. Deshalb wurden die abenteuerlichsten Geschichten erzählt, in denen sogar des Teufels Großmutter eine unrühmliche Rolle spielt. Sie soll von ihrem Sohn mit einer Keule aus Erlenholz verprügelt worden sein.

Diese Bäume stehen meist auf leicht sumpfigen oder feuchten Grund, auch in Wassernähe - möglicherweise hat das ihren etwas unheimlichen Nimbus verstärkt. Allerdings wurde dieser Baum schon in der Pfahlbauzeit zum Bauen benutzt - denn Erlen sind im Wasser ähnlich langlebig wie Eichen. Es sind zum Teil auch Erlenstämme, die Venedig tragen. Bestandteile des Baumes, Rinde oder Blüten, wurden auch zum Färben verwendet, ebenso galt ein Sud aus der Rinde als Mittel bei Zahnfleischbeschwerden.

Die Eller, ein anderer Name für die Erle, hat also nichts mit einem unheimlichen König zu tun, der Wanderern auflauert. Aber sie gilt als Baum, der den Verstand klären kann. Es heißt, wenn man die Nähe zu einer Erle sucht, kann man das Wichtige vom Unwichtigen trennen und so eine kluge Entscheidung treffen. Wenn man den "Kopf voll hat" von ungeordneten Gedanken und doch dringend Ordnung da hineinbringen muss, dann könnte eine Rast unter einer Erle vielleicht hilfreich sein. Den Versuch wäre es wert.

Schwarz-Erle

© "Mythos Baum: Die Erlen und das Erlenholz" - ein Textbeitrag von , 2014. Bildnachweis: Abbildung der Schwarz-Erle von pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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