Unabhängigkeit? Soll wohl ein Witz sein

Ein Leben ohne Strom ist nicht vorstellbar

Leben ohne Strom

Letzte Nacht habe ich, mal wieder, tief und fest vor der "Glotze" geschlafen.
Plötzlich wurde ich wach. Die Stille war so laut, dass ich fast unmittelbar senkrecht stand.

Um mich herum alles schwarz. Licht aus, Fernseher aus, alles aus, na klar, Sicherung raus.

Erst mal habe ich mich geärgert. Zum 150 millionsten Mal habe ich mir schon vorgenommen: Ich kaufe mir endlich mal eine richtig große Taschenlampe. Genau für solche Fälle.
Die kommt dann mitten in die Wohnung. Gut erreichbar, eben genau für solche Fälle.
Natürlich habe ich noch immer keine, nur so ein kleines Funzel Lämpchen am Ende der Wohnung.

Also, vorsichtig durch die Wohnung getapst. Ich kenne mich sozusagen auf Schritt und Tritt hier aus. Aber so ganz im Dunkeln! Und große Fußzehe auf Konfrontationskurs mit einem Möbel tut säuisch weh.
Alles ging gut. Schnell an den Sicherungskasten.
Tja, war wohl nix. Da waren alle Sicherungen drin.

Also was blieb mir anderes übrig? Im Keller sind die Hauptsicherungen.
Das Flurlicht funktionierte auch nicht. Ich also mit meinem Funzel Lämpchen nach unten, Sicherungsschrank auf und natürlich keine Brille dabei.
Wäre auch egal gewesen, es war ohnehin viel zu dunkel.
Gefühlt waren alle Sicherungen in Ordnung.

Nachts mit Taschenlampe

Ich also zurück in meine Wohnung und nachgedacht, was zu tun sei. Inzwischen war es Mitternacht. Zum Glück habe ich wenigsten eine Uhr mit Batterie.
Gut, also, was tun?
Anrufen.
Wie? Handy? Habe ich keins.
Telefon? Geht nicht.

Vorne an der Straße gibt es ein Telefonhäuschen. Dazu braucht man allerdings eine Karte. Habe ich keine.
Ha, wen denn? Meinen Vermieter? Der fragt mich wahrscheinlich, ob ich noch ganz dicht bin.
Mir ist auch sonst niemand eingefallen, den ich hätte anrufen und um Hilfe bitten können. So mitten in der Nacht ist das schwierig.
So habe ich mich denn abgefunden mit dem unvermeidlichen Nichtstun und bin ins Bett gegangen.
An Schlaf war natürlich nicht zu denken.

Erst habe ich hin und her überlegt. Soll ich nochmal aufstehen und vor dem Gefrierschrank ein paar alte Handtücher hinlegen?
Was mache ich morgen früh? Ich bin ein Warmduscher, zumindest um diese Jahreszeit.
Kein Strom.
Erst mal Kaffee trinken. Den brauche ich unbedingt. Sonst bin ich "knatschig".
Kein Strom.
Zeitung lesen? Kein Licht, kein Strom.

Bin meist früh wach, also, was habe ich für eine Wahl?
Dumm rumsitzen und darauf warten, dass Nachbars wachwerden?
Die haben ein Handy.

Weißt du was? Ohne Strom bis du reichlich angeschissen. Da geht nix.
Und da sind wir stolz auf unsere Unabhängigkeit.

© Essay "Unabhängigkeit? Soll wohl ein Witz sein" von Autorin Monika Linn. Bildnachweis (CC0, Public Domain Lizenz): Stromleitung und Dunkle Nacht mit Taschenlampe

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