Begegnung mit unvertrauten Menschen

Buchtipp: "Der grausame Abschied" - Ein Roman von Linda Woess

Ein Buch über Liebe und Loslassen

Ein Buch über Liebe und Loslassen

"Der grausame Abschied" ist ein ergreifender und aufrüttelnder Roman der Autorin Linda Woess. Es ist die berührend und humorvoll erzählte Geschichte einer rätselhaften Persönlichkeit und die Behandlung eines oft tabuisierten Themas.

Ein Mann nimmt sich das Leben und reißt Familie, Freunde und Kollegen in den Abgrund. Sie stürzen in Selbstvorwürfe und werden von Schuldgefühlen geplagt, denn niemand von ihnen erkannte das Ausmaß der Zerbrechlichkeit seines seelischen Fundaments. Sein Tod durch eigene Hand wird für sie immer rätselhaft bleiben, denn sie finden keine endgültige und zufriedenstellende Antwort darauf, warum er diesen Schritt gesetzt hat. Nur ein Bündel von Vermutungen, Indizien und Hinweisen, die richtig, aber genauso gut auch falsch interpretiert werden können.

In Rückblenden erschließt sich das Leben des Mannes, der sich selbst tötete. Die angeborene Behinderung, die unsichere Bindung zur Mutter, das Kind, das durch die ständigen barschen Zurechtweisungen seine Unbefangenheit in sozialen Kontakten verlor und lernte, nicht gerne gesehen und nicht liebenswert zu sein. Ein erlittener Schaden, den er in seinem erwachsenen Leben nicht mehr wettmachen konnte. Seine Substanz schmolz dahin. Er konnte das Leben nicht mehr meistern. Ein letztes kräftiges Lebenszeichen, ein Paukenschlag, und er gab auf.

Unser Buchtipp für "Der grausame Abschied", das 2017 als 330-seitiges Taschenbuch und als E-Book erschien.

Aus dem Buch der Autorin Linda Woess lesen:

Er tat sich schwer, auf andere zuzugehen, sie anzulächeln und anzusprechen. Die Begegnung mit unvertrauten Menschen wirkte auf ihn genauso beängstigend wie eine unbekannte und neue Situation. Wenn er jemanden kennenlernte, reagierte er verunsichert und hielt sich fern. Aus Angst vor Blamage, dass er das Falsche sagte oder tat. Nur nicht negativ auffallen war sein Credo, und so hoffte er, dass ihn niemand ansprach. Oder aber er übertrieb maßlos, warf seine Zurückhaltung gewaltsam über Bord und stürzte sich förmlich auf den anderen. Er umarmte einen wildfremden Menschen, machte ungeschickte Komplimente und steckte seinen Kopf so nahe heran, dass kein Blatt Papier mehr zwischen ihn und den anderen passte.

Derart offensiv vorzugehen half ihm, den Stress zu vermeiden, angeredet zu werden und dann keine Antwort zu wissen. Oft fiel er dabei von einer Peinlichkeit in die andere, sagte etwas Unpassendes, vergriff sich im Ton, wurde zu vertraulich, löste erstaunte Blicke aus und endete mit einem hochroten Kopf.

Die Musik machte ihn ausgeglichener. Das Lied über das Frühlingserwachen ermutigte ihn, er überwand seine Scheu und löste die Finger vom Textbuch, das er seit Beginn des Konzertes fest im Griff hatte. Zunächst zaghaft, aber dann sehr bestimmt legte sich seine warme und große Hand auf ihre. Deckte sie vollkommen zu und fixierte gleichzeitig ihren Arm, der auf der Stuhllehne ruhen blieb. Sie erschrak und wäre beinahe zurückgezuckt, denn die plötzliche Intimität überraschte sie. Keine vorherige annähernde Geste, kein Blickkontakt, kein zufälliges Berühren, und nicht einmal ein zaghaftes Streifen ihres Oberarmes kündigte seine Absicht an. Abrupt nahm er ihre Hand, und sie ließ ihn gewähren.

Sie hatte nicht mehr damit gerechnet, dass er ihr in irgendeiner Weise nahe kommen wollte. Nichts ließ sie sein Vorhaben ahnen. Keine Anzeichen von besonderem Interesse. Steif und schmal saß er in seinem unbequemen Sessel auf dem Orgelbalkon und verfolgte das Konzert nur akustisch, denn von dem Hör-Platz mit der eingeschränkten Sicht war kein Blick auf die Musiker und den Dirigenten zu werfen. Nur wer aufstand und sich weit über die Brüstung beugte, kam auch zu einem visuellen Genuss. Das tat er nicht, und er achtete auch peinlich genau darauf, seine Sitznachbarin nicht zu berühren.

Und jetzt plötzlich durchbrach er den Sicherheitsabstand der getrennten Stühle. Suchte einen körperlichen Kontakt und setzte eine Geste, die für ihn einen gewaltigen Schritt bedeutete und hinter der Größeres stecken musste. Er wollte etwas von ihr. Was? Zusammengehörigkeit, Zuneigung, den Beginn einer Beziehung. ...

"Der grausame Abschied" ist ein spannender Roman, der über Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen erzählt. Rezensenten berichten über einen vielschichtigen und spannungsgeladenen Plot in diesem beeindruckenden und berührenden Buch.

Mehr von der Autorin Linda Woess, sowie eine Autorinnenvorstellung: Lesen Sie die Buchvorstellung zu "Rattenfest", einem Roman aus dem Wien der 1950er-Jahre.

© "Begegnung mit unvertrauten Menschen": Eine Leseprobe der Autorin Linda Woess, mit Zitaten aus Kundenrezensionen (Amazon), 04/2018.

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