Liebesromane in allen Variationen

Von Eugenie Marlitt bis zum modernen Romantikvergnügen

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Als es noch keine Seifenopern im Fernsehen gab, musste man sich etwas einfallen lassen, um sich ein wenig zu zerstreuen. Frauen und einige wenige Männer griffen in diesen Zeiten zum Liebesroman. Das tun sie im Übrigen auch heute noch, denn diese kleinen Emotionsbomben in Heftform kommen nicht aus der Mode. So scheint es jedenfalls.

In früheren Zeiten war so ein Roman zwar auch übel beleumundet, was das Gehaltvolle betrifft - aber wenn man eine Geschichte von Eugenie Marlitt oder anderen Schreiberinnen ihrer Zeit mit einem modernen Roman vergleicht, liegen ganze Welten dazwischen.

Eugenie Marlitt (1825 - 1887) war die Tochter eines Kaufmannes und wollte eigentlich Sängerin werden, was durch ein gesundheitliches Problem allerdings unmöglich wurde. Als Gesellschafterin der Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen lernte sie Adel und Bürgertum gut kennen, was sich in ihren Büchern widerspiegelte. Sie verarbeitete wohl sehr viel an eigener Erfahrung in ihren Geschichten, die den Adel und das gehobene Bürgertum sehr kritisch darstellten. Ein Teil ihres großen Erfolges wird wohl auch daran gelegen haben.

Marlitt entdeckte ihre Liebe zum Schreiben und konnte große Erfolge feiern. Sie war sozusagen eine Bestsellerautorin. Die Auflage der berühmten "Gartenlaube", eine Art Familienillustrierte der ersten Stunde, wurde um ein Vielfaches erhöht, als die Fortsetzungsromane der Marlitt über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren abgedruckt wurden.

Natürlich folgten die Romane der Schriftstellerin ebenso einem Schema wie die heutigen. Ein Mädchen von untadeliger, sittlicher Haltung, manchmal bürgerlich und manchmal auch adlig, gerät in Armut oder in Abhängigkeit von dünkelhaften Angehörigen. Es lernt einen ebenso einwandfreien Mann kennen, den sie anfangs durchaus nicht leiden kann. Den Rest kann man sich gut vorstellen. Aber anders als heute gibt es während der Handlung absolut keine Vertraulichkeiten heftigerer Natur. Für gewöhnlich wird es bei einem Kuss und einer Liebeserklärung am Ende belassen.

Das Spannende ist der Weg dorthin. Da gibt es Intrigen und hemmenden Dünkel in angenehmer Häufung. Marlitt verstand etwas von den Menschen und ihren Beweggründen ihrer Zeit, und es ist anzunehmen, dass sie so manches selbst erlebt hat.

Liest man über das hier und da ein wenig überbordende Lokaltümeln weg, wird man die Romane immer noch sehr interessant finden. Sie bedienen die Sehnsucht nach dem Guten, das über das Böse triumphiert. Vielleicht rücken die Geschichten der Marlitt sogar ein wenig in das Märchenhafte dadurch.

Die späteren Romane des Genres verkauften sich so hervorragend, dass man Sparten schaffen musste: Arztromane, Heideromane, Heimatromane und sogar Untersparten wie Fantasy-Storys mit Geistern und Vampiren. Meist ging es auch hier um eine gute Schöne, gerne arm aber ehrlich - und einen erfolgreichen oder sehr reichen Mann. Oder zumindest einen Arzt, der endlich die wunderschöne und tapfere Krankenschwester bemerkte. Hier und da trieb sich auch eine intrigante Rothaarige herum, die ihr Bestes tat, um die Romanze zu verhindern. Wahlweise auch eine herbe Brünette aus gutem Haus und mit einigem Hochmut ausgestattet. Das hatte sich seit der "Gartenlaube" kaum geändert.

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Für die Fans der Heimatliteratur gab es deftige bayerische Schmankerl. Für gewöhnlich spielt der Plot in einem Bauernhof mit ein bis zwei reichen Hoferben und einer Magd. Bis das grundgute Mädchen als Bäuerin einziehen konnte, war mit sehr viel "Umständ" zu rechnen. Es ging auch umgekehrt: die schöne Hoferbin verschmähte den Bräutigam und verliebte sich in den schmucken Förster, der zwar arm aber anständig war. Und ihr Vater tobte - jedenfalls eine Zeit lang.

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Irgendein mutiger Verlag brachte eine Serie über Straßenmädchen heraus. Natürlich war die Heldin jeweils auch hochanständig und nur aus Not in diesen Beruf geraten. Meist wurde sie auch von einem netten Mann geheiratet. Schlüpfrige Details gab es nicht - die musste sich der Leser selber vorstellen.

In den 1970er Jahren gab es dann eine neue Generation der Lesepralinen für den schnellen Genuss. Man hatte das Ausland entdeckt. Und das ging in etwa so: Schönes Mädchen (meist arm) trifft in Griechenland oder Spanien auf einen entsetzlichen Macho, der schwerreich und sehr attraktiv ist. Irgendwann outet sich der Mann, den das Mädchen natürlich erst nicht mag, als sensibler Typ. Aber nur für das Mädchen. Sonst ist er eine wandelnde Testosteronsäule.

In diesen Heften gab es Küsse durch den ganzen Plot hindurch. Und die ersten handfesten erotischen Szenen. Noch etwas verbrämt, aber immerhin durchaus erkennbar und für die Phantasie ein geeigneter Startpunkt. Für gestresste Hausfrauen und Mütter verbanden diese Romane die Sehnsucht nach romantischer und leidenschaftlicher Liebe mit der Sehnsucht nach fernen Ländern und einem völlig anderen Leben. So zwischen Brote schmieren und für den Schichtdienst anziehen und dem Transfer zum Kindergarten.

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Was heute auf dem Markt für das schnelle Romantikvergnügen am Feierabend ist, hätte Autorinnen wie den Geschwistern Bronte oder Eugenie Marlitt wahrscheinlich einen Herzanfall verursacht. Dort nämlich zog der Held seine Hand meist noch zurück, bevor sie das Mädchen am Arm berührte. Keusche Umarmungen gab es erst am Ende.

Man muss sich hier vorstellen, dass die sehr umfangreichen Romane der Eugenie Marlitt mit der Hand geschrieben wurden. Natürlich wurden ihre Werke als Trivialliteratur belächelt, nicht ohne eine Portion Neid. Denn sie verkauften sich hervorragend. Was sie aber heute immer noch ansprechend macht, sind die "neumodischen" Ideen, die zu jener Zeit nicht ohne weiteres geduldet wurden. Marlitt hielt den tapferen Frauen, die auf eigenen Füßen stehen wollen und es sogar tun, die Stange. Ihre unverblümte Kritik an Standesdünkel und Überheblichkeit wird Marlitt viele Sympathien eingetragen haben. Wenn wohl auch kaum bei denen, die es betraf.

Eine Liebesgeschichte beginnt heute oft mit dem "Morgen danach", die Zeiten haben sich geändert, zum Glück für alle Beteiligten. Aber wenn wir die Romane der Marlitt als Märchen für Erwachsene lesen, sind sie immer noch faszinierend.

© "Liebesromane in allen Variationen" - ein Textbeitrag von . Bildnachweis: oben Farbige Grußkarte mit Blume sowie unten Alte Schwarzweiß-Fotografie, beide: CC0 (Public Domain Lizenz)

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