Mein individuelles Problem: Der Kontaktmuffel

Essay von Monika Linn

Der Kontaktmuffel

Also gut, ich gebe es zu. Ich habe schlechte Laune. Ich meine, so richtig fett schlechte Laune.

Sie trieft heraus aus mir wie Fett aus Schweinebraten.
Bade geradezu in ihr.
Und nein, es wird keine Antwort geben, wenn du nach dem Grund fragst.
Aber wehe dir, du unterlässt es, zu fragen.

Das ist typisch Frau, du hast recht. Das hat damit zu tun, dass Frauen, mich eingeschlossen, süchtig nach Beziehungsarbeit sind. Beziehungen gibt es mehr als nur die "rinn in die Kiste, raus aus der Kiste".
Mit oder ohne Trauschein.
Freunde sind auch Beziehungen, logisch.
Und Mailkontakte oder soziale Medien-Kontakte, da gibt es ebenfalls viele Beziehungen.
Im Gegensatz zur Beziehungsarbeit Tuss ist der Beziehungsmuffel meist ein Mann.

Kennst du das?
Du lernst jemanden kennen, im Netz. Ihr mailt euch und er schreibt auch recht viel.
Je nachdem, wie lange du dich schon mit dem Phänomen des Netz-Beziehungsmuffels herumschlägst, fällt es dir dann über kurz oder lang auf.
Er fragt nie! Nix, garnix kommt von ihm.
Du wirfst ihm Wortbrocken hin, die unbedingt eine Frage zur Folge haben müssten. Keine Reaktion.
Nun bin ich ja die klassische Beziehungsarbeit Tuss. Alter Erziehungsadel aus dem vorigen Jahrhundert eben.
Hat sich zwar schon gebessert, aber oft erwischt es mich auch noch kalt von hinten.

Der Kontaktmuffel

Am Anfang habe ich auch bei mir relativ Fremden (im Netz natürlich) immer noch versucht, etwas zu ändern.
Ich weiß es ja. Was das betrifft, sind Frauen lernresistent bis doof ... manchmal. Hier die frohe Botschaft an alle, die ähnlich wie ich drauf sind.
Wir arbeiten daran.

Ein Beispiel, wie es läuft.
Sie: "Sag mal, hast du keine Fragen an mich?"
Er: "Du kannst mich alles fragen, was du willst. Kein Problem."
Sie denkt (leise natürlich!): "Du Dösdaddel, was tue ich denn die ganze Zeit?" Denn, auf Fragen antwortet er meist reichlich. Was seine Unfähigkeit zur Kommunikation geschickt verschleiert.
Sie: "Nein, ich meine du. Hast du keine Fragen an mich?"
Er: "Ich will nicht neugierig sein."
Sie: "Ich finde Neugier gut. Und wenn du mich Sachen fragst, zeigt das, du hast Interesse an mir. Das ist für mich wichtig."

Außerdem mach dir keine Sorgen (ehrlich? Deine Sorgen gehen mir am Allerwertesten vorbei. Das habe ich bei den Typen zum Glück schon gelernt), ich bin alt genug, um auf unangenehme Fragen keine Antwort zu geben.
Inzwischen bin ich kurz vor einem Ausraster. Säße der Typ vor mir, ich würde ihm meinen härtesten "Wenn du so weiter machst, schmeiße ich dir was an den Kopf" Blick hinwerfen.
Genau vor seinem blöd grinsenden Mund käme das an.

Er: "Ich kann warten, bis du Vertrauen zu mir hast und mir die Sachen von alleine erzählst."

Da war er, dieser Ausrastersatz.

Du Blödmann, du Pellkartoffel mit Kreislaufstörung, du Bratwurst ohne Anfang und Ende.
Die "Du kannst mich mal am ..." und Ähnliches erspare ich dir jetzt.
Ja glaubt der Idiot tatsächlich, soweit würde ich ihn kennenlernen wollen?
Nein, Sir! Keinen Bock Sir! Verschwinde, Sir!
Was ich als Nächstes lernen muss, ist, die Jungs ohne Ausflüchte einfach abservieren.

Nix mehr mit "Gerade keine Zeit", "Keine Lust auf Mailkontakt". Oder was mir sonst so an schonenden Sätzen vor die Tastatur fällt.
Was mir aber immer noch so richtig Schweinebraten fetttriefende schlechte Laune verursacht.
Ich falle immer noch auf diese Typen rein.
Meine Alarmglocken klingeln noch viel zu spät.
Ich arbeite daran, doch es könnte ruhig ein bisschen schneller gehen, glaub mir.

Also Leute: Fragt die Autorin! Schreibt ihr! Oder ruft in Dreiteufelsnamen an!

© Essay "Mein individuelles Problem: Der Kontaktmuffel": Autorin Monika Linn. Bildnachweis (CC0, Public Domain Lizenz): Frosch und Gesicht

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