Im Land des Hechelns

Leseprobe aus dem Buch der Autorin Annette Creft

Im Land des Hechelns

Das Buch:

Irgendwo in Deutschland: eine kleine chinesische Firma trotzt tapfer den Einflüssen des Westens.

Die kurzweilige Satire über Chinesen in Deutschland beschreibt die überraschenden Erlebnisse der Autorin Annette Creft in einem typisch chinesischen Unternehmen. Skurrile, nachdenkliche und lustige Anekdoten entführen den Leser in eine fremdartige Welt mitten unter uns. Temporeiche Kurzgeschichten wie "Im Zeichen des Lackaffen", "Wirb langsam" oder "Interkulturelle Komplikation" skizzieren einprägsam abenteuerliche Dienstreisen, markante chinesische Persönlichkeiten und absonderliche interkulturelle Treffen.

Die abwechslungsreichen Anekdoten bieten seltene Einblicke in die eigentümliche Arbeitswelt von Chinesen in Deutschland. Annette Crefts Buch Im Land des Hechelns ist als Taschenbuch oder E-Book über den Internet-Buchhandel verfügbar.

Leseprobe aus dem Kapitel "Highway to Hell":

Als Happy Meal auf's Gaspedal drückte, spürten wir das alle. Ich knallte mit der Stirn fast gegen die Scheibe, so ruckartig brachte er den Wagen in Bewegung. Auf der Autobahn war es nicht viel besser; man hatte das Gefühl, der Asphalt bestehe fast nur aus Schlaglöchern. Der eigenwillige Fahrstil erstickte jede aufkommende Entspannung im Keim. Ich spürte, wie mein Nacken steif wurde und meine Muskeln sich verkrampften.

Happy Meal brauste wie eine gesengte Sau über die Autobahn. Als wäre das nicht beängstigend genug, verwandelte sich sein Dauergrinsen auf einmal Stück für Stück in eine tückische Fratze. Ob ihn der Rausch der Geschwindigkeit gepackt hatte, oder ob er einfach versteckte Aggressionen abbaute, das Schauspiel war gespenstisch.

Vom Grinsen war nichts mehr übrig geblieben; er murmelte finstere Dinge und stierte boshaft vor sich hin. Ich traute meinen Augen kaum; es war, als sei der Mensch neben mir urplötzlich besessen. Das bizarre Bild wurde noch unheimlicher, als Happy Meal seine rechte Hand zur Faust ballte und dabei wütend grunzte. Mit der Faust klopfte er dann, offensichtlich unter Zwang, alle paar Minuten auf das Lenkrad. Ich bekam eine Gänsehaut und schaute ab jetzt nicht mehr hin.

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Aber das war bei weitem noch nicht das schlimmste. Kaum waren wir los gefahren - das Navigationsgerät zeigte noch schaurige fünf Stunden Fahrtzeit an - begann ein schrilles Gezeter.

Die Chinesen in der Firma unterhielten sich gern sehr laut. Auf der Arbeit war es meist zu ertragen; nur wenn das Essen kam, hörte man aus der Küche ein kollektives Kreischen. Pünktlich zu Hai Nun nahm die Belegschaft unter lautem Gebrüll die Küche ein. So wusste ich immer, wann Mittagspause war. Ging es wie meistens darum, untereinander Politik zu machen, liefen die Kollegen ebenfalls zu Hochtouren auf. Zwangsläufig kam es auch hier zum Extrem.

Der rasende Abteilungsleiter war die wichtigste Person im Auto. Da er zudem neu war, galt es, sich so schnell wie möglich bei ihm beliebt zu machen. Meine Chefin und der Manager wetteiferten nun darin, ihm und seiner Frau ihre Beflissenheit zu zeigen. Indem sie so laut wie möglich lachten, und, wie ich dem Tonfall entnahm, auch scherzten, demonstrierten sie Geselligkeit. Auf diese Weise drückten sie ihre Loyalität dem Vorgesetzten gegenüber aus. In Anerkennung dessen grölte das Ehepaar lauthals zurück. Auch das Lachen von Happy Meal, der wild auf seine persönliche Rennbahn starrte, hatte mittlerweile einen bedrohlichen Unterton.

Der chinesische Lärmpegel auf allerengstem Raum, ergänzt von den Bocksprüngen, welche der Kastenteufel neben mir mit dem Mercedes vollführte, überschritt klar die Grenze zur Körperverletzung. Kaum ebbte das hysterische Lachen länger als ein paar Minuten ab, hätte dies bedeuten können, dass die Untergebenen kein Interesse mehr an ihrem Vorgesetzten zeigen. Um diesen Gesichtsverlust abzuwenden, schrien sie sich munter weiter an; und zwar die ganze Fahrt hindurch.

Meine einzige Ausflucht war die Musik. Ich hörte das lauteste Stück, das ich finden konnte, um das Horrorgekreische zu übertönen. Ich war wirklich kein Fan, aber Heavy Metal war verglichen mit der brutalen Geräuschkulisse auf einmal der reinste Segen. "Sleep with one eye open ...". Dank der Musik konnte ich tatsächlich ein wenig dösen. Die Fahrt nahm derweil weiter ihren unseligen Lauf ... "Off to Never-Neverland".

© Text und Abbildung des Buchcovers: Autorin Annette Creft

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