Dr. Meierling und die Geschichte in der Sauna

2. Leseprobe aus dem Roman von Reiner Günter

Alles außer perfekt

Das Buch:

"Alles außer Perfekt" ist der Titel der heiter-ironischen Liebesgeschichte und das erste Buch von Reiner Günter. Die Inspiration dazu suchte sich der Autor als begeisterter Segler im holländischen Friesland.

Leseprobe aus "Alles außer perfekt":

Nur wenige Minuten später betraten die Zwei das Restaurant, setzten sich an die Bar und Dr. Meierling bestellte etwas beim Keeper. Kurz darauf hallte das angenehme "Plopp", wie es nur beim Öffnen von Champagnerflaschen entsteht, durch den Raum. Gläser klangen.

Die Blondine gab Meierling einen vielversprechenden Kuss, er legte seinen Arm um ihre schlanke Hüfte. Nach einer Weile drehte er sich in den Raum, wahrscheinlich um zu überprüfen, ob er die Location für sein Date gut gewählt hatte.

Sein Blick fiel auf Chris. Und in seinen Gesichtszügen spielten sich binnen weniger Sekunden ganz erstaunliche Verwandlungen ab. Die Mimik zeigte erst Unglauben, dann Erschrecken, Verstehen und anschließend gelinde Züge von aufsteigender Panik. Parallel dazu veränderte sich das Hautkolorit von kreidebleich über aschfahl in ein leuchtendes puterrot. Ungesund sah er aus, der Herr Meierling. Zum Glück konnte er sich hier ja erholen.

"Das ist unser Firmennotar Dr. Meierling", setzte Chris seine Freundin kurz in Szene, "allerdings nicht mit seiner Frau."

"Ups!", flüsterte Svenja, "dumm gelaufen." Meierling hatte offensichtlich einen Entschluss gefasst . Er flüsterte seiner Begleitung kurz etwas ins Ohr und kam dann, sichtlich um Fassung ringend, an den Tisch von Chris und Svenja.

"Herr Ohlson, das ist ja eine angenehme Überraschung!" Chris hatte so seine Zweifel, ob der Jurist dieses wirklich sehr zufällige Treffen tatsächlich als angenehm empfand. Er erhob sich, gab ihm die Hand und stellte ihm Svenja vor.

"Sehr erfreut", log Meierling und gab ihr einen angedeuteten Handkuss. Ein Mann von Welt. Der Mann von Welt beugte sich nun ganz nah zu Chris herüber.

"Nun, was meine Begleitung angeht, Herr Ohlson", räusperte er sich, "es ist nicht das, was Sie womöglich denken. Frau Westphal ist eine junge Kollegin und wir wollen uns hier ganz in Ruhe auf ein wichtiges Seminar vorbereiten, das wir nächste Woche in unserer Kanzlei halten. Sie verstehen?" Chris verstand. Auch er bereitete sich auf wichtige berufliche Termine gerne mit einer hübschen Blondine und einer Flasche Champagner vor.

"Nun ja, ich will Sie auch nicht länger stören", brachte Meierling mühsam hervor. Die Eloquenz des Juristen war ihm irgendwie abhanden gekommen. "Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Aufenthalt in diesem schönen Hotel."

"Und die Blonde an der Bar soll eine Rechtsanwältin sein?", fragte Svenja spöttisch, nachdem er wieder verschwunden war.

"Definitiv! So wie die aussieht, kann die bestimmt keinen Hängen sehen." Dr. Meierling und seine hübsche Begleitung hatten es auf einmal recht eilig, das Restaurant zu verlassen. Die Pulle Schampus nahmen sie mit, war ja auch ein kleines Vermögen wert. Ob vor allem Meierling den edlen Tropfen noch genießen konnte, schien den beiden fraglich.

"Das nenne ich wirklich Pech!", meinte Chris. "Da fährst du mit deiner Lady zu dieser Unzeit ins Sauerland um auf Nummer sicher zu gehen, und triffst dann dort, was in höchstem Maße unwahrscheinlich ist, jemanden der dich kennt. Und deine Frau. Der arme Kerl war ja fix und fertig. Auf erotische Spielchen hat der bestimmt keinen Bock mehr." Svenjas Mitgefühl hielt sich in Grenzen.

"Die haben ja Fernseher hier auf den Zimmern", meinte sie lakonisch. Sie tranken die Cappuccini aus und fuhren nach oben auf ihr Zimmer. Dort lagen zwei flauschige, weiße Bademäntel für sie bereit. Man konnte von hier direkt mit dem Aufzug in den Wellnessbereich fahren. Sehr praktisch. Unten angekommen, fanden sie sich in einem gigantischen Spa wieder. Im Gegensatz zu dem eher gediegenen Ambiente der Hotelräume war hier unten alles asiatisch angehaucht. Auch die junge Dame, die sie herzlich willkommen hieß, hatte ihre Wurzeln ganz offensichtlich im Land der aufgehenden Sonne.

"Sie müssen del Hell Ohlson sein!", begrüßte sie ihn mit einem unergründlichen Lächeln. "Ihle Flau hat schon alles fül Sie allangiert. Del Massagetermin ist in zwanzig Minuten. Also noch genug Zeit fül einen schönen Saunagang."

"Plima!", antwortete Chris, ohne dass er es wollte. Svenja knuffte ihm in die Seite. Aber die schöne Geisha hatte seine Antwort mit asiatischer Höflichkeit überhört.

Das Angebot an Saunen war überwältigend. Ob finnische Sauna, Farbtherapie-Sauna oder türkisches Dampfbad, hier war für jeden Geschmack etwas dabei. Chris und Svenja entspannten sich zunächst in einem klassischen Schwitzkasten. Nach dem Duschen verschwand Svenja im Ruheraum und Chris schlurfte zurück zu der netten Asiatin, die ihn sogleich in einen halbdunklen Raum führte und ihn bat, es sich bäuchlings auf einer Liege bequem zu machen. Die Masseurin wäre gleich bei ihm. Sie deckte ihn mit einem großen Handtuch zu und entschwand. Praktischerweise war im oberen Teil der Liege ein Loch, in das er seine Nase stecken konnte. So lag er nun da und harrte der Dinge die da kamen. Oder nicht.

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Es roch nach Räucherstäbchen. Aus versteckten Lautsprechern klang meditative Musik. Nun, Musik konnte man das eigentlich nicht nennen, was da in seine Ohren drang. Er versuchte, sich die Wartezeit damit zu vertreiben, eine passende Bezeichnung für das psychodelische Gedudel zu finden und er ahnte noch nicht, dass er solcherart Überlegungen an diesem Wochenende noch des Öfteren nachhängen würde. Ein Gong erklang, er sah kurz hoch und ein Vorhang, den er noch gar nicht bemerkt hatte, tat sich auf. Herein trat eine Mischung aus Höhlentroll und Sumoringer, die sich erst bei genauester Betrachtung als weibliches Wesen identifizieren ließ. Wobei "weiblich" sehr, sehr wohlwollend gemeint war. Hundertvierzig Kilo Lebendgewicht schätzte Chris und ihm wurde mulmig. Der Gedanke, von diesem Wesen gleich durchgeknetet zu werden ließ ihm das Blut in den Adern gerinnen.

"Guten Abend", erklang eine angenehm warme und weiche Stimme, die so gar nicht zu diesem wandelnden Fleischberg passen wollte. "Ich bin Irene, und werde Sie heute Abend mit einer Ayurveda Massage verwöhnen." Zweifel stiegen in Chris auf. Und Fluchtgedanken!

"Haben Sie schon einmal eine Ayurveda Massage genossen?", fuhr sie fort. Nein, und ich glaube, ich kann da auch drauf verzichten, wollte er losschreien, sagte aber:

"Nein!"

"Ayurveda", erklärte ihm Frau Irene, "ist eine über fünftausend Jahre alte indische Heilkunde, die für Harmonie von Körper, Geist und Seele sorgt. Übersetzt heißt Ayurveda so viel wie 'Wissen vom langen Leben'." Und genau um dieses sorgte sich er jetzt, beim Anblick von Irenes Oberarmen.

"Ich werde Sie gleich nach der Methode 'Abhyanga' verwöhnen. Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und bedeutet 'Die große Einölung'." Chris hielt es jedoch für wahrscheinlicher, hier gleich die letzte Ölung zu erhalten.

"Die Rezepturen für die Öle, die ich bei Ihnen verwende, entstammen dem uralten Lehrbuch 'Ashtanga Hridaya' was mit 'achtfaches Herz' übersetzt werden kann."

'Arsch- Tanga?', dachte Chris, 'um Gottes willen, lass bloß deine Klamotten an! Wenn die sich hier auszieht, brauche ich "Doppelherz", und zwar sofort!' Frau Irene kippte ihm gefühlte fünf Liter heißes Öl auf den Rücken, was Chris mit einem zischenden Laut quittierte.

"Wenn es Ihnen zu heiß ist, sagen Sie es ruhig", kommentierte Irene.

'Ja wie denn, ist doch schon auf mir drauf, das heiße Zeug!'

Ihm fiel ein, einmal gehört zu haben, dass die Masseusen bei Thaimassagen auch schon mal über den Rücken ihrer Patienten liefen und war heilfroh, dass Irene aus dem Sauerland und nicht aus Phuket stammte. Das hätte die Liege auch gar nicht ausgehalten! Von ihm selber mal ganz zu Schweigen. Immerhin war die Massage nicht so grob, wie er befürchtet hatte. Im Gegenteil. Irene verstand ihr Handwerk. Mit sanften Bewegungen strichen ihre Hände über seinen Rücken und lösten Verspannungen in Muskeln, von denen er bisher noch nicht einmal wusste, dass er sie besaß.

"Gut so?"

"Ja! Sehr gut sogar", grunzte er, steckte seine Nase tiefer in das Loch, schloss die Augen und ließ Irene machen. Langsam döste er weg.

"Jetzt bitte einmal umdrehen!", riss sie ihn nach einer schönen langen Weile aus seinen sanften Träumen.

'Umdrehen? Ich bin doch nackt!' Aber auch diese Prozedur wurde von Irene professionell gemeistert. Sie nahm das Handtuch von seinem Rücken und hielt es sich vor ihren Kopf, so dass sie seiner Blöße nicht ansichtig wurde. Schnell drehte er sich um und das Handtuch wurde zum Lendenschurz.

'Jetzt bloß nicht auf dumme Gedanken kommen!', versuchte er sich zu konzentrieren als Irene begann, seine Vorderseite zu massieren. Aber auch diese Sorge blieb grundlos. Lediglich ein gewisser Harndrang stellte sich ein, Folge der tiefen Entspannung und der gesteigerten Tätigkeiten seiner Organe. In diesem Falle der Nieren. Mit anderen Worten: er musste pinkeln und zwar dringend. Was in dieser Situation suboptimal war. Zu allem Überfluss wurde die meditative Musik jetzt auch noch von Vogelgezwitscher und dem Geräusch eines rauschenden Baches unterstützt. Hervorragend.

Chris versuchte, den Klang des rauschenden Wassers zu ignorieren, was ihm jedoch nicht gelang. Unter Aufbietung seiner gesamten Konzentration und Körperbeherrschung vermied er es, die peinliche Frage nach einem Toilettengang stellen zu müssen. Wann ist ein Mann ein Mann? Die Verabschiedung von Frau Irene fiel dann auch etwas kürzer aus, als sie es verdient gehabt hätte. Aber er musste jetzt aufs Klo. Subito! ...

Wie es in "Alles außer Perfekt" weitergeht, lesen Sie im Buch von Reiner Günter, das als Taschenbuch oder E-Book erhältlich ist. Eine Fortsetzung dieses Romans ist in Planung

© Beim Autor Reiner Günter bedanken wir uns für diese Leseprobe und die Abbildung des Buchcovers

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