Die Bank, ein halbes Leben lang

Leseprobe aus dem Buch von Helga Marie Paulin

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Helga Marie Paulin: Die Bank, ein halbes Leben lang

Treten Sie ein in die Welt der Banken und Finanzen! Lernen Sie diese von einer neuen Seite kennen! Lösen Sie sich dabei von den Gedanken an Ziffern und Zahlen, Sparen, Vermögensaufbau, Krediten und bargeldlosem Zahlungsverkehr. Beobachten Sie die Menschen. Erlauben Sie sich mitzufühlen. Erkennen Sie den Wandel der Zeit?

Die Autorin Helga Marie Paulin wurde 1958 in Wien geboren. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, mit dem Gedankengut der Nachkriegsgeneration an ein besseres Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand, in dem Geld eine wichtige Rolle spielte. Sie absolvierte das Gymnasium, startete 1976 die Karriere als Bankangestellte und wagte 2007 den Schritt in ein freies, unabhängiges, selbstständiges Berufsleben.

Das Buch "Die Bank, ein halbes Leben lang. Geschichten rund ums Geld - amüsant, kritisch, wundersam" ist 2014 im Cyber Publishing e-Verlag als Taschenbuch oder E-Book erschienen.

Leseprobe: Safebesuch

Frau Dwaroch, eine nette alte Dame, äußerst fein und elegant, wie es in der Villengegend von Wien nicht ungewöhnlich ist, kam jeden Donnerstag in die Filiale, um an den Safe zu gehen. Pünktlich um 13.30 Uhr füllte sie den Safe-Besuchszettel aus, ließ sich von einem Mitarbeiter in den Saferaum im Keller begleiten, steckte ihren Safeschlüssel an, der Bankbeamte den zweiten, das Schließfach wurde geöffnet und die schwere Metallbox herausgeholt und auf den Tisch der Kabine gestellt.

Frau Dwaroch setzte sich, entließ den Mitarbeiter und wühlte in ihrer Kassette, zählte, notierte, murmelte ... bis 17.30 Uhr. Da kam der Bankbeamte wieder, wies sie darauf hin, dass sie nun alles einräumen musste, denn der Saferaum musste versperrt und gesichert werden, weil Dienstschluss war. Und das war immer so, Donnerstag für Donnerstag!

Eines Tages, kurz nach Dienstantritt des neuen Filialleiters Seiler, kam die alte Dame wieder und dieser begleitete die Kundin selbst in den Saferaum. Er fühlte sich verpflichtet zu warten bis Frau Dwaroch fertig war und er ihre Kassette wieder einräumen und das Schließfach versperren konnte. Nachdem er schon eine Weile gewartet hatte, begann er mit ihr zu plaudern und sie erzählte ihm:

"Wissen Sie, ich werde von der Staatspolizei verfolgt! Überall sind Spitzel. Sie horchen mein Telefon ab. Wanzen, überall in meiner Wohnung sind Wanzen. Sie glauben, dass ich Jüdin bin und wollen mich nach Dachau bringen. Aber meine Papiere sind sauber. Da, mein Ahnenpass! Schauen Sie! Sie schleichen mir überall hin nach, um zu sehen, mit wem ich red'! Ich unterhalt' mich sicher mit keinen Juden! Meinen Schmuck wollen sie haben. Alles wollen sie mir wegnehmen. Aber in mein Safefach darf keiner außer mir! Nichts kriegen die Spitzel, gar nichts, und nichts werden sie finden bei mir, die Herren von der Staatspolizei."

"Aber Frau Dwaroch, wie haben Sie denn gemerkt, dass sie verfolgt werden?"

"Sie haben mir meinen Pelzmantel abrasiert, meine Kleider abgeschnitten und gehen mir überallhin nach!"

"Frau Dwaroch, aber da ist doch niemand, der Sie verfolgt. Es ist doch keiner da!"

"Doch, sie sind da, fragen mich aus, horchen mich aus, sind Sie vielleicht auch einer von denen? Hilfe! Hilfe!"

Frau Dwaroch drückte kurzerhand den Alarmknopf.

Das Alarmlicht blinkte, die Sirene heulte los und ein paar Minuten später stürmten die Polizisten die Filiale. ...

© Leseprobe von Helga Marie Paulin: "Die Bank, ein halbes Leben lang". Text und Abbildung: Cyber Publishing e-Verlag, Wien

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